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Quartier Steig


Wie eine Festung thronen die Betonblocks auf dem Hügel an der Winterthurer Stadtgrenze. Ein paar hohe, kahle Bäume trennen die Siedlung Steig von der Autobahn. In den 1960er Jahren haben die Industriekonzerne Rieter und Sulzer das Quartier erbaut und hiermit günstigen Wohnraum zur Verfügung gestellt.

Das Quartier Steig ist der äusserste Zipfel der Stadt – abgelegen und isoliert. Im Frühjahr 1971 waren die ersten Wohnungen in der neuen Grossüberbauung Steig bezugsbereit. Sie befanden sich in den ersten Häusern, die ein Baukonsortium von Sulzer und Rieter erstellen liessen. In sieben Mehrfamilienhäusern entstanden 296 Wohnungen, eine Autoabstellhalle für 159 Personenwagen und 150 weitere Parkplätzen. Das neue Quartier liegt weit abseits von Töss, in der Nähe des alt eingesessenen Wohnbereichs des Dättnaus. Dazwischen liegt die stark befahrene Steigstrasse sowie eine Grünzone mit der BMX-Piste. Ein Zusammenwachsen dieser beiden Wohngebiete war und ist unwahrscheinlich. Die Struktur der beiden Quartierteile ist extrem andersartig.

Das Dättnau ist geprägt von Einfamilienhäusern mit Bewohner aus dem Mittelstand, während in den Blockwohnungen der Steig eine Multikulti-Gesellschaft zu Hause ist. Bemühungen mit Angeboten beide Quartierteile etwas zusammenzubringen sind gescheitert. Bastel- und Theaterkurse, die im gemeinsamen Quartierblättli ausgeschrieben wurden, hatten keine Teilnehmer. Die extra geschaffene Aktivitätenkommission löste sich wieder auf. So funktioniert das Zusammenleben wie es in einer Gemeinschaft, die aus den unterschiedlichsten Familien besteht, eher recht als schlecht. Der zuständige Quartierpolizist stellt jedenfalls ein gutes Zeugnis aus. „Es ist nicht besser, aber auch nicht schlechter als anderswo“ meint der mehr oder weniger täglich seine Runden Drehende.

Bild: Simon Tanner / NZZ

Im Landboten war folgender Stimmungsbericht zu lesen: „Bäume säumen den Rasen im Zentrum der Siedlung und bieten zwei kleinen Spielplätzen Schatten.» «Die Kinder spielen hier regelmässig Fussball», sagt Mustafa Pajazit. Sein Sohn Omer nickt und grinst. Schweizer, Portugiesen, Türken und viele Familien aus dem Balkan wohnen hier. «Konflikte gibt es praktisch keine. Aber wir haben ein Parkplatzproblem», sagt der Mazedonier. Manchmal suche er abends eine halbe Stunde lang vergeblich. «Eine Katastrophe ist das! Und dann der Abfall überall.“

In die Schlagzeilen kam das Quartier Steig, als 2015 bekannt wurde, dass zwei Jugendliche aus diesem Quartier in den Dienst der Jihadisten nach Syrien gezogen sind. Obwohl ihr Vater nichts unterliess, seine zwei Kinder zurückzuholen, dauerte es seine Zeit bis sie wieder in Winterthur zurück waren. Die Erkenntnisse von zuständigen Personen und Organen war klar. Schuld an diesem Ereignis trägt nicht das Quartier Steig. Diese seien anderswo zu suchen. Trotzdem liess die Stadtverwaltung verlauten, dass die städtische Arbeitsgruppe für Quartierentwicklung ihre Aufmerksamkeit vermehrt auf diese Aussenwacht zu lenken habe. Die zuvor gestrichene Stelle einer nötigen Fachperson wurde wieder eingesetzt.

Der öffentliche Verkehr war von Anfang an vorhanden. Heute erschliesst die Linie 11 ab Hauptbahnhof alle 15 bzw. 30 Minuten und die Überlandlinie 660 dieses Quartier.

Foto: Le temps

In der Rieter-Hauszeitung war die Erstvermietung wie folgt ausgeschrieben:

Block A (4 Geschosse) Bezug Herbst 1972

32 3-Zimmer-Wohnungen Mietzins ab Fr. 290.— pro Monat

Block F (8 Geschosse) Bezug Herbst 1971

16 2-Zimmer-Wohnungen Mietzins ab Fr. 210.— pro Monat

16 31/2-Zimmer-Wohnungen Mietzins ab Fr. 330.— pro Monat

32 4-Zimmer-Wohnungen Mietzins ab Fr. 390.— pro Monat

16 41/2-Zimmer-Wohnungen Mietzins ab Fr. 430.— pro Monat

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