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Römertor Oberwinterthur

01. November 1970

Das heutige Zentrum von Oberwinterthur ist das „Römertor“. Um die Strassenkreuzung von Stadlerstrasse, Römerstrasse und Guggenbühlstrasse reihen sich Läden von Grossverteilern und KMU’s, Versicherung, Post und anderes mehr. Auch eine Haltestelle des Stadtbusses mit gleichem Namen befindet sich dort. Das Wahrzeichen ist aber das Hochhaus mit Wohnungen mit dem angegliederten Restaurant- und Saalbau.

Als sich nach dem zweiten Weltkrieg das Geschehen normalisiert hatte, machte sich das Bedürfnis nach einem Saal in Oberwinterthur breit. Es waren in erster Linie die Herren Ernst Hoerni-Gebendinger, Erich Werner und Gusti Schmidhauser, die die Gründung einer Saalbaugenossenschaft (SGO) förderten. Am 18. Oktober 1946 war es soweit, die Saalbaugenossenschaft Oberwinterthur wurde gegründet. In den neuen Statuten wurde der Zweck wie folgt formuliert: „Die Genossenschaft bezweckt zur Förderung des gesellschaftlichen Lebens im Stadtkreis Oberwinterthur einen geeigneten Saalbau zur Verfügung zu halten.“

Rasch wurde die Zielsetzung unter dem Präsidium von Ernst Hoerni in Angriff genommen, motiviert durch die zahlreichen Eintritte zur Genossenschaft. Trotzdem stellte sich die Finanzierung als das Hauptproblem heraus. Das Genossenschaftskapital reichte nirgends hin. Ein sinnvolles Konzept strebte ein geteiltes Vorgehen an. Die Stadt Winterthur musste motiviert werden, den Bau zu erstellen, während die SGO für den Unterhalt und den Betrieb zuständig wäre. Anfangs der 60er-Jahre begann sich eine Lösung abzuzeichnen. Bruno Stefanini, der Winterthurer Immobilien-Unternehmer, plante auf dem Schiltwiesen-Areal eine Grossüberbauung in Form eines Hochhauses. Die Stadt anerbot sich, in Kombination mit diesem Neubau, ein Restaurant mit grossem Saal und Sitzungszimmer sowie ein Hotel zu erstellen. 4,5 Millionen Franken kostete das Projekt und die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Winterthur bewilligte im Jahre 1966 diesen Kredit. Am 1. November 1970 durfte die Eröffnung gefeiert werden und das Haus nahm unter Gabriel Käslin seinen Betrieb auf.

Das „Römertor“, gebaut durch die Architekten E. Bosshart + R. Steiner umfasste von Anfang an ein grosses Restaurant mit Terrasse, einen Saal mit bis zu 600 Sitzplätzen, zwei Kegelbahnen, ein Hotel mit 22 Zimmern im ersten Stock des Hochhauses, eine Einstellhalle im Untergeschoss und einen grossen Parkplatz. Die SGO übernahm wie geplant die Verwaltung und den Betrieb. Die Benützung der Angebote vom Restaurant über die Sitzungszimmer und den Saal liess sich gut an und zeigte, dass das Bedürfnis mehr als ausgewiesen war. So entwickelten sich auch die Finanzen der SGO gut. Die Zinskosten an die Stadt konnten immer termingerecht entrichtet werden und auch die Äufnung von Unterhaltsreserven konnten getätigt werden. Die Generalversammlung der Trägerorganisation wurde zu einem gesellschaftlichen Ereignis in Oberi. Unter dem Motto „sehen und gesehen werden“ trafen sich die Genossenschafter und die Vertreter der Vereine und Firmen zum geselligen Meinungsaustausch.

Eine grosse Enttäuschung erfolgte 2005. Die Stadt Winterthur verkaufte den ganzen Restaurant/Hotelkomplex an den damaligen Pächter. Die Oberwinterthurer Bevölkerung wie auch die Saalbaugenossenschaft wurde durch diesen Entscheid überrascht. Vorinformationen wurden nicht ausgetauscht. Auch der Rettungsversuch der SGO, wenigstens den Saal in Obhut behalten zu können, scheiterte. Die Genossenschaft musste, sie konnte ihren Zweck nicht mehr erfüllen, 2006 liquidiert werden. An der Generalversammlung vom 19. Mai 2006 wurde die Liquidation per 30. Juni 2006 beschlossen. Der Rechungs-Überschuss von gegen einer halben Million Franken ging an die Stadtkasse. Er soll für kulturelle Zwecke in Oberwinterthur verwendet werden.

Beim Bau des Hotels Römertor ist ein begrenzter Abschnitt der in östlicher Richtung wegführenden Römerstrasse entdeckt worden. Die Fundstelle, die unter dem Parkplatz liegt, ist zu besichtigen. Eine Türe im Saal-Untergeschoss führt dazu. Der Schlüssel kann bei der Réception des Hotels bezogen werden.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Rückkauf des Restaurant/Saal-Komplexes

2015 wurde bekannt dass der Käufer des Hotels Römertor seine Liegenschaft wieder verkaufen will. Er will kürzer treten und die Verantwortung abgegeben. Die Umsatzzahlen der letzten Jahre waren jedoch kein toller Ausweis für einen neuen Investor. So wurde es für die Besitzerfamilie zu einem Glücksfall, dass die Stadt Interesse zeigte das Objekt zurückzukaufen. Sie konnte ein Vorkaufsrecht geltend machen. Der Rückkaufspreis sei identisch mit dem seinerzeitigen Verkaufspreis, war in einer Zeitungsnotiz zu lesen.

Die Stadt schliesst mit der Übernahme der Liegenschaft per 30. Juni 2017 Restaurant und Saal. Die Zukunft ist ungewiss. Es ist ein Entwicklungsprozess geplant. Ziel ist es, eine städtebauliche Aufwertung des Areals zu erreichen, zudem auch der grosse Parkplatz nicht hingegen das angebaute Hochhaus gehört. Das Zentrum Römertor ist im Inventar der schutzwürdigen Bauten aufgeführt.

Oberwinterthur verliert nach 47 Jahren den Restaurantbetrieb Römertor mit den dazugehörenden Sitzungszimmern und dem grossen Saal. Das ist schmerzlich und kaum fassbar. Wenn der Stadtrat schreibt, es gäbe heute in Oberwinterthur andere Möglichkeiten, trifft das schlicht nicht zu. Mit dem seinerzeitigen Verkauf und der Auflösung der Saalbau-Genossenschaft wurden die Weichen ganz einfach falsch gestellt und der Betrieb an den Interessen der Bevölkerung vorbeigeführt.

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