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Weber Walter, *1949, Jazzmusiker

Walter Weber
16.04.1949

Der Winterthurer Walter Weber ist ein begnadeter Vertreter und Interpret des echten New Orleans-Jazz. Mit seiner Band „walter weber‘s international new orleans jazz band“ spielte er in ganz Westeuropa und auf vielen Tourneen auf und hielt damit diesen Jazzstil am Leben.

Walter Weber kam am 16. April 1949 in Winterthur-Veltheim zur Welt. Dort besuchte er die Schulen bis er ins Lehramt an der Kantonsschule im Lee wechselte. Nach der Matur studierte er an der Universität Zürich Englisch, Deutsch und Psychologie. Er verliess die Uni 1978 ohne Abschluss. Seine Motivation als vollberuflicher Lehrer zu wirken, war verblasst. Musik war seine Welt.

Musik war für Walter Weber bereits als kleiner Junge etwas das ihn faszinierte. Als 10-jähriger begann er selbst Musik zu machen. Er lernte an der Musikschule Winterthur Querflöte spielen. Dabei stand das klassische Fach im Vordergrund. In seiner Freizeit aber bevorzugte er Beat- und Pop-Musik.

Weber formierte mit ein paar Freunden eine erste Band. Von 1967 bis zirka 1972 spielten diese fünf Musikfans zusammen. In verschiedensten Engagements begeisterten sie die Zuhörer sowie die Tanzfreudigen. Louis Prima, der Italo-Amerikaner und US-Entertainer mit seinem Lied „Buona Sera“ und dem dazu gehörenden Saxophon-Solo motivierte Walter Weber Saxophon und Klarinette im Selbststudium zu erlernen.

Es war nun aber der Jazz, dem sich Weber definitiv zuwandte und der zu seiner Leidenschaft wurde. Der britische Posaunist Chris Barber (*1930), und Mr. Acker Bilk (1929-2014) mit seiner Paramount Jazzband und viele andere Bands waren seine Vorbilder und beeinflussten ihn enorm. Weber’s erste Jazzband hiess «Burgundy New Orleans Jazz Band», die von 1978 bis 1983 den New Orleans-Jazz zum Klingen brachte.

Nachdem sich Walter Weber mehrmals in New Orleans aufhielt, konzentrierte er sich auf diesen alten und gefühlvollen Jazz-Stil. Er baute sich ein Repertoire auf, das die gängigen Standards, aber auch leisere Balladen, Blues und Boogie Woogie umfasste. Seine Vorbilder waren nun die verschiedenen Bands von George Lewis, Bunk Johnson, Jim Robinson u.a. In New Orleans lebte sich Weber in die Welt der einheimischen schwarzen Musiker ein.

Er spielte zusammen mit ihnen ihre Musik, um den feinfühligen Sound direkt aufzunehmen. Weber setzte sich zum Ziel, diesen New Orleans Jazz in Europa zu pflegen und alles zu unternehmen, um ihn am Leben zu erhalten. Dies umso mehr, da die meisten der grossen alten Idole inzwischen verstorben waren. Aus seinem grossen Bekanntenkreis in den Vereinigten Staaten stellte er zusammen mit Musikern aus Europa immer wieder neue Formationen zusammen. Mit ihnen ging er auf Tournee und pflegte den echten New Orleans Jazz.

Der Erfolg blieb nicht lange aus. Musste Walter Weber Ende der 1980er anfangs 1990er Jahre mit Lehraufträgen noch ein Zubrot verdienen, machte er 1993 den Schritt zum Berufsmusiker. Sein Instrument war und ist die Klarinette, mit der er äussert virtuos umgehen kann. Unterricht hat er nie genommen, vielmehr hat er sich mit der Klarinette sofort identifiziert und sich sein grosses Können selber angeeignet.

Mit seiner Band «walter weber‘s international new orleans jazz band» hatte er in vielen bekannten Orten der Schweiz, wie Zermatt, Gstaad, Adelboden, Bad Ragaz, Ascona, Arosa, Flims, Pontresina, Scuol, St. Moritz, Sils-Maria, Celerina, Klosters und Davos Auftritte. Seit 1990 hat er auch verschiedene Jazzfestivals in Arosa, Celerina und Davos organisiert und ausgeführt. Walter Weber formierte seine Musiker zu einer Band, arrangierte Auftritte in den besten Häusern in den Tourismuszentren und faszinierte damit ein dankbares Publikum.

In Davos hat Walter Weber seinen Namen nachhaltig in Szene gesetzt. Vierzehn Jahre lang war er dort künstlerischer Leiter des New Orleans-Jazzfestivals «Davos Sounds Good» Viele renommierte Bands fanden durch ihn den Weg nach Davos. Selbstverständlich spielte er auch selber mit den verschiedensten Bands und zeigte sein virtuoses Klarinettentalent im Zusammenspiel.

Im Jahr 2014, Webers letztem Davoser Festival, traten dreizehn Bands auf und gaben 86 Konzerte. Madeleine Weber, seine Frau, unterstützte ihn bei diesen arbeitsintensiven Aktivitäten mit viel Engagement. Künftig, Walter ist im Pensionsalter, möchte er etwas kürzer treten. Für andere, kleinere Anlässe wie das Festival in Celerina, auf den Flumserbergen und bis vor kurzem dasjenige von Oberwinterthur, dem Stadtkreis in dem er lange Jahre gewohnt hatte, möchte er sein Wissen und Können noch etwas einsetzen. Aber auch seine Klarinette legt er in seinem neuen Heim in Seen noch lange nicht beiseite. So werden die Konzerthöhepunkte in seiner Heimatstadt Winterthur im Strauss-Garten oder im Schloss Wülflingen weiterhin von vielen Jazz-Fans besucht werden können.

Kulturschaffende
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