w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Schoch Manfred, Kunstmaler, *1932

Manfred Schoch
Fri Aug 05 00:00:00 UTC 1932
Tue Feb 03 00:00:00 UTC 2015

Der freischaffende Künstler Manfred Schoch (1932-2015) lernte die Berufe eines Malers und Schriftenmalers. Er lebte und arbeitete immer in seiner Vaterstadt Winterthur und reiste wenig. 1953 malte er erste Bilder in Anlehnung an Edvard Munch. Während manche seiner Künstlerkollegen sich noch vorwiegend der Landschaftsmalerei widmeten, wandte sich Schoch ab 1959 entschieden der konstruktiven Malerei zu, angeregt durch eine Begegnung mit Piet Mondrian.

Bildquelle: Katalog Ausstellung Kunsthalle u. Kunstmuseum Winterthur, 1993

Die Verspottung der Quadrätchen-Malerei brachte ihn nicht von seinem Weg ab. Die bereits etablierten Zürcher Konkreten Camille Graeser (1892-1980) und Richard Paul Lohse (1902-1988) förderten den jungen Maler. Seine Tätigkeitsbereiche sind: Malerei (Öl, Acryl), Zeichnung, Siebdruck, Wandbilder (Kunst am Bau). Im Januar/Februar 2018 fand in den Oxyd-Kunsträumen in Wülflingen eine umfassende Retrospektive über das malerische und zeichnerische Werk von Manfred Schoch statt. Konzipiert und kuratiert wurde diese Rückschau von Gerhard Piniel. Er schrieb dazu im Werbeflyer:

„Weg vom Abbild, weg von Staffelei, Pinsel und Palette", entschied der junge Maler. Das Gesetzmässige, Unpersönliche, Klare sollte allein zählen - Quadrat und Quadratraster als primäre Formelemente. In einer späteren Phase werden durch geschichtete Horizonte und subtile Farbbetonungen emotionale Erlebnismomente spürbar. Eine facettenreiche Auswahl aus dem Nachlass ehrt Manfred Schoch (1932-2015) als eigenständigen Winterthurer Konkreten.“

Wie kam Schoch zur konstruktiven Richtung? In einem Gespräch mit Romeo Giger äussert sich Schoch wie folgt:

„Die Gründe dafür sind zweifellos komplexer Natur. Was ich dazu mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich fasziniert war von der Möglichkeit, mit einfachen, errechenbaren Mitteln ein Bild zu schaffen, das einerseits von allem Anfang an in seiner Struktur und Farbkombination festgelegt werden kann, das aber anderseits dennoch verschiedene Betrachtungs- bzw. Erlebnismöglichkeiten zulässt. Jeder Betrachter denkt und empfindet ja etwas anderes, wenn er sich die Bilder anschaut. und wenn er sie wieder anschaut, vor allem nach einem längeren zeitlichen Abstand, können sie ihm wieder anders erscheinen.“

Bildquelle: Schoch-Retrospektive 2018 in den Oxyd-Kunsträumen

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre gelang ihm der Durchbruch. 1965 erhielt er ein Reisestipendium des Kunstvereins Winterthur. Im selben Jahr konnte er in der Galerie abc eine erste Einzelausstellung realisieren. Und 1967 bekam die künstlerische Karriere Schochs mit dem Förderungsbeitrag der Steo-Stiftung Zürich neue Impulse.

Schoch war als Konstruktivist ist auch ein Farbenkünstler. Eine romantische Ader und seine gefühlvolle Farbigkeit prägen sein Schaffen. In allen Phasen beweist er eine ungewöhnliche Sensiblität für Wirkungen des Lichts. Die handwerkliche Präzision, mit der Manfred Schoch arbeitete, sei es in Öl, Acryl und vor allem mit Farbstiften, ist sehr beeindruckend.

Bildquelle: Schoch-Retrospektive 2018 in den Oxyd-Kunsträumen

Manfred Schoch unterschied zwischen konstruktiv-konkret (im engeren Sinn) und konstruktiv-abstrakt (mit gegenständlichen Assoziationen, typisch für seine mittlere Schaffensphase).

Eine überraschende Wendung ins Eigene und auch Existentielle setzte Schoch ab Mitte 80er-Jahre in Gang, indem er konstruktive Elemente so verwendete, dass sie Landschaftliches andeuten, Meer und Himmel, Berge, Architektur, Sonnenauf- und -untergänge. Lyrische Stimmungen stufte er im späteren Schaffen wieder dezent zurück, ohne die Spannung zwischen Rationalem und Emotionalem aufzugeben. Bemerkenswert ist die zunehmende Ablösung der Acrylfarben durch Farbstifte.

Bildquelle: Schoch-Retrospektive 2018 in den Oxyd-Kunsträumen

Schochs Kunst entwickelte sich in Schrittwechseln, und so sind die späteren Schaffensjahre wieder bestimmt von Kompositionen ohne landschaftliche Anklänge. Schwarz wird zu einer dominierenden Grundfarbe, aus ihr heraus leuchten starkfarbige Formelemente, quadratische, rechteckige, zumTeil auch diagonale. Selbst grosse Flächen sind mit Farbstiften absolut homogen bedeckt und von vibrierender Lebendigkeit. Die geduldige Arbeit hat etwas Meditatives, die Blätter strahlen trotz grosser Kontraste Ruhe aus. Viele neue Bildideen sind in Varianten bearbeitet, oft in Serien von Dreier- oder Vierergruppen. Es sind Prozesse, die den Künstler interessieren; er inszeniert sie durch Umkehrung der Farben, Erweiterung oder Reduktion.

Foto: Alexander Breu

Manfred Schoch ist 2015 in Winterthur verstorben. Seine Schaffungskraft war bereits einige Jahre zuvor erloschen. Er hinterliess ein breit gestreutes Werk mit Ablegern im öffentlichen Raum (z.B. in der Bäuerinnenschule Wülflingen oder im Hallenbad Winterthur). Seit 1970 war er Mitglied der Künstlergruppe Winterthur. 1975 trat er an der Museumsausstellung „7 Winterthurer Konkrete“ prominent in Erscheinung. Von 1990 bis 1994 präsidierte er die Künstlergruppe Winterthur. 1993/94 hatte er seinen bedeutendsten Auftritt als Gast der Kunsthalle (Zeichnungen) und parallel dazu im Kunstmuseum Winterthur (Malerei). Die letzten drei Ausstellungen fanden in der Galerie Atelier Alexander in Winterthur-Wülflingen statt. Zur dritten im Jahre 2012, zu Manfred Schochs 80. Geburtstag, erschien ein bebildertes Jubiläums-Heft mit 14 Text-Beiträgen, aus dem die nebenstehende Foto stammt.

Quellen:

-Katalog Ausstellung Manfred Schoch in Kunsthalle u. Kunstmuseum Winterthur, 1993.

-Oxyd Retrospektive 2018, Führung Gerhard Piniel

winterthur-glossar.ch dankt Gerhard Piniel für die aktive Unterstützung für die Erarbeitung dieses Eintrages.

Kulturschaffende
nach oben ↥
nach oben ↥
link