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Brauerquartier

Tue Mar 19 00:00:00 UTC 1901
Heinrich Blatter-Hofmann

Politiker, Spekulant und Bauunternehmer Heinrich Blatter-Hofmann (1837-1912) beim Kantonsspital und der Brauerei Haldengut zwölf Mietshäuser in Sichtbackstein errichten. Dieses Brauerquartier wurde vornehmlich von Angestellten und Facharbeitern bewohnt. Das in sich geschlossene und gut erhaltene Quartierensemble aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ist für Winterthur einzigartig.

Der Werdegang des Brauerquartiers begann gegen Ende des 19. Jhdt. 1894 kaufte der stadtbekannte ehemalige Stadtrat und Bauunternehmer Heinrich Blatter eine Wiese neben dem Areal der 1843 gegründeten Brauerei Haldengut zu einem Preis von 40‘000 Franken. Blatter hatte die Absicht, eine grössere Überbauung zu realisieren. Wohnungen waren wieder sehr gefragt, hat sich die Wirtschaftslage nach dem Tief durch das Nationalbahn-Debakel wieder erholt und die Winterthurer Industrie lag wieder im Aufschwung. Geplant wurden aber nicht typische Arbeiterwohnungen wie sie vor allem im Raume Tössfeld entstanden sind, sondern der Überbauungsplan sah Herrschaftshäuser vor. Von 1895 bis 1897 entstanden vorerst an der Rychenbergstrasse fünf villenähnliche Doppeleinfamilienhäuser. Der Verkauf verlief damals aber harzig, die Bauten waren wohl etwas zu herrschaftlich und somit zu teuer ausgefallen. Die fünf Häuser waren im englischen Landhausstil gehalten und bilden heute den nördlichen Abschluss des Brauerquartiers. Die beiden äusseren Häuser wurden durch Jung & Bridler, für die mittleren drei zeichnete Architekt Hermann Siegrist-Allweyer der Ältere verantwortlich. Sie alle sind qualitätsvolle Zeugen der historischen Backsteinarchitektur am Ende des 19. Jhdt. Die beiden Eckhäuser heben sich durch eine vielfältigere Gestaltung mit Türmchen von den mittleren drei Häusern etwas ab. Die Backsteine hatte Heinrich Blatter geliefert, besass er doch in Dinhard eine Ziegelei.

Wegen den Verkaufsschwierigkeiten wurde das Konzept angepasst. Auf dem südlich angrenzenden Grundstück wurden an der heutigen Malzstrasse und an der Brauerstrasse von 1898 bis 1901 zwölf Backsteinhäuser gebaut. Sie wurden erstellt durch die Baufirma Gebrüder Lerch. Sie waren kleiner dimensioniert und enthielten auf drei Stockwerken je eine Wohnung. Die ornamentierten Sichtbackstein-Fassaden, die Dacherker und die Holzveranden charakterisieren die gefälligen Häuser noch heute, obwohl hier und dort Anpassungen für mehr Wohnraum vorgenommen worden sind. Üppige, natürlich gehaltene Vor- und Hinterhofgärten prägen den in sich geschlossenen Wohnraum. Es ist nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn das Unterfangen des Kantons Zürich zustande gekommen wäre, als dieser 1987 mit einer Studie Ersatzbauten projektieren liess. Mit einer unter Schutzstellung vereitelte der Winterthurer Stadtrat diese Pläne.

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