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Haus „Zur Platane“ Tösstalstr. 19

1846

Die Villa „Zur Platane“ wurde 1846 erbaut. Sie bildet das Gegenstück der gegenüberliegenden Villa Blumental, die neun Jahre zuvor von Friedrich Imhoof-Blumer erbaut wurde. Die beiden prunkvollen Gebäude zeigen sich als öffnendes Tor aus der Neustadt (innere Tösstalstrasse) hinaus. Sie stehen auch exemplarisch für viele weitere seit der Mitte des 18. Jhdt. entstanden zahlreiche Landhäuser vor den Stadtmauern.

Das erste und zweite Geschoss der klassizistischen Villa „Zur Platane“ werden durch ein umlaufendes, profiliertes Stockwerkgesims unterteilt. Die ehemalige Hauptfassade, auf die Tösstalstrasse (Südseite) hinaus, hat über einem Balkon-Portikus ein Triforium (eine Dreifachbögen-Öffnung). Über diesen Fenstern befinden sich Lünetten-Reliefs, in denen Frauen und Putten dargestellt sind. (Lünetten sind halbkreisförmige Wandfelder, die sich über Türen und Fenstern befinden. Putten sind Kindergestalten, die meist wenig bekleidet oder nackt und mit oder ohne Flügel dargestellt sind.) Das Dachgebälk wird durch drei hochgezogene Fensterachsen durchbrochen und damit ein drittes Obergeschoss bilden.

Die Villa Platane wurde ab 1870 durch die Familie Hahnloser bewohnt. Sie bestand aus der Mutter Josephine geborene Wirth, Vater August und den vier Kindern Gustav August, Arthur, Paul und Emil. Vater August Hahnloser kam 1860 nach seinen Wanderjahren nach Winterthur zurück und fand bei der Winterthurer Baumwollagentur Geilinger und Blum (im Alleinbesitz von Johann Caspar Reinhart) eine Lehrlingsstelle. Er arbeitete sich in diesem Unternehmen rasch hoch und wurde nach 23-jähriger Tätigkeit Teilhaber. Am 22. August 1860 heiratete er Josephine Wirth. 1862 kam Gustav August zur Welt. Mit 1864 Paul , 1870 Arthur und 1874 Emil folgten drei weitere Söhne.

Bild: Foto Walser Zumbrunn Wäckerli Architektur GmbH

Der zweitgeborene Paul wurde durch den Geschäftsführer Paul Reinhart als begnadeter Baumwollagent erkannt und übernahm später die Nachfolge seines Vaters in der nun umbenannten Firma Paul Reinhart & Cie. Gustav August übernahm 1895 die Firma B. Bosch und führte diese unter dem Namen Hahnloser & Co. Emil schliesslich, der Jüngste, studierte Jura in Genf und Bern und trat dann in die Anwaltskanzlei von Ludwig Forrer, dem späteren Bundesrat, ein. Bevor er weitere Pläne realisieren konnte, wurde er zu seinem Bruder Paul in Alexandrien geschickt. Dieser führte dort eine Baumwollfirma und war schwer erkrankt. Er war allerdings am Handelgeschäft wenig interessiert, unterzog sich aber den Familienverdickt und unterstütze seinen Bruder in einer schweren Zeit.

Arthur, 1870 geboren, wollte Arzt werden. Nach der Matur besuchte er Vorlesungen in Zürich, Lausanne und Heidelberg. Nach dem Staatsexamen studierte er die Augenheilkunde in Zürich, Wien, München und London. 1896 promovierte er in Zürich. Am 24. Oktober 1898 heirate er Hedy Bühler, Tochter von Carl Bühler-Blumer, nach langer Bekanntschaft und Umwegen. Zusammen richteten sie in der Villa Flora, ehemaliger Hauptsitz der Bühler Spinnereifabriken, nur wenige Meter von seinem Elternhaus entfernt, eine Augenklinik ein.

Die „Platane“ ist heute im Besitze der Stadt und sie wird als Bürogebäude genutzt. Derzeit ist vom Departement Soziales die integrierte Suchthilfe einlogiert.

Bild: Foto Walser Zumbrunn Wäckerli Architektur GmbH

Architekten-Beschrieb (Walser Zumbrunn Wäckerli) für die Sanierung 2015

Das Haus zur Platane an der Tösstalstrasse 19 ist ein überkommunales Inventarobjekt. Die Hauptfassade der klassizistischen Villa ist zur Tösstalstrasse ausgerichtet und zeigt über den Bogenfenstern Reliefs aus Sandstein. Beim denkmalgeschützten Haus sollte primär eine Sanierung der Gebäudehülle vorgenommen werden, da sich die Sandsteingewände, Spengler-, Verputz- und Malerarbeiten, das Dach (inkl. Untersichten) und die Flachdächer in teilweise desolatem Zustand befand. Im Inneren waren durch die intensive Nutzung Schäden an den wertvollen Tafelparkettböden entstanden. Diese wurden sorgfältig saniert. Teilweise konnten die Böden jedoch nicht mehr gerettet werden und mussten analog den Originalböden ersetzt werden. Die Sanierung der Liegenschaft geschah in Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege.

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