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Quartier Neuwiesen


Das Neuwiesen-Quartier liegt hinter dem Hauptbahnhof und wir eingegrenzt von der Eulach und der Wülflingerstrasse. Schon mehr als 125 Jahren setzt sich der Quartierverein Neuwiesen für die Anliegen dieser Bevölkerung ein.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Das Neuwiesenquartier liegt westlich der Altstadt und wird von der Wülflingerstrasse und der Eulach begrenzt. Ab 1860 wurde das flache Wiesengelände als erstes Stadtquartier nach einem einheitlich geplanten Quartierplan entwickelt und mit einem rechtwinkligen Strassenraster erschlossen. Wichtige Wahrzeichen sind die Pfarrkirche Peter und Paul (erbaut 1866–1868), das Schulhaus Neuwiesen (1876) und das Sulzer-Hochhaus (1966). Im Süden wird das Neuwiesenquartier durch einen grünen Gürtel mit Sportanlagen (Fussballstadion 1896/Eulachhallen 1973) abgeschlossen.

Plan aus der Website des QV Neuwiesen

Heute ist im Neuwiesenquartier die Zentrumsnähe spür- und erlebbar. Ein Grossteil der Bevölkerung bewegt sich innerhalb des Gebietes zu Fuss oder mit dem Velo. Einkaufsmöglichkeiten, Raum für sportliche Aktivitäten und Erholung, das breite kulturelle Angebot und die Möglichkeit der sozialen Vernetzung wird von vielen Quartierbewohnern besonders hervorgehoben.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Der Quartierverein Neuwiesen ist einer der ältesten Winterthur Quartiervereine. Gegründet wurde er 1881, weil die Bewohnerinnen und Bewohner damals in Sorge waren, völlig abgekapselt zu werden. «Nach dem Bau der Bahnlinie tat man sich im wachsenden Neuwiesenquartier zusammen, um für eine bessere Verbindung zur Altstadt zu kämpfen», erzählt ein langjähriges Mitglied. Tatsächlich bestand lange Zeit nur ein kleiner Holzsteg, um die Gleise zu überqueren. 1913 verlangte der Quartierverein erneut den Bau einer nördlichen Personenunterführung — „man gehöre doch auch zur Stadt“! Die Bewohner fühlten sich «in der Neuwiese» aber noch lange «wie Stiefbrüder», ehe Ende der 1890er-Jahre die nördliche Bahnhofunterführung endlich fertig war. Das Quartier konnte aufatmen. 1912 kam dann auch noch die Unterführung Zürcherstrasse.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Trotz dieser politischen Mühen kam die Geselligkeit nicht zu kurz, wie aus alten Vorstandsprotokollen hervorgeht. Diese sind seit 1908 erhalten. Der Verein organisierte Maibummel, Vorträge und Abendunterhaltungen im Neuwiesenhof - samt Lustspiel und Gesang. Um mehr Volk an die Generalversammlung zu locken, liess sie der Vorstand als «gemütlichen Höck mit Jodlerquartett» ausklingen. So stand es zumindest 1918 in einem Zeitungsinserat. 1950 betätigt sich die Versammlung «handgreiflich an dem von der Vereinskasse spendierten Schübligfrass», berichtet die Vereinschronik.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Die Anliegen zu Handen der Stadt nahmen nicht ab. Der Verein setzte sich Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Obrigkeit für eine Polizeistation, die Einrichtung eines Telefons, bessere Strassenbeläge oder die Fertigstellung der Kanalisation ein. In den 1950er und 1960er Jahren war das grosse Sorgenkind der Verkehr: Der ganze, laute, gefährliche Durchgangsverkehr Zürich—Stuttgart rollte vor dem Bau der A1 durchs Neuwiesenquartier. Seinen bislang letzten grossen Kampf focht der Quartierverein 1977 aus: Vehement wehrte man sich gegen den Abriss alter Häuser an der Gertrudstrasse und den Bau des Neuwiesenzentrums. Man befürchtete steigende Bodenpreise, ein Lädelisterben und die schleichende Anonymisierung des Quartiers. Vergeblich, 1982 wurde das Zentrum Neuwiesen eröffnet.

Foto: winbib

Der Bau einer besseren Velounterführung unter dem Bahnhof steht derzeit an erster Stelle der Wunschliste. Ein Traum, der mit der geplanten Verbreiterung der Unterführung Nord bald (2022!?) in Erfüllung gehen könnte. Weit in die Ferne gerückt ist dagegen ein anderer lang gehegter Wunsch des Quartiervereins: endlich einen eigenen Treffpunkt zu haben. Die entsprechende Arbeitsgruppe tage zwar noch, doch alle Bemühungen, eine geeignete und noch dazu erschwingliche Lokalität zu finden, sind bisher gescheitert — trotz Hilfe der Stadt.

Dieser Text basiert auf einem Bericht im Landboten von 10. Juni 2006 von Patrik Kühnis

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