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Henking Katharina, *1957, Kunstschaffende

Katharina Henking
19.12.1957

Der künstlerische Weg von Katharina Henking ist vielschichtig und spannend und beinhaltet Zeichnung, Papierschnitt und Installationen. Anfänglich der menschlichen Figur verpflichtet, bewegt sich ihr Werk heute zwischen Figurativ- Narrativem und Abstraktion unter Einbezug des Ornamentalen. Skulpturale Arbeiten mit Papierstreifen aus geschredderten eigenen Arbeiten(!) zeigen die neueste Entwicklung.

Katharina Henking, 1957 geboren und in Seuzach und Winterthur zur Schule gegangen, besucht von 1975 bis 1980 den Vorkurs und die Grafikfachklasse an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Die Gallus-Stadt ist denn auch ihr erster künstlerischer Wirkungskreis mit Teilnahme an verschiedenen Kunstaktionen. Von 1980 bis 1988 arbeitet sie gelegentlich als Grafikerin (sie gestaltete zum Beispiel Plakate für „Jazz in St. Gallen“ ) und bis 1992 als freie Illustratorin. Ab 1982 (bis 2006) unterrichtet sie mit Unterbrüchen experimentelles Gestalten in St. Gallen und Winterthur in der Erwachsenenbildung. Nach einem Abstecher in die Welt des Tanzens (1982 Sigurd Leeder School of Dance, Herisau) beginnt ab 1983 ihre kontinuierliche künstlerische Arbeit mit regelmässigen Ausstellungen.

1984 kommt Tochter Newa Grawit zur Welt. Seit 1991 lebt und arbeitet Henking in Winterthur, nach zehn Jahren St. Gallen und vierjährigem Aufenthalt in Deutschland. 1996 tritt sie der Künstlergruppe Winterthur bei, für welche sie 12 Jahre im Vorstand mitwirkt, davon 10 Jahre als Geschäftsleiterin, und 1998 dem Berufsverband Visarte. Ihre künstlerische Arbeit wird verschiedentlich gewürdigt, 1996 und 1997 mit dem Werkbeitrag des Kantons Zürich, 1999 der Esther Matossi-Kunststiftung sowie 2011 mit dem Kunstpreis der Carl Heinrich Ernst- Kunststiftung Winterthur. Henking ist zudem Mitbegründerin und Veranstalterin des seit Ende 2007 bestehenden Diskussionsformates Café des Arts Winterthur in der Kunsthalle Winterthur und seit 2013 Mitglied der Städtischen Kunstkommission Winterthur. Sie ist heute verheiratet mit dem Winterthurer Bildhauer und Restaurator Gregor Frehner.

Seit 1983 erarbeitet sich Katharina Henking eine eigenständige künstlerische Position als Zeichnerin, zunächst im Bereich der expressiven Figuration, später in einer reduzierten Bildsprache und erweitert durch Papierschnitt und Installationen. In einer ersten, bis zirka 1990 andauernden Werkphase, die mit Mutterschaft, erster Heirat und mehrerer Wohnsitzwechsel zusammenfällt, entstehen meist kleinformatige Zeichnungen in Pastell und Kohle im Stil der Neuen Wilden.

Die Werke sind geprägt von der emotionalen Geladenheit der 80er-Jugendunruhen wie auch dem Ringen um das eigene weibliche Rollenverständnis. Höhepunkt und Abschluss findet diese Phase im 70-teiligen Zyklus Traumtänze (Kohle auf Transparentpapier), wo die weibliche Figur zum androgynen Wesen mutiert und schliesslich sich auflöst.

Der private Bruch führt Anfang der 1990-Jahre zu einer künstlerischen Neuorientierung und einem persönlichen Neuanfang in Winterthur. An die Stelle der Figurendarstellung tritt eine beinahe abstrakte Bildsprache, welche alltägliche Gegenstände als überdimensionale Kürzel wiedergibt. Die formale Reduktion geht einher mit einem radikalen Verzicht auf Farbe: Die schwarzen, an Stempelbilder gemahnenden Zeichnungen aus den frühen neunziger Jahre zeigen eine hohe Affinität zur ostasiatischen Malerei, ohne jedoch deren gestische Expressivität zu teilen.

Unter dem Eindruck von Matisse gouaches decoupées wendet sich Henking ab 1992 dem Scherenschnitt zu. Die Loslösung der Formen vom Papiergrund ermöglicht nicht nur ein serielles Arbeiten mit der Schablone, sondern auch die installative Bespielung einer Wand. Das aus der Dingwelt abgeleitete Zeichenvokabular wird in der Folge um ornamentale Elemente erweitert; Symmetrien und repetitive Muster binden die Einzelformen in eine strenge Ordnungsstruktur ein.

Nach der Jahrtausendwende kehrt die Figur über Vorlagen aus den Printmedien wieder in Henkings Schaffen zurück. Die Schattenseiten der modernen Lebenswelt unterminieren die wohlgeordnete Ästhetik des Papierschnittes. Nicht weniger hintergründig sind die Umrisszeichnungen in Kohle, welche eine traumhaft-verspielte Jungmädchenwelt wiedergeben zu scheinen, wie auch die mit einem Knetgummi aus dem mit Kohle eingeschwärzten Blattgrund hervorgeholten Bilder.

Henking besitzt eine ausgeprägte Sensibilität für Materialien und entwickelt ihre Ideen oft anhand räumlicher Gegebenheiten. Insbesondere ihre installativen Arbeiten bilden eine neuere Ausrichtung in ihrem Schaffen, begleitet von Kunst und Bau-Projekten, die zum Teil in Zusammenarbeit mit ihrem Mann entstehen. Im öffentlichen Raum in Winterthur sind Werke von Katharina Henking an mehreren Orten präsent.

Im Kantonschulhaus Im Lee an der Rychenbergstrasse schmücken z. B. drei Arbeiten aus der 1993 entstandenen Serie „Raumzwingen“ in Kohle und Pastell auf Transparentpapier einen Korridor (Foto in der Bildergalerie), wie auch in der Berufsbildungsschule Winterthur eine über fünf Stockwerke führende Papierschnittinstallation von 2007.

Foto: Sammlung HB (CC BY SA 4.0)

1995 wird Henking für die Konzeption von Betonschutzwänden beim Kinderspielplatz vom Kinderhort Tiefenbrunnen eingeladen, ihr erster öffentlicher, 1996 ausgeführter Auftrag.

Zwischen 2000 bis 2002 entsteht ein ausserordentliches Werk bei der neuen Schulhausanlage Wiesenstrasse in Veltheim im Rahmen eines 1999 ausgeschriebenen Kunst und Bau-Wettbewerbes. Henking wählt die Glaswände der Eingangshalle des Schulhauses und des Kindergartens sowie das Oberlichtband im Eingangsbereich zur Turnhalle für eine künstlerische Intervention. Für einmal kommen dabei starke farbliche Elemente zum Einsatz. Unterschiedlich grob gerasterte Flächen liegen übereinander und bilden je nach Standort einen anderen Effekt. Der Ursprung dieser Rasterflächen ist ein kleiner Ausschnitt einer Abbildung aus einer Zeitschrift.

Der nach langen Jahren ihres Schaffens nicht erreichte „grosse“ Durchbruch löst bei Henking 2012 einen Tiefpunkt aus. Ihr sensibles Suchen, auch im Bedürfnis nach stetiger Erneuerung, führt zu einem radikalen Schnitt mit dem Entschluss, ihr bisheriges Werk zu schreddern, was sie als Befreiungsschlag wertet. Denn trotz des erschreckenden und fatal wirkenden Anscheins bringt Henking dieser Prozess zu neuen Erkenntnissen, auch dank ihrer grundsätzlich positiven, vorwärtsgewandten Einstellung.

Der „Abfall“ der zeichnerischen Bildwerke, die den Aktenvernichter durchlaufen, mutieren zu räumlichen Objekten (Henking hat gut einen Drittel ihrer Zeichnungen vernichtet und einen Grossteil ihrer Papierschnitte einer neuen Form zugeführt). Die daraus entstandenen vielfältigen dreidimensionalen Installationen stellen eine Eroberung des Raumes dar. Wenn auch nicht bewusst, knüpft diese neueste Entwicklung an die in jungen Jahren gemachten Erfahrungen in der Welt des Tanzes: Sie sind begehbar geworden!

Auch ihr heutiges Atelier in Wülflingen zeigt diese Tiefenwirkung mit der Ordnung in der Unordnung. Es zeigt auch die immense Suchkraft der Künstlerin in der Darstellung von neuen Werken und mit neuen Materialien. Die Begegnung in dieser experimentierfreudigen Atmosphäre und der sympathischen Künstlerin machen die Erlebniswelt von Katharina Henking transparent.

Schwarz-weiss sind die gestalterischen Elemente von Katharina Henking. Sie selbst sagt dazu:

„Mich faszinieren Schattengebilde, die sich zu etwas Neuartigem verändern, zu etwas Unheimlichen gar. Farbe als Gestaltungsmittel ist für mich zweitrangig; formale Aspekte haben mich seit jeher mehr interessiert. Das hat wohl damit zu tun, dass ich mich nie als Malerin verstanden habe und ursprünglich vom Graphischen herkomme. Es geht dabei auch um eine Art Reduktion. Schwarz ist voller Farbe und für mich nicht grundsätzlich negativ besetzt, obwohl ein Grossteil der Menschheit darin die Farbe der Trauer sieht.“

2011 setzte Henking an der Skulpturen-Biennale im Weiertal mit ihren geknüpften Wäscheleinen aus Kunststoff einen Glanzpunkt.

Kulturschaffende
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