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Bachmann Hans Rudolf , 1921-2014, Tierarzt/Politiker

Hans Rudolf Bachmann
13.03.1921
25.12.2014

Tierarzt und SVP-Politiker Dr. Hans Rudolf Bachmann war ein engagierter Winterthurer und überall gern gesehener Tierfreund und Gemeinderat. Er ist 2014 im Alter von 93 Jahren verstorben.

Foto: winbib (Signatur 170103)

Am Weihnachtsabend, 25. Dezember 2014, verstarb Dr. Hans Rudolf Bachmann in seinem 94. Lebensjahr. Hans Bachmann war ein versierter Tierheilkundler. Nebst seiner Praxistätigkeit stellte er mit fundierten Referaten, Veröffentlichungen und Diskussionsbeiträgen sein reiches Wissen auf dem Gebiet der Tier- und Tierheilkunde unter Beweis.

Er vermittelte auch während 22 Wintersemestern an der Land- und Hauswirtschaftsschule Weinland in Wülflingen seine umfassenden Kenntnisse im Fach Tierheilkunde an junge Landwirte weiter.

Er war bei den Schülern beliebt. Dank seiner fundierten Ratschläge entwickelte sich auch zwischen ihm und seinen Kunden vielfach ein gegenseitig freundschaftliches Vertrauen. Mit der Gründung und als Präsident des Tierheimes Winterthur am Amelenberg, das 1951 eröffnet wurde, verhalf der Verstorbene einem tierschützerischen und sozialen Bedürfnis zum Durchbruch.

Foto: winbib (Signatur 170104)

Hans Bachmann liebte in seiner Tierarztpraxis die Abwechslung zwischen Kleintier- und Grosstierbehandlung. Nach der morgendlichen Sprechstunde, wo er sich liebevoll den Hunden und Katzen zuwendete, ging es dann jeweils aufs Land zu den Bauern. Beides schätzte er sehr, und seine Klientel reichte weit über Winterthur hinaus. Auch Hausbesuche zu später Stunde oder mitten in der Nacht waren für ihn kein Tabu.

Von 1956 bis 1976 war Hans Bachmann als Mitglied der damaligen BGB und heutigen SVP politisch tätig. Vom Oktober 1957 bis zum April 1976 gehörte er 19 Jahre dem Winterthurer Stadtparlament an. Von 1958 bis 1960 war er Mitglied in der Geschäftsprüfungskommission und von 1960 bis 1963 stellte er sein Wissen der Rechnungsprüfungskommission zur Verfügung.

Am 20. Mai 1963 wurde Hans Bachmann vom Grossen Gemeinderat der Stadt Winterthur mit 48 von 54 Stimmen ehrenvoll zu seinem Präsidenten gewählt. Damit bekleidete das erste Mal ein Vertreter der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei den Vorsitz im Parlament. Seine Einstellung, wenn möglich eine Sache auch mit Humor anzupacken, stellte Dr. Hans Bachmann immer wieder unter Beweis.

Das kam seinerzeit auch in der geistreichen Antrittsrede als Ratspräsident zum Ausdruck, als er sagte: „Lassen wir in unseren Verhandlungen auch hin und wieder den gesunden Humor durchschimmern, es darf in diesem Saale auch mal gelacht werden.

Verfallen Sie also nicht dem bekannten TIERISCHEN ERNST, auch wenn von heute an vorübergehend auf diesem Sessel ein Tierarzt sitzt ..." Seinen sprichwörtlichen Humor bewahrte Dr. Hans Bachmann bis zu seinem Tode. Hinter seinen markanten Augenbrauen war stets ein liebenswürdiger Schalk versteckt. Bekannt und unvergesslich sind in diesem Zusammenhang seine humorvollen Verse vom alten, heute ausgestopften Keiler aus dem Wildschweingehege des Bruderhauses.

Hans Bachmann war ein allseits offener Gesprächspartner, der auch zuhören konnte. In geselligen Runden blitzte sein Humor auf; er war ein guter Unterhalter. Setzte er sich zum Beispiel am Nostalgietreffen der Alt- Gemeinderäte an einen Tisch, waren die Sitzplätze um ihn herum nicht lange leer.

Im Kreise seiner ehemaligen Studienkollegen, mit Freunden im Kiwanis Club, in Reiter- und vielen weiteren Freundeskreisen fand er immer wieder Zeit, das gesellige Leben zu pflegen und neue Freundschaften zu knüpfen. Der schelmische, oft aber auch etwas mürrische Humor war ihm eigen. In den Kreisen seiner Farbenbrüder der Vitodurania war er ein geachteter Alter Herr, dem man gerne zuhörte und dessen Wort etwas galt. Auch kulturelle Werte schätzte und pflegte Hans Bachmann und seine Gattin Maria sehr. Dies zeigte sich unter anderem in ihrer Gönnerschaft, die dem Erweiterungsbau des Kunstmuseums Winterthur zuteil wurde.

Am 15. Januar 2015 nahm eine grosse Trauergemeinde in der Stadtkirche Winterthur von Hans Rudolf Bachmann Abschied. Dieser Tag war auch der Hochzeitstag von Hans und Maria Bachmann-Schmid. Nach 65 gemeinsamen Jahren hatte er seine Frau einige Monate zuvor verloren. Vier Kinder wurden ihnen geschenkt. Die Grossfamilie fand ihr erstes Heim an der Rychenbergstrasse in der Nähe der Brauerei Haldengut. In diesem Haushalt war auch die Tierarztpraxis untergebracht. So war die ganze Familie in die tierärztliche Arbeit miteingebunden.

Im Oktober 1955 machte Dr. Hans Bachmann schweizweit Schlagzeilen mit einer aufsehenerregenden Operation. Wegen einer Löwin mit Geburtsproblemen wurde er zum Zirkus Pilatus gerufen, welcher gerade in Winterthur gastierte. Sein Entschluss, einen Kaiserschnitt vorzunehmen, wurde schnell gefasst.

Der damalige Zolli-Direktor, Dr. Ernst Lang aus Basel, unterstützte ihn bei diesem grossen Unternehmen als Anästhesist. Bis anhin war nur ein einziger Kaiserschnitt an einer Raubkatze geglückt, und dies in den Vereinigten Staaten. Um den Operationstisch herum war alles für diesen grossen Eingriff bereit. Ein Tierwärter stand sogar mit der geladenen Pistole in Position, falls das Raubtier unerwartet aus der Narkose erwacht wäre. Selbst die Presse und das Fernsehen waren anwesend und filmten den ganzen Operationsverlauf.

Leider kamen nur drei bereits tote männliche Jungtiere zur Welt. Danach wurde die Bauchhöhle mit Penicillin und weiteren Antibiotika desinfiziert, bevor sie wieder mit perfekter Naht geschlossen wurde. Giuli - so hiess die Löwin - erholte sich von diesem Eingriff schnell, und bereits vier Wochen später stand sie erneut im Rampenlicht der Zirkusarena.

1958 zog die Familie an die Gottfried-Keller-Strasse 55 um. Das Haus war geräumiger, so dass sich nun für alle Familienmitglieder mehr Platz bot, und auch die Praxisräume in den untersten Etagen separat eingerichtet werden konnten.

Hans Bachmann stellte sich jedoch gerne auch ausserberuflichen Herausforderungen. Im Jahre 1972 wurde ihm die ehrenvolle Aufgabe zuteil, auch zum Kreise der Gründungsmitglieder de Kiwanis Clubs Winterthur-Kyburg zu gehören. Die Idee dieses Service-Clubs – der sich für das Wohl benachteiligter Kinder und Jugendlicher einsetzt – faszinierte ihn. Tatkräftig stellte er sich in diesem neuen Kreise dieser Aufgabe.

Bald wurde es ruhiger im Haus, da auch die Kinder ihre eigenen Wege eingeschlagen hatten. Doch bis in die späten Neunzigerjahre war Hans Bachmann beruflich aktiv und betreute über das Pensionsalter hinaus noch die Tiere langjähriger Kunden. Diese Kontakte bedeuteten ihm viel, und gleichzeitig konnte er seine Liebe zu den Tieren weiterhin pflegen.

In den letzten Jahren war es um Dr. Hans Bachmann ruhiger geworden. Er war nicht mehr so viel unterwegs. Er genoss aber jeden Tag zusammen mit seiner Frau, seinen Kindern und Enkelkindern und erfreute sich an den vielen alten Freundschaften. Gesprächsthemen gingen nie aus, und auch seinen unverkennbaren Humor behielt er bis zuletzt.

Am Weihnachtstag 2014 verstarb Hans Rudolf Bachmann. Er wird einem grossen Kreis in guter Erinnerung bleiben.

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