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Schäppi, Sophie, 1852-1921, Künstlerin

Sophie Schäppi
21.07.1852
18.02.1921

Sophie Schäppi wuchs in Winterthur auf. Sie genoss Zeichenunterricht bei August Corrodi an der höheren Stadtschule, daneben Privatunterricht bei Jørgen Henrik Møller und Anton Seder. Ab 1871 weilte sie zur Weiterbildung in München an einer privaten Kunstschule und bei Joseph Flüggen. Anschliessen lebte sie lange Jahre in Paris bis sie nach Winterthur zurückkehrte, um für ihren alten Vater zu sorgen.

Foto: winbib, Sophie Schäppi (Signatur 172291_O)

Sophie Schäppi kam am 21. Juli 1852 als zweite Tochter des Johann Jakob Schäppi, damals Kolorist in der Kattundruckerei zur Arch, und der Louise Leuzinger zur Welt. Die Schule zu besuchen war nicht Sophies Welt. Aber seit jeher machte ihr das Zeichnen grosse Freude. Kein Wunder, dass sich Sophie mit ihrem Zeichnungslehrer August Corrodi sehr gut verstand. Er lobte ihren Eifer und ihr Talent. Das Talent fürs Zeichnen lag in der Familie, war doch ihre Mutter die Tochter des Zeichnungslehrer Johannes Leuzinger. Nur zu gerne erfüllte sie den Wunsch der Tochter, das Zeichentalent zu fördern.

Erste Unterweisung erhielt Sophie Schäppis bei Laura Wirth, der späteren Gattin des Komponisten Hermann Götz. Der Däne J. H. Møller leitete sie zu ersten Malversuchen an, denen sich dann ein regulärer Unterricht im Atelier von Professor Anton Seder am Technikum anschloss.

Diese Förderer konnten die Eltern überzeugen, Sophie den Besuch einer Kunstschule in München zu ermöglichen. Als 19-jährige kam Sophie Schäppi in die bayrische Hauptstadt. Nebst dem eifrigen Malen genoss die junge Frau drei Jahre lang auch das Weltstadtleben, das ihr sehr behagte. Mit ausgezeichneten Zeugnissen kehrte Sophie nach Winterthur zurück.

Foto: winbib (Signatur FotDig_2020-0024)

In Zürich erhielt Sophie Schäppi Unterricht vom Maler Rudolf Koller. Er empfing sie jeweils in seinem Zürcher Atelier. Koller riet ihr, für weitere Studien nach Paris zu gehen. Im Herbst 1874 trat sie in die Accademie Julian ein. Es war für Sophie Schäppi ein schwieriger Start in einem neuen Umfeld. Insbesondere machte ihr die fremde Sprache zu schaffen. Bald erkannte sie aber, dass sie viel lernen konnte. Sie gewann Kolleginnen, die sie als nachahmenswerte Vorbilder erkannte. Ihr Fortschritt wurde erkannt und brachte ihr Anerkennung und die silberne Medaille ein.

Nach zwanzig Jahren verliess Schäppi Paris und kehrte nach Winterthur zurück. Es war ein schwieriger Entschluss. Ihre Mutter war 1893 gestorben und sie wollte/musste sich um ihren alten Vater kümmern. Auch bei Sophie Schäppi machten sich Spuren des Alters bemerkbar. Ihre Augen liessen die Fayencemalerei und später auch das Portraitieren nicht mehr zu.

Foto: winbib (Signatur FotDig_2020-0023)

Es blieb ihr die Landschaftsmalerei, mit der sie meist kleine stimmungsvolle Bilder schuf. Krankheiten plagten sie immer mehr und ihr Markenzeichen, das frohe Gemüt wich manchmal pessimistischen Stimmungen. Am 18. Februar 1921 erlag Sophie Schäppi nach kurzer Krankheit einem Herzleiden.

Sophie Schäppi hinterliess als Malerin, Zeichnerin und Illustratorin viele Porträts, Stillleben, Landschaften und allegorische Figurenbilder. Die kunsthistorische Bedeutung von Schäppis Werk liegt in ihrer Fayencemalerei (Teller, Panneaux). Durch Vermittlung von Albert Anker war sie als einzige Schweizerin für die Elsässer Manufaktur Deck tätig. Auch in Illustrationen vom Kinder- und Märchenbüchern fand sie ein begeistertes Arbeitsfeld.

Gegen Ende ihres Lebens hat Sophie Schäppi ihr Wirken mehr und mehr in die eigene Umgebung verlegt. Blühende Bäume am Brühlberg malte sie 1900. Oft zog es sie nach Kyburg. Über Wochen hinweg mietete sie sich in einer Pension ein, um zu malen. Die Bilder, sie wurden immer kleiner. Den ganz grossen Durchbruch in der Kunstszene schaffte jedoch Schäppi nicht. Existenzsorgen gehörten zum Alltag.

„Fayence ist die von der italienischen Stadt Faenza abgeleitete französische Bezeichnung für einen Teilbereich kunsthandwerklich hergestellter Keramik. Bei Fayencen handelt es sich um ungesintertes Irdengut, dessen gelblich-grauer oder rötlich bis bräunlicher, poröser Scherben mit einer weiß (selten farbig) deckenden Glasur überzogen ist. Dabei ist ein wesentlicher Bestandteil der Glasur Zinnfritte. Fayencen sind meist blau oder mehrfarbig bemalt.“ (Wikipedia)

Als Quellen für diesen Glossar-Artikel dienten Aufsätze von Anne-Catherine Krüger, Kunsthistorikerin, 2007, und Helmut Dworschak, Kulturredaktor des Landboten.

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