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Schellenberg Ulrich 1709-1795 (Vater) und Rudolf 1740-1806 (Sohn)


Wie der Vater so der Sohn: Johann Ulrich Schellenberg (1709-1795) und sein Sohn Johann Rudolf Schellenberg (1740-1806) waren beide begnadete Zeichner und Illustratoren ihrer Zeit.

Foto: winbib, Johann Ulrich Schellenberg (Signatur 172317_O)

Johann Ulrich Schellenberg

Johann Ulrich Schellenberg kam in Winterthur am 8. November 1709 als Sohn eines Schuhmachers zur Welt. Er absolvierte eine Lehre beim Flachmaler Joachim Hettlinger. Anschliessend wurde er Schüler des Kupferstecher Johann Jakob Heid in Augsburg. Nach Aufenthalten in Bern und Basel eröffnete er 1749 in Winterthur einen Kunstverlag und eine Zeichenschule. Von 1755 bis 1757 schuf er Landschaftszeichnungen zur Vollendung des Stichwerks "Topographie der Eydgnossschaft" von David Herrliberger.

Schellenberg schuf 1769 eine Radierungsfolge mit Ansichten der Gotthardroute und später verschiedene Stadtveduten. Sein topografisches Schaffen machte ihn zu einem Wegbereiter der Alpenmalerei.

Schellenberg senior war zweimal verheiratet: 1737 mit Anna Katharina Huber, Tochter des Johann Rudolf Huber (1668-1748) ein Schweizer Maler und Zeichner und ab 1761 mit Anna Katharina Brunner. Er verstarb am 29. Oktober 1795 in Winterthur.

Foto: winbib, Johann Rudolf Schellenberg (Signatur 152065)

Johann Rudolf Schellenberg

Johann Rudolph Schellenberg wurde als Sohn des Malers Johann Ulrich Schellenberg und der Tochter des Malers Johann Rudolf Huber, Anna Katharina, am 4. Januar 1740 in Basel geboren.

Er war ein Schweizer Maler, Radierer und Illustrator. Er betätigte sich auch als Entomologe (Insektenkundler). Sein späterer Schwiegervater war es gewesen, der seine künstlerische Begabung entdeckte und förderte. 1748 siedelte die Familie nach Winterthur über. Gemeinsam mit Anton Graff besuchte er die Zeichenschule seines Vaters und arbeitete in dessen Werkstatt.

Foto: winbib, Johann Rudolf Schellenberg (Signatur Ms_8°_109-Colymbetes-003)

Der Naturforscher Johannes Gessner (1709-1790) aus Zürich beauftragte Schellenberg, für wissenschaftliche Zwecke naturhistorische Zeichnungen herzustellen. Schellenberg zog nach Zürich, wo er bei Gessner lebte und zahlreiche Zeichnungen vor allem von Insekten herstellte. Das erste Werk, in dem 52 Radierungen Schellenbergs erschienen, war 1761 Johann Heinrich Sulzers (1735-1814) „Kennzeichen der Insekten“.

Sulzer war ein Winterthurer Arzt und Grossrat. Sein Werk wurde ein grosser Erfolg im In- und Ausland und verhalf Schellenberg zu neuen Aufträgen. Als eines seiner bedeutendsten Werke gilt heute die Illustration von Johann Casoar Lavaters „Physiognomischen Fragmenten“. Insgesamt finden sich Werke Schellenbergs in rund 170 Büchern. Über 4000 Illustrationen befanden sich in seinem Nachlass.

Johann Rudolf Schellenberg heiratete 1766 Maria Magdalena Hegner, das Paar hatte zwei Söhne, die ebenfalls Zeichner und Radierer wurden, und vier Töchter. Er verstarb am 6. August 1806 in Töss.

Er gilt als einer der bedeutendsten Illustratoren seiner Zeit und als wichtigster Schweizer Radierer des 18. Jahrhunderts. Rund 4000 Schellenberg-Aquarelle, nebst vielen anderen Dokumenten aus Schellenbergs Leben und Schaffen, sind in der Sondersammlung der Stadtbibliothek Winterthur zu finden.

Kulturschaffende
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