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Fivian Bendicht, 1940-2019, Kunstmaler

Bendicht Fivian
12.09.1940
29.11.2019

Obwohl die gegenständliche Malerei immer wieder totgesagt wird, hält der Winterthurer Künstler Bendicht Fivian an seiner, dieser Malerei fest. Er zeigt damit, dass auch im Gegenständlichen eine Moderne möglich ist. Fivian will mit seinem Bildern Geschichten erzählen. Er sagt „Ein Bild ist fertig, wenn eine Weiterarbeit das Bild zerstört!“

Landbote

Bendicht Fivian ist am 12. September 1940 in Bern geboren, wächst in Aarberg auf. Bereits während der Jugendzeit sind erste Ölbilder entstanden. 1956 bis 1980 besuchte er das Lehrerseminar und anschliessend übt er den Lehrerberuf im Emmental und im Seeland aus. 1964–1968 bildet er sich an der Kunstgewerbeschule Bern zum Zeichenlehrer aus. 1968 bis 1969 unterrichtet er an der F+F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich, 1971 bis 1972 ist er Assistent für Gestaltung an der Architektur-Abteilung der ETH. 1988 gibt er die Lehrtätigkeit gänzlich auf. Ende der 1960er-Jahre bildet Fivian zusammen mit Franz Gertsch, Rolf Iseli, Markus Raetz und weiteren Kollegen eine Gruppe junger Berner Künstler. Bendicht Fivian sympathisierte mit der 68er-Bewegung. Dabei wendet er sich von der Malerei ab und vernichtet einen grossen Teil seiner Werke. 1975 zieht Fivian nach Winterthur und beginnt einen Neuanfang. Seit 1980 arbeitet er in einem grossen Atelier in der Schleife.

Fivian erklärt sich heute, er sei ein PopArtist gewesen. Er meint damit seine Malerei in der er sich der Pop Art zugewandt hatte. Der Popkünstler, so formuliert es Wikipedia, fordert die absolute Realität, das heißt, dass alle Elemente rein, klar definierbare Gegenstands-Elemente sein müssen. Die Stilrichtung wendet sich in einer späteren Phase in eine kritische Haltung. Sie will die Verwundbarkeit der damaligen scheinbar perfekten kalkulierten Wohlstandgesellschaft aufzeigen. Fivian produzierte aber keine Agitationskunst.

In seinen Strassenszenen, malt er kühl und sachliche Darstellungen von Aufruhr und Demonstrationen. Es steht nicht der heroische Kampf, sondern die Trostlosigkeit einer profitorientierten Umwelt im Zentrum. Mit der Dislokation nach Winterthur findet eine Neuorientierung statt. Einfach Motive wie Kartonschachteln, Kiesgruben oder Strassenlandschaften rücken ins Zentrum seines Schaffen. Dabei grundiert er seine Leinwände zuerst und beginnt dann seine darstellende Kunst. Es sagt, auf Weiss könne er nicht malen, da komme ihm nichts in den Sinn. So sind farbige Umrandungen ein Markenzeichen von Fivians Schaffen in der Eulachstadt. Fivian ist dem Gegenständlichen immer treu geblieben. Formen mit Tiefenwirkung unspektakulär dargestellt, das ist sein heutiges spielerisches Oeuvre.

Sammlung Credit Suisse

Banalste Gegenstände liefern Fivian Stoff genug, immer wieder geniale Bilder mit grosser Kraft zu gestalten. Zuweilen zieht es ihn auch ins Freie, wo er zum Beispiel kleinformatige Skizzen erstellt, um dann im Atelier das Hauptwerk zu gestalten. Diese Werke geben anschliessend seine Beobachtungsgabe, seinen speziellen Blick wieder.

Fivians Werk im Korridor des Kantonsschulhaus im Lee

Zitat aus Website Credit Suisse zu Fivians Bild "Beim Strandcafé" von Giulia Passalacqua:

"Ich kann nichts anfangen mit weissem Grund. Weiss bedeutet für mich die totale Stille. Ein Ton in der totalen Stille bleibt isoliert, ein Ton dagegen, der auf einen anderen, durchgehenden Ton trifft, erzeugt einen Klang. Ich arbeite mit Farbklängen, und diese entstehen aus mindestens zwei Farben, die aufeinandertreffen. Deshalb sind meine Malgründe farbig. Ich will von Anfang an Orchesterklang", sagt Bendicht Fivian.

Wie Bendicht Fivian ein Bild als "Orchesterklang" versteht, lässt sich am Werk Beim Strandcafé zeigen. Der Künstler grundiert zuerst die Leinwand mit einem dunklen Farbton, den er schliesslich weitgehend mit weissen und grauen Farbabstufungen übermalt. Durch die Mehrschichtigkeit, die dabei entsteht, wirken diese Farbflächen stofflich. Die an den Bildträndern sichtbare Grundierung kann – musikalisch gesprochen – als Tonart für das gesamte Werk verstanden werden und fungiert als Vorzeichen. Das Zusammenwirken der Gegenstände als "Klänge" entsteht aus ihrer Farbigkeit. Während Fivian auf den dunkelgrauen Grundton eine homogene in Schwarzweisstönen gehaltene Uferszene malt, lässt er farbliche Akzente in einem am Rand abgeschnittenen Karussell sowie in einer blauen leeren Luftmatratze hervorleuchten. Das Gelb, Rot und Blau des Karussells und der Luftmatratze sind als tonale Kontraste für den Maler notwendig, um die "Stille" der Weiss- und Grauflächen hervorzuheben."

Künstlergruppe Winterthur

Sein Stil kommt an, nicht nur bei privaten Kunstliebhabern, sondern auch bei der öffentlichen Hand. Viele Werke aller Art schmücken öffentliche Räume, vor allem Schulhäuser in Winterthur, wo er sich seit Jahren niedergelassen hat und seine Wirkungsstätte ist. In Winterthur wurde er auch 1995 mit dem Preis der Carl Heinrich Ernst-Stiftung, Winterthur geehrt.

Kantonsschule Winterthur

Fivian hat sich aber auch dem Objektkunst hingewendet. Dabei zeigte er sich als Tüftler in Fragen des Gleichgewichts. Auch hier kommt das Spielerische zum Tragen.

Der „Wasserkipper“, wie auch andere Objekte, haben ihm aber auch Ärger bereitet. Das Werk "Kippbrunnen", es stand im Garten der Kantonsschule Rychenberg Winterthur, hat jeweils beim Kippen und Entleeren des Wassers ein Klopfgeräusch verursacht, was dann angeblich den Unterricht der Schule gestört habe. Es wurde schliesslich eingelagert.

Kulturschaffende
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