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Schulhaus Hegi

1864

Schulhaus Hegi

Mettlenstr. 6

8409 Winterthur


Das Siedlungsgebiet um die bäuerliche Siedlung Hegi hat sich in der zweiten Hälfte des 20. Jhdt. gewandelt und hat sich kurz vor dem Jahrhundertwechsel und unmittelbar danach sehr stark zum urbanen Stadtteil entwickelt. Erst 2010 kam mit dem Landkauf für ein Grossschulhaus an der Ida-Sträuli-Strasse (zwischen Alt-Hegi und dem ehemaligen Sulzer-Areal) eine neue Entwicklung in Gang.

Foto: Ortsverein Hegi

Hegis erster urkundlich erwähnter Schulmeister hiess Konrad Ruckstuhl aus Oberwinterthur. Die Schule bestand wahrscheinlich schon 1661. Ein besonderes Ereignis war das Jahr 1720. In diesem Jahre stellte Hegi einen neuen Lehrer ein: Andreas Götz. Er durfte als erster Lehrer im kleinen, neu erbauten Schulhaus die Hegemer Jugend unterrichten. Der Bau wurde anstelle eines kleinen Hauses errichtet, das die Gemeinde im Jahre 1718 von Heinrich Wuhrmann gekauft hatte. Der Schulhausbau, mittlerweile ein Wohnhaus, steht noch heute an der Birchwaldstrasse 9.

Foto: Ortsverein Hegi

Mit dem Einzug ins neue Schulhaus nahm die Tätigkeit der Lehrerdynastie Götz ihren Anfang und endete 1834. In die Dorfschule traten Kinder im Alter von fünf Jahren ein. Der Schulunterricht fand nur im Winterhalbjahr statt, von Anfang November bis Ende April.

Zur Heizung der Schulstube musste jedes Kind täglich ein Scheit mitnehmen und wöchentlich Schulgeld, einen Wochenschilling, bezahlen. Die Arbeit der Schüler bestand vor allem im Auswendiglernen von Texten, welche sie schwerlich verstanden. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte stieg die Zahl der Schüler mehr und mehr an. Der gewählte Lehrer Konrad Götz musste nicht wie sein Vater fünfzig, sondern bereits siebzig Schüler in der engen Schulstube unterrichten. Dabei legte die Landschulordnung von 1776 ausdrücklich fest, wie der Schulmeister die Kinder zu erziehen und zu schulen hatte: mit väterlichem Ton, streng, aber wohlwollend, unparteiisch und gerecht.

Foto: Ortsverein Hegi

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich das Schulwesen schrittweise. Im Kanton Zürich legte die neue Staatsverfassung vom 20. März 1831 den Grund zum Ausbau der Schule. Das Unterrichtsgesetz von 1832 und das im gleichen Jahr eröffnete Lehrerseminar in Küsnacht brachten der Volksschule einen neuen Aufschwung. Andreas Götz aus Hegi und Lehrer Briner in Stadel wurden zur Fortbildung auf das Seminar geschickt» Die Fortschritte waren befriedigend. Die Volksschule bestand neu aus der Elementarschule (1.-3. Klasse), der Realschule (4.-6. Klasse) und der Repetierschule (7. und 8. Schuljahr), deren Unterricht nur an zwei Halbtagen stattfand. Die ersten sechs Schuljahre (Alltagsschule) waren obligatorisch und umfassten für alle Klassen wöchentlich 27 Stunden. Neu besorgten Gemeinde- und Bezirkschulpflegen die Aufsicht über die Schule. Der Erziehungsrat in Zürich förderte mit Normplänen im ganzen Kanton den Bau von Schulhäusern. Hegi liess 1864 durch Zimmermeister und Architekt Johannes Schalcher ein einfaches Schulgebäude errichten. Es wies im Erdgeschoss ein Klassenzimmer und darüber eine Lehrerwohnung auf und ersetzte das Schulhaus von 1720. Im Jahre 1910 (Bezug am 2. Mai 1911) wurde es durch einen Anbau erweitert (Architekt F. Siegerist). Nach und nach löste sich die erneuerte Volksschule aus der Obhut der Kirche.

Foto: Ortsverein Hegi

Die Einführung der Sekundarschule im Jahre 1870 und der Bau des damaligen zweigeschossigen Sekundarschulhauses Ausserdorf im Jahre 1885 fielen in die Amtszeit von Pfarrer J. Studer. Allen Neuerungen zum Trotz überschattete eine grosse Sorge die damalige Schule: Die Schulversäumnisse der Kinder! Viele Eltern schickten ihre Kinder nicht zur Schule (auch in Hegi), weil die Jungmannschaft früh für Arbeiten in Feld und Hof gebraucht wurde oder in Fabriken zum Lebensunterhalt beitragen musste, wo sich die 6- bis 10jährigen bis über zwölf Stunden abmühten. Die kantonalen Behörden versuchten zwar die Kinderarbeit einzudämmen, aber erst das 1877 geschaffene eidgenössische Gesetz verbot die Fabrikarbeit für Kinder unter 15 Jahren. Im Kanton Zürich wurden dadurch 2000 Jugendliche «arbeitslos». Das freiwillige 7. und 8. Schuljahr musste zu einer Ganztagesschule ausgebaut werden. In Hegi beschloss die Schulvorsteherschaft im Jahre 1899 die Einführung des täglichen Unterrichtes an der Ergänzungsschule. Im gleichen Schuljahr wurde die maximale Schülerzahl auf 70 festgelegt. Sollte die Schülerzahl während dreier Jahre überschritten werden, musste die Klasse geteilt werden.

Foto: Ortsverein Hegi

Die von Walter Günthard besetzte Stelle an der Gesamtschule wurde per 15. Februar 1919 frei. Der Schulpfleger A. Zehnder wünscht eine Besetzung der Lehrstelle durch Berufung, solange Hegi noch selbständig sei. Am 1. Mai 1919 wurde Fritz Mollet (1893-1974) an die freie Stelle gewählt. Per 31.12.1921 wird die selbständige Schulgemeinde Hegi infolge der Eingemeindung von Hegi in die Stadtgemeinde Winterthur aufgelöst. Die Schule steht neu unter der Leitung des Schulamtes Winterthur (Stadtrat Robert Wirz) und der Kreisschulpflege Oberwinterthur (Rudolf Frei). Der neue Lehrer Fritz Mollet unterrichtete von 1919 bis 1959, also 40 Jahre in Hegi. Sein Wirken war für das Dorf Hegi legendär. Nicht nur die Schulstube sondern das ganze Dorf war sein Wirkungskreis. Als Dorfchronist hielt er mit Texten und Fotos das Leben in der Aussenwacht fest. Mollet engagierte sich auch in den Vereinen. Er war langjähriger Aktuar des Ortsvereins. In diesem Kreis setzte er seine handwerklichen Begabungen ein für die Erstellung der Hegemer Laternen mit den darauf abgebildeten Wappen der Hegemer Familien. Er dirigiert 30 Jahre den Frauen- und Männerchor und auch in den Turnerkreisen über Hegi hinaus war er kein Unbekannter.

1979 wurde die Schule mangels genügender Schülerzahlen geschlossen. Die Hegemer Schüler besuchen den Unterricht im Schulhaus Hegifeld, das am 24. April 1965 mit zehn Primarklassenzimmer und zwei Kindergartenabteilungen bezogen wurde. 1980 bis 1985 war das Schulhaus Hegi an die Rudolf-Steiner-Schule vermietet. Ein Neustart erfolgte 1986, als im Schulhaus Hegi eine Kindergartenabteilung untergebracht wurde. Nach baulichen Anpassungen wurde 1988 wieder ein voller Schulbetrieb aufgenommen.

In der Mitte der 20. Jhdt. setzte die Zunahme des Wohnungsbaus in Oberwinterthur und Hegi/Hegifeld das Schulwesen unter Druck. Der Bau des Schulhauses Hegifeld, eingeweiht am 24. April 1965, brachte dann endlich eine Entspannung. Das alte Schulhaus Hegi, 1864 erstellt und 1910 erweitert, bekam 1995/96 eine umfassende Renovation. Zusätzlich konnten u.a. ein Klassenzimmer und ein Gruppenraum eingerichtet werden. Das Architekturbüro Bednar & Albisetti war dafür verantwortlich. Im forschen Tempo wurden weitere Schulanlagen errichtet und in Betrieb genommen: 1993 Kindergarten Reismühle, 2004 Kindergarten im Gern und Nebengebäude beim Schulhaus mit Schulzimmern eingerichtet, 2005 Schulhaus Eulachpark (ehemals TMZ Sulzer) und Schulhaus Neuhegi, geplante Inbetriebnahme 2018. Bereits 2012 wurden mit Pavillionbauten und einer Zeltturnhalle beim Schulhaus Hegifeld zusätzliche Schuleinrichtungen geschaffen.

Der vorliegende Text folgt einem Beitrag von Alfred Schneider „Hegi in der Geschichte der Volksschule“ im Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur vom Jahr 2002 “Hegi, ein Dorf in der Stadt“.

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