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Polen-Denkmal auf dem Friedhof Rosenberg


Das Polendenkmal auf dem Friedhof Rosenberg wurde 2007 erneuert. Die Polnische Kolonie pflegt damit die Erinnerung an die Internierten während des 2. Weltkriegs.

Am Samstagnachmittag, 6. Oktober 2007 wurde auf dem Friedhof Rosenberg in Winterthur ein Denkmal eingeweiht, das an die Soldaten der 2. polnischen Schützendivision erinnert. «Was hat Polnisches Militär mit Winterthur zu tun?» dürfte man sich fragen. «Es ist ein Grabdenkmal für die in den Jahren 1940 bis 1945 in Winterthur verstorbenen Internierten...» erklärt Tadeusz Kilarski. Er war Mitglied im Organisationskomitee, das diese Gedenkstätte erneuert hat. «Wir wollen die Erinnerung lebendig erhalten. Unsere Kinder sollen wissen, dass sie nicht aus dem Niemandsland kommen. Die Veteranen, die noch leben, sind alt. Es wird nicht mehr viele Gelegenheiten geben, mit ihnen zusammen zu sein und zu danken, für das was diese Generation geleistet hat.»

Privatarchiv

Teddy Kilarski fühlt sich den Veteranen zu Dank verpflichtet: «Sie haben in der Schweiz einen guten Eindruck hinterlassen und uns damit den Weg geebnet. Als ich in den 80er Jahren immigrierte, hat man mich immer wieder auf diese Polen angesprochen. Die Bevölkerung erinnerte sich dankbar an sie und die ehemaligen Internierten waren dankbar dafür, dass sie in diesem Land Zuflucht gefunden haben, als ihre Heimat von Hitler und Stalin aufgeteilt und Frankreich besiegt war.» Viele jener Soldaten hatten im September 1939 in Polen gekämpft; sind dann auf abenteuerlichen Wegen über Rumänien nach Jugoslawien gelangt und von dort per Schiff um das faschistische Italien herum ins verbündete Frankreich. Die Alliierten hatten damit begonnen, polnische Divisionen aufzustellen. Zwei davon kamen schnell ausgebildet und mangelhaft ausgerüstet, im Juni 1940 an die Front. Die 1. Grenadierendivision kämpfte bis zwei Tage über den deutsch-französischem Waffenstillstand hinaus in der Gegend von Metz. Von dort aus gelang es wenigen Versprengten, auf Nebenwegen die Schweiz zu erreichen.

Foto: Marc Dahinden/pd

Näher dran war die 2. Schützendivision. Die hätte im Raum Belfort den Südflügel der sagenhaften Maginotlinie sichern sollen und war dafür vorgesehen, bei uns einzumarschieren, um einen Durchmarsch deutscher Kräfte durch das Mittelland zu stoppen; aber die deutschen Panzerdivisionen durchbrachen die Front im Norden und rückten im Rücken der Maginotlinie gegen Süden vor.

Das 45. Armeekorps von General Daille, zu dem die 2-DSP gehörte, wurde abgeschnitten. Vom 18. bis 19. Juni 1940 überschritt es mit rund 50 000 Personen die Schweizergrenze: 7500 Frauen, Kinder und alte Männer sowie 43 000 Soldaten aus Frankreich, Nordafrika, Belgien, England und Polen. Das Militär wurde entwaffnet und interniert. Es war paradox: Die Truppen, die der Schweiz hätten verteidigen helfen sollen, erhielten nun in der Schweiz Asyl. Die Franzosen wurden bald repatriiert, aber die 12‘152 Polen blieben bis zum Kriegsende. Sie haben in der Schweiz Wälder gerodet und Moore trockengelegt — dass es jedem Grünen graust, wenn er daran denkt. Damals war hier Schmalhals Küchenchef und jedermann froh, wenn aus dem heimischen Boden das Maximum herausgeholt werden konnte. Das Land war eingeschlossen und die Lebensmittelversorgung auf das angewiesen, was unsere Bauern selber produzieren konnten.

Die Polen halfen mit in der Anbauschlacht: Polenacker, Polenweg, Polenkanal — viele Flurnamen zeugen noch heute von ihrer Arbeit. Die internierten Einheiten waren entwaffnet, sie wurden aber weiter von eigenen Vorgesetzten militärisch geführt und bereiteten sich darauf vor, im Falle eines Angriffs nochmals zu kämpfen, so wie es zwischen ihrem General Prugar Ketling und General Guisan vereinbart worden ist. In Frankreich hatten die Bewacher ganze Flüchtlingslager den Deutschen Besatzern übergeben — hier hatten die Internierten nur einen Wunsch: «Wenn die Deutschen kommen, dann gebt uns Waffen. Wir wollen nicht mit einem Stacheldraht drum ausgeliefert werden.» Dazu ist es nicht gekommen. Bei Kriegsende haben die meisten Internierten das Land wieder verlassen. Die Behörden befürchteten damals eine Welle der Arbeitslosigkeit. Einige Polen sind geblieben, andere sind später wieder in die Schweiz zurückgekehrt.

Text aus der Winterthurer Zeitung vom 3.10.2007 afs

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