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Conte Claudio, 1958-1995, Künstler

Claudio Conte
01.01.1958
05.02.1995

Claudio Conte (1958–1995) gehörte zu den schillernden Figuren der Zürcher und Winterthurer Kunstszene. Vor dem Hintergrund der Zürcher Jugendunruhen schuf Claudio Conte ein intensives, politisch engagiertes Werk. Claudio Conte gehört wie Aleks Weber zur Künstlergeneration der „Jungen Wilden“. Er war Bereich Malerei tätig, schuf auch dreidimensionale Objekte und Mail Art. (nach Lucia A. Cavegn, Kunstkritikerin)

Claudio Conte war ein Secondo. Seine Eltern waren italienische Einwanderer. Er kam am 1. Januar 1958 in Winterthur zur Welt. Nach der ordentlichen Schulzeit liess er sich von 1975 bis 1980 an der Kunstgewerbeschule in Lugano zum Grafiker ausbilden. Dann kehrte er nach Winterthur zurück, um als freier Künstler zu arbeiten. Er hatte im Osramgebäude in Veltheim das erste Atelier. Später mietete er mit anderen Kunstschaffenden in der „Schleife“ ein Atelier. Seine Werke spiegeln seine offene und experimentierfreudige Persönlichkeit wieder. Schon bald konnte er die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Bereits 1981 erhielt er ein Kunststipendium der Stadt Winterthur, 1982 eines des Kantons Zürich. In der Galerie ge von Walter Büchi, späterer Kultursekretär der Stadt Winterthur, konnte er erstmals ausstellen.

© Atelier-Inspiration Richterswil

Der Kunstkritiker Helmut Kruschwitz besprach im Landboten (22. Januar 1982) die Ausstellung mit folgenden Worten:

„Ihre allgemeine Tendenz könnte man als Anti-Malkultur bezeichnen, die sich gegen die traditionelle bürgerliche Malkultur und das schöne, gepflegte Handwerk richtet. Das Gegenständliche aber ist zeichenhaft abstrahiert, tritt fragmentarisch auf, bewegt sich ohne perspektivische Zwangsjacke frei im Bildraum, sodass eine fliessende Bewegung entsteht. Die inhaltliche Mitteilung nur andeutend, ohne Vollständigkeit und logische Durchsichtigkeit, auf die private Gefühlswelt bezogen, ist nicht leicht lesbar. Hier wird eine neue, ungewohnte Sprache gesprochen, mit neuen Inhalten, die auf den Konsens der Künstler mit einem jungen, eingeweihten Publikum beruhen.“

© Atelier-Inspiration Richterswil

Obwohl Claudio Conte mit Aleks Weber, der ungefähr zeitgleich in der Winterthurer Kunstszene auftauchte, viel gemeinsam hatte, war er nie ein politischer Rebell. Während der Zeit der „Winterthurer Ereignisse“ war er bereits nach Zürich umgezogen. In der Ateliergemeinschaft Binz 39 hatte er ein neues Umfeld gefunden. Mit Auslandsaufenthalten 1982 in New York (fünf Monate), 1983 in Brasilien, Französisch Guyana und Kalifornien, 1984 wieder New York (zweieinhalb Monate) und Brasilien (sechs Monate) bereiste und arbeitet er in der grossen weiten Welt. Immer wieder zog es ihn nach New York, 1987 (zweieinhalb Monate) und auch 1988 hielt er sich dort auf. 1990 schliesslich arbeitete er zwei Monate in einem Atelier in Paris.

© Atelier-Inspiration Richterswil

Während all dieser Jahre konnte er seine Werke in Zürich, Winterthur, Liestal und Mailand ausstellen. Sammler, Galeristen und Kuratoren interessierten sich für sein Schaffen. 1987 und 1988 wurde er nochmals mit Stipendien (Stadt und Kanton Zürich) bedacht. Immer wieder zog er sich in das Dörfchen Soresina in der Lombardei zurück, wo seine Eltern ein Haus gebaut hatten. Ende der 1980er-Jahre wurde es ruhiger um Claudio Conte. An Aids erkrankt und körperlich geschwächt, konzentrierte er sich auf tagebuchartiges Zeichnen und Aufzeichnen seiner Gedanken und Gefühle. Seine letzten Monate verbrachte er in Basel. Von hier aus korrespondierte er mit seinem Jugendfreund Salvatore Smedile, der inzwischen in Mailand als Schriftsteller lebte und mit dem er das Büchlein „Nel segno del Tachipiria“ herausgab. Künstlerisch gestaltete Briefumschläge, Textbilder und Aphorismen machen den Hauptteil seiner späten, leidgeprüften Schaffenszeit aus. Am 5. Februar 1995 starb er im Alter von nur 37 Jahren. Sein Grab befindet sich in Soresina und sein Nachlass in der Obhut seiner Mutter und seiner Schwester Mirna Conte, die in Winterthur lebt.

Kulturschaffende
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