w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Frehner Gregor, *1959, Steinbildhauer

Gregor Frehner
28.04.1959

Der Winterthurer Gregor Frehner (*1959) absolvierte nach der Schulzeit eine Lehre als Steinbildhauer mit Besuch der Kunstgewerbeschulen St. Gallen und Zürich (1976-1980). 1984 gründet er seine eigene Firma in Winterthur. Er führte umfangreiche Restaurierungsvorhaben an historischen Gebäuden aus. Parallel dazu arbeitet er als freischaffender Künstler – vorwiegend mit Stein und Eisen.

Foto: zVg. Gregor Frehner

Gregor Frehner ist am 28. April 1959 in Winterthur geboren und hat hier die Schulen besucht. Von 1976 bis 1980 absolvierte er die Lehre als Steinbildhauer. Anschliessend folgten mehrere „Lehr- und Wanderjahre“ in Bern und Zürich. Ab 1984 machte er sich selbständig und gründete die Einzelfirma Gregor Frehner als GmbH mit Standort in Wülflingen.

Im März 2012 erfolgte die Umwandlung zur AG. 1985 und 1994 arbeitete Frehner am europäischen Ausbildungszentrum für Handwerk in der Denkmalpflege in Venedig. Ab 1987 engagierte er sich mehrere Jahre während den Sommermonaten auf der Restaurierungsbaustelle am Trajantempel in der antiken Stadt Pergamon (Türkei) für das Deutsche Archäologische Institut.

Seit 1996 ist Frehner Mitglied im Schweizerischen Verband für Konservierung und Restaurierung. Von 1996 bis 2005 hatte Frehner einen Lehrauftrag an der Schule für Gestaltung in St.Gallen (Baustilkunde und Modellieren).

Foto: winbib, Andreas Wolfensberger (Signatur FotDig_Lb_002-772)

2004 erhielt er den Dr. Jost Hartmann-Preis für die Restaurierung des Renaissance-Treppenhausturms an der Gerechtigkeitsgasse 33 in Bern. Zuvor hatte er 1984 den Förderpreis der Stadt Winterthur erhalten.

Seit 2011 arbeitet er an einem Kooperationsprojekt in Chavin / Peru iniziert vom Bundesamt für Kultur und dem Museum Rietberg, Zürich.

Seit 2013 ist Frehner Bundesexperte für Objekte aus Naturstein.

Gregor Frehners Tätigkeitsbereiche liegen in den Sparten Steinskulptur, Brunnen, Kunst am Bau, Plastik, Zeichnung und Relief. Sein Schaffen hinterlässt auch in Winterthur bedeutende Spuren. Es sind zum einen zahlreiche Brunnen, die er konzipiert und geschaffen hat. Der neueste steht auf dem Sässel über Iberg. Gregor Frehner hat den Brunnen entworfen und aus einem drei Tonnen schweren Block Iragna-Gneis (Tessin) gehauen.

Anlässlich der Einweihung des Winterthurer Rundweges wurde er im Frühjahr 2014 in Betrieb genommen. 2013 wurde der alte Brunnen am Reismühleweg durch ein neues Werk Frehners ersetzt. Kurz zuvor wurde auch in Stadel an der Unterdorfstrasse 5 ein neuer Brunnen aus Frehners Werkstatt neu aufgestellt.

Foto: winbib, Andreas Wolfensberger (Signatur FotDig_Lb_002-775)

Besonders hervorzuheben ist die Erschaffung der Giebelfiguren auf dem Stadthaus. Anlässlich der Renovation des Semperbaus in den Jahren 2003 bis 2007 wurden die Vitodura und die beiden bewachenden Greifen nach alten Vorbildern der Originalstatuen aus den Jahren 1869 im Atelier Frehner rekonstruiert und am 23. Oktober 2005 auf dem Südgiebel wieder aufgestellt. Diese Aktion wurde von einem privaten Gönnerverein bezahlt und realisiert.

Nach einer neuen künstlerischen Ausrichtung arbeitet Frehner seit 2003 auch mit Beton. Vermehrt realisiert er auch gemeinsame Projekte mit der Künstlerin und Lebenspartnerin Katharina Henking.

Der künstlerische Schmuck, Schriftzüge an den Fassaden, beim Schulhaus Feld in Veltheim sind Zeugen aus den Ateliers von Frehner und Henking. Weitere Frehner Werke sind die fünfeckigen Säulen im Vorgarten des Stadttheaters (aufgestellt 1990), die Sandsteinskulptur Katze beim Schulhaus Oberseen (1997/98) und Figuren im Beton der Fussgängerunterführung Pflanzschulstrasse/Leesteig (1989).

In den Jahren 2010 bis 2013 befasst sich Gregor Frehner mit seinem Team intensiv mit der Sanierung der Elemente aus Naturstein an der Gebäudehülle der Villa Patumbah. Ziel und Auftrag war es, der prächtigen Fassade den alten Glanz wieder zurückzugeben. Das Gebäude war im Stil der italienischen Spätrenaissance von den Architekten Alfred Chiodera und Theophil Tschudi in den Jahren 1883 bis 1885 erbaut worden.

Die aufwändigen Arbeiten umfassten von der Demontage der Bronzefiguren, der Erneuerungen von schadhaften Fugen, über Reinigung verschiedenster Gesteinsteilen, Wiederaufbau von Brüstungen bis zu weiteren vielen Detailarbeiten, eine breite Palette aus fast allen Bereichen der Steinkunst.

Foto: zVg. Gregor Frehner

Eine spezielle Herausforderung war die Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Materialen.

In einem Text zum Abschluss der Arbeiten äusserte sich Gregor Frehner wie folgt:

„Die Villa Patumbah ist ein wunderbares Beispiel für die Sprache eines Bauwerks; wer dieses Alphabet kennt, blättert in einem offenen Buch und erfährt wunderbare Eindrücke, Geschichten und Zusammenhänge.

Genau wie die Villa selbst ein Konglomerat unterschiedlichster Materialien darstellt, musste das Zusammenwirken der Beteiligten aus unterschiedlichsten Haltungen zu Beschlüssen führen, die gemeinsam getragen und verantwortet werden konnten.

Foto: Sammlung HB (CC BY SA 4.0)

Dabei standen nicht die bessere Ausbildung des einen und die blauen Augen des andern im Vordergrund, sondern die Absicht, gemeinsam mit Respekt und unter Einbringung aller Kenntnisse und Fähigkeiten zu intervenieren. Ein Spiel mit offenen Karten, bei dem seltsamerweise die Villa mitspielte, eine alte Dame, die lächelt, weil sie weiss, wie alt sie ist und dazu steht.“

Projekt auf dem Friedhof Rosenberg Winterthur

In den etwas höher gelegenen Abteilungen 204 und 205 linkerhand des Krematoriums liegt der älteste Bestattungsteil des Friedhofs. Die streng symmetrische Anlage stammt von den Architekten der gesamten Friedhofanlage (Robert Rittmeyer und Walter Furrer). Sie wurde 1911-1914 geschaffen und steht heute unter Denkmalschutz.

Dort ist auch die „Letzte Ruhestätte“ eingerichtet. Das ist eine Grabstätte in der Überreste (Urnen, Urnenscherben, aber auch Knochen) aus aufgehobenen Gräbern nochmals eingegraben werden. Für die künstlerische Ausschmückung dieser „letzten Ruhestätte" gewann Gregor Frehner eine Ausschreibung.

Auf die nordwestlich gelegenen, für die Kunst vorgesehenen Plätze realisierte Frehner 2010 zwei aus Bronzeblech geschnittene Bildtafeln.

Diese Tafeln, mit sichtbaren Flächen von 60 x 180 cm, sind auf würfelförmigen Sockeln eingelassen. An ihren sichtbaren Flächen wurden in die Bronzeplatten mit dem Hochdruck-Wasserstrahl die Motive senkrecht eingeschnitten. Die ursprünglichen, rechteckigen Umrissformen blieben gewissermassen als Rahmen und natürlich als Stützen stehen.

Die Motive in diesen Bildtafeln bestehen aus Materie und den dazwischen freigelegten Flächen. Dieses Material und diese Leeren symbolisieren „Erdenschwer und Himmelsnah — Leben und Tod“

Die Bildmotive lehnen sich an die Darstellungen von Labyrinthen an. Auf der einen Platte öffnet sich die Wirrnis des Labyrinthes zum Zentrum hin, auf der andern Platte verdichtet sich das Motiv in umgekehrter Weise nach unten und oben. Bei frontaler Betrachtung der Platten werden diese Motive übereinander gelegt und es ergibt sich ein Bild der Gleichmässigkeit. Leben und Tod sind untrennbar miteinander verbunden!

Kulturschaffende
nach oben ↥
nach oben ↥
link