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Zeughäuser

1894

Zeughausstrasse 52 und 54

8400 Winterthur


Die Zeughäuser in Winterthur sind auch ein Stück Militärgeschichte. Die Stadt hatte bereits im 15. Jhdt. ein Zeughaus. Das war damals dem Vernehmen nach erst das Zweite der Schweiz. Es stand am unteren Graben und wurde 1679 als Kantonales Zeughaus an den Kirchplatz gezügelt. Der Betrieb bei der Kirche wurde 1837 eingestellt. Am 30. November 2005 wurde das neue Zeughaus an der Zeughausstrasse geschlossen.

Foto: lb Marc Dahinden

Nach dem Bau der Reithalle 1846 und der Kavalleriekaserne 1863 sowie der Errichtung eines ständigen Waffenplatzes in Winterthur stand auch der Bau eines neuen Zeughauses zur Debatte. Bis es dazu kam, verging aber noch etwas Zeit. Mit der neuen Verfassung von 1874 wechselte die Zuständigkeit für Zeughäuser vom Kanton zum Bund. Dieser begann in der ganzen Schweiz Zeughäuser einzurichten. 20 Jahre später kam auch Winterthur zum Zuge. 1894 wurde das Zeughaus mit den ersten Gebäulichkeiten in Betrieb genommen.

Das Zeughaus 1 an der Zeughausstrasse 52 wurde 1894 als zweigeschossiger im Neurenaissance-Stil geprägtem Eckbau erstellt. Die durch Rundbogen gegliederte, symmetrische Anlage wurde 1906 durch den Bau an der Zeughausstrasse 54 erweitert. 1917 folgten östlich davon zwei Magazinbauten.

Die Erweiterung von 1905 bis 1907 stand unter der Leitung der Architekten Caspar Wachter-Germann und Johannes Lerch. Der vertikal gegliederte Bau am Mattenbach (Zeughausstrasse 54) bestand aus einem Verwaltungs- und Lagertrakt und weist im Obergeschoss Segmentbogenfenster auf. 1911 wurde ein Anbau, das Zeughaus 3, erstellt. Gegen Ende des Jahrzehnts wurde das Raumangebot mit den Zeughäusern 4 und 5 und einem Verwalterhaus nochmals erweitert. In der Bedrohungslage vor dem zweiten Weltkrieg wurden 1935 zur Sicherung des Areales zwei freistehende Betonbunker errichtet. Der eine steht heute noch nahe der Zeughausstrasse. Er diente als Kommandoturm, der andere, der hinter dem Zeughaus 1 gestanden war, hätte als Mannschaftsturm gedient.

Am 30. November 2005 wurde das Zeughaus geschlossen und zehn Arbeitsplätze gingen verloren. Das Kurswesen in der MZA blieb, mindestens vorläufig, erhalten. Seither werden die Räume für verschiedenste Nutzungen vermietet. Die Stadtverwaltung beschäftigte sich mit dem Thema einer Neunutzung. Das Areal ist das letzte Entwicklungsgebiet in Zentrumsnähe. Das Hauptgebäude des Zeughauses steht unter Heimatschutz und steht in der Zone öffentlicher Bauten. 2009 konnte der stadtnähere Teil des Areals durch die Stadt von der Eidgenossenschaft erworben werden. Es besteht die Absicht der hintere am Mattenbach gelegene Arealteil für Wohnnutzung freizugeben. Das ältere Gebäude vorn an der Zeughausstrasse bleibt bestehen.

Foto: planidee GmbH

Neue Nutzungen

2013 kam die Idee von einer luxuriösen Wohnüberbauung im östlichen Teil des Areals nicht gut an. Der Verkauf des Areals an eine private Immobilienfirma wurde an einer Volksabstimmung abgelehnt. Der Stadtrat beschliesst als Folge, keine weiteren Bemühungen über eine künftige Nutzung zu unternehmen. 20 Jahre soll das Gebiet ruhen!

Während die Lagerräumlichkeiten in den stadtnahen Gebäuden weiterhin an Gewerbebetriebe vermietet bleiben, wurde die anderen Geschossflächen 2015 mit einem Baurechtsvertrag an die Privatschule SalZH abgetreten. 2016 wurden die Räume für die Nutzung als Schulräume umgebaut.

Foto: planidee GmbH

In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege wurde das Gebäude für die Nutzung einer Schule nutzbar gemacht. Die Lagerräume der noch unausgebauten hinteren Gebäudehälfte, Zeughaus 3, wurden im Obergeschoss als Schulräume ausgebaut. Die Klassenzimmer sind mit ihrer Galerie als dreidimensionaler Raumerlebbar - wie eine Baumhütte zum Hochklettern. Dort oben erschliesst sich den Kindern ein Ort mit Licht von Dachfenstern zum Lesen, Ruhen oder im Netz hängen. Der Zwischenraum der einzelnen Klassenzimmer dient als Garderobe und ist mit ausklappbaren Wandbänken und -tischen auch als Gruppenraum zum Arbeiten nutzbar. Eine Verglasung im oberen Bereich macht die Räume transparent und lichtdurchlässig zueinander, ohne die Arbeitsatmosphäre der sitzenden Schüler zu beeinträchtigen. Der ganze Galerieeinbau ist als grosses Möbel zwischen den trennenden Wandscheiben konzipiert. Ohne Verleimung könnte es einfach wieder aus- und anderswo wieder aufgebaut werden. Auch die WC- Anlagen sind erneuert und ergänzt worden. In einer nächsten Bauetappe werden im EG zusätzliche WC's und eine Abwaschküche realisiert. Für die Architekturarbeiten war planidee GmbH zuständig.

Im November 2018 begann der Umbau des Zeughauses 1. Verantwortlich dafür ist die Basis Winterthur GmbH, die das städtische Grundstück im Baurecht übernommen hat. Die ersten Mieter sollen im Frühjahr 2019 einziehen. Ziel ist einen Begegnungsort mit einem breiten Mietermix zu schaffen. Ateliers, Werkstätten, kleine Firmen und Läden aus dem Kultur und Gastrobereich sollen das Areal beleben. Die ersten Mieter sind gefunden, darunter eine Tai-Chi-Chuan-und Qigong-Schule, eine Reparaturwerkstatt für Elektrogeräte und alte Rennräder, eine Schuhmacherei und ein Händler für ökologische Farben und Lacke. Im Gespräch sind ein Gemeinschaftsatelier, ein Tanzstudios und die Draft Brothers mit einer Gin- und Obstlerbrennerei. Auch der Jazzclub Esse, der im Bahnhofareal ausziehen muss, ist interessiert.

öffentliche Bauten Bund
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