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Hurter Werner, 1932-2017, Kunstmaler

Werner Hurter
Tue Jun 14 00:00:00 UTC 1932
Mon Nov 06 00:00:00 UTC 2017

Bereits während seiner Lehre zum Flachmaler hatte Werner Hurter gemalt. Damals fühlte er sich aber noch zu jung und zu dünnhäutig für die Kunst. Seine Ausbildung zum Architekten erhielt Werner Hurter in der Praxis als Lehrling in einem Architekturbüro. Von 1954 bis 1972 arbeitete er als Architekt, ab 1958 selbständig. In den 1970er Jahren hatte er genug vom Geschäft, beschloss auszusteigen und begann wieder zu malen.

©Foto Alexander Breu

Werner Hurter ist 1932 geboren und wohnt in Winterthur. Nach einer Malerlehre in Zürich absolvierte Werner Hurter eine Ausbildung in einem Architekturbüro und war ab 1958 bis 1972 als selbstständiger Architekt tätig. 1973 gab er seine Arbeit als Architekt auf und konzentrierte sich fortan auf seine künstlerische Tätigkeit in seinem Atelier in Winterthur. Sein Wissen über die Architektur blieb jedoch auch danach gefragt, insbesondere auch bei der Stadt Winterthur, wo er für das Büro Bauordnung und für die Stadtbildkommission tätig war.

© Galerie Katharina Krohn

Werner Hurter engagierte sich zeitlebens im Winterthurer Kunstleben und half mit, wenn es etwas in einem fortschrittlichen künstlerischen Umfeld aufzubauen galt: Er war bei der Gründung der Galerie ge beteiligt, die anfangs von einem Künstlerkollektiv geführt wurde. Er war Gründungsmitglied der Kulturstiftung Winterthur. Er half mit bei der Einrichtung eines temporären Ausstellungsraums an der Konradstrasse und machte sich stark für die Schaffung von Ateliers im Büel und in der Schleife. Er war von 1984 bis 1998 im Vorstand des Kunstvereins Winterthur und er ist langjähriges Mitglied der Künstlergruppe Winterthur.

©Foto Heinz Bächinger

Sein Oeuvre dagegen weist über die rein lokale Verankerung hinaus. Ausstellungen in Museen und Galerien im In- und Ausland zeugen davon. Seine Arbeiten sind geprägt von einer grossen Wandlungs- und Erneuerungsfähigkeit und weisen eine entsprechende Spannweite auf. Die Stationen seiner Entwicklung sind in Katalogen dokumentiert, die zu den wichtigen Ausstellungen erschienen sind: 1987 zur Präsentation im Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, 1990 zur ersten Einladung ins Kunstmuseum Winterthur und erneut zur Ausstellung von 2007 am selben Ort.

In den letzten Jahren experimentierte Hurter mit verschiedenen Techniken und fand zusehends zu einfacheren Abläufen und Formen, wie dies etwa beispielhaft nachzuverfolgen ist anhand der neueren Arbeiten mit ihren in Wasserfarben auf Papier gemalten, vergleichsweise schlichten Farbbahnen.

1987 erhielt Werner Hurter das Atelierstipendium des Kantons Zürich für Paris, 2001 wurde er mit dem Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kulturstiftung, 2006 mit dem Preis der Kultur-Stiftung Winterthur und 2010 mit dem Kulturpreis der Stadt Winterthur ausgezeichnet.

Werner Hurter wohnt und arbeitet in seinem Haus in Taa bei Iberg. Dort findet er Ruhe und Musse für sein nach wie vor ungebrochenes Schaffen und seine Kreativität.

Im November 2017 ist Werner Hurter nach schwerer Krankheit im Kreise seiner Angehörigen verstorben.

Nachruf von Philipp Meier (NZZ 9.November 2017)

Die grosse Freiheit am Schluss

Der Winterthurer Künstler Werner Hurter konnte auf ein faszinierendes Spätwerk blicken. Am Montag ist er im 85. Altersjahr gestorben. Selbst im Krankenbett hat er noch eine ganze Reihe eindrücklicher Kohlezeichnungen gemalt. Wer ein Alterswerk schaffen kann, dem hat das Leben nicht bloss ermöglicht, in die Jahre zu kommen. Es hat ihm vielmehr auch die Option offengehalten, neu zu beginnen. Diese Option stand Werner Hurter offen nicht nur aufgrund seiner Leidenschaft für die Malerei, sondern gewiss auch, weil er ein grosser Kunstkenner und -freund war, der sich international orientierte und begeisterte, viel reiste und gerne immer wieder Massnahm an der Welt. Dadurch gelang es ihm, sich in seinem Kunstschaffen stets zu erneuern. Dies bis zuletzt. So war noch sein Alterswerk von grosser Eigenständigkeit. Wie viele, die zu einer im weitesten Sinn abstrakten Malerei finden, ging aber auch er den Weg vom Gegenständlichen aus. Baumbilder, Stadtansichten, Tische waren einmal die Motive seiner Malerei, schliesslich war es die freie Gestik des Malens selbst, die wie ein wertvolles Destillataus Hurters künstlerischem Werdegang hervorgegangen ist.

Im abstrakten Raum

Wobei da vielleicht am nachhaltigsten seine frühen Baumbilder durchklangen: Im Gehölz des abstrakten Raums seiner späten Bilder, im unwägbaren Geäst des Bildgrunds oder im Hain auch lichter Stamm-Vertikalen ist etwas vom Altensichtbar geblieben. Ölfarbe, auch flüssiges Aquarell bestimmen das gegenstandslose Werk des reifen Künstlers, das von grosser Stringenz ist. Werner Hurter war Autodidakt nicht nur, was die Kunst betrifft. Selbst zur Architektur, seinem früheren Metier, kam er durch die Praxis und nicht durch die Theorie. So kannte Hurter denn auch stets maximale Freiheit im Umgang mit der Kunst. Durchlaufen hat der experimentierfreudige Maler manche Schaffensphasen. Aufgeschlossen für neue Versuche, neues Material, neue Techniken und Gestaltungsmöglichkeiten, entdeckte Hurter etwa die Holzkohle aus dem Ittinger Kohlenmeiler. Mit den schwarzen Brocken entstanden Blätter von vibrierenden, astartigen Linien. Von der Winterthurer Ausstellung im Jahr 2007 noch gut in Erinnerung ist eine gewisse Leichtigkeit all seiner Bilder, als ob Hurter malerische Freiübungen zur Lockerung im Alter vorgenommen hätte. Besonders die Aquarelle, die «flüssigen» Blätter, wirken völlig befreit von künstlerischem Wollen und Zwang. Im Spätwerk hat die Malerei Werner Hurters einen hohen Freiheitsgrad erlangt: Sie zerfliesst in lichten Farblachen, ohne die Ordnung der Komposition zu gefährden.

Ein geschätzter Zeitgenosse

Insbesondere in Winterthur war dem Künstler hohe Wertschätzung gewiss. Eine solche erfuhr er etwa mit zwei Einzelausstellungen im Kunstmuseum in den Jahren 1990 und 2007. Im Jahr 2000wurde ihm ausserdem der Preis der Carl-Heinrich-Ernst-Kunststiftung verliehen und 2010 der Kulturpreis der Stadt Winterthur. Abgehoben war er deshalb nie: Sein globales Kunstinteresse ging immer einher mit lokalem Engagement. 1974 gehörte er zu den Gründern der Galerie und Edition ge. Ab 1982 war er Mitglied der Künstlergruppe. Zwei Jahre später wurde er als Künstlervertreter in den Vorstand des Kunstvereins gewählt. Und er gehörte auch zu den Promotoren der 1986 gegründeten Kulturstiftung Winterthur. Am vergangenen Montag ist der Winterthurer Künstler im 85. Altersjahr verstorben.

Kulturschaffende
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