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Mack Fritz, Lehrer, Sänger, 1912-1970

Fritz Mack
Sun Jun 09 00:00:00 UTC 1912
Sat Sep 26 00:00:00 UTC 1970

Mack Fritz kam am 9. Jun i 1912 in Zürich zur Welt. Verstorben ist er am 6. September 1970 in Elsau/Winterthur. Er studierte an der Musikakademie von Zürich. In der Schweiz und in europäischen Städten hatte er mit seiner Bass-Bariton-Stimme erfolgreiche Auftritte. Er hat sich aber auch zum Primarlehrer ausgebildet und diesen Beruf mit grossem Engagement ausgeübt. Seit 1955 wirkte er zusätzlich als Gesanglehrer an der Zürcher Musikakademie.

ANSPRACHE von HERRN PROF. DR. RICHARD MÜLLER SCHULPRÄSIDENT WINTERTHUR

"Am Samstagmorgen hat Fritz Mack seine 3. Klasse im Schulhaus Tössfeld noch mit gewohnter Lebhaftigkeit unterrichtet. Am Montagvormittag erfuhren Kollegen und Schüler mit Bestürzung von seinem jähen Tode. Es fiel nicht leicht, daran zu glauben, dass der Mann, der überall, wo er erschien, Leben und Freundschaft um sich verbreitete, der immer zum Gespräch aufgeschlossen, zur Anteilnahme an den Sorgen anderer bereit war, nun nicht mehr sein sollte. Tief ergriffen vernahmen insbesondere seine Schüler die Kunde von seinem Tod. Für sie war nicht bloss der Lehrer gestorben, sondern ein väterlicher Freund, der sie zu führen verstand und der ihnen aus seinem überreichen Wissen so vieles erzählt, sie auf so manche Schönheiten dieser Welt aufmerksam gemacht hatte. Jeder, der die Schulstube von Fritz Mack betrat, spürte den engen Kontakt zwischen dem Lehrer und den Schülern, das Vertrauen, welche die kleinen Knaben und Mädchen dem grossen Mann mit der mächtigen Stimme entgegenbrachten. Nicht immer mag ihm das Unterrichten leicht gefallen sein; besondere Mühe bereitete es ihm, als er 1962 nach seinem Herzinfarkt in die Schule zurückkehrte. Doch nie hätte er Überdruss erkennen lassen, und ganz und gar unvereinbar mit seiner Natur wäre es gewesen, andere mit seinen Sorgen zu belasten. Er gehörte zu den Menschen, denen es schwerer fällt zu nehmen als zu geben, die ob der Probleme anderer rasch bereit sind, das eigene Ich zurückzustellen und ohne Rücksicht auf sich selbst anderen beizustehen. Offen für alles Schöne, verstand es Fritz Mack, seine Umgebung an seinen Gefühlen und Empfindungen teilhaben zu lassen. Wie oft hat er seine Kollegen und Freunde doch aus eigener Begeisterung für Werke der Kunst gewonnen: Werke der Musik, die er über alles liebte und denen er so gerne seine volle, schöne Bassstimme lieh, Werke der Architektur und der Malerei, die er auf Reisen kennen gelernt hatte und von denen ihn besonders jene der Barockzeit gefangen nahmen und beglückten.

Sein reiches Wissen und die Gabe, dieses Wissen an andere zu vermitteln, zeigten sich auf den verschiedensten Gebieten: als Kapitelsdirigent ebenso sehr wie als Redaktionsmitglied der Winterthurer Elternzeitschrift "Schritte", als Betreuer der von ihm mit aller Sorgfalt und Übersicht angelegten Schulsammlung des Schulhauses Tössfeld, wie als Berater des Theatervereins für die akustischen Belange des Theaterneubaus. Auf Exkursionen mit seinen Lehrerkollegen und an der jeweiligen Jahresabschlussfeier des Schulhauses Tössfeld war er es, der sich für Führungen und Vorträge zur Verfügung stellte und der im Wissen um die Bedeutung des Arbeitsklimas im Schulhaus immer wieder zur Intensivierung der menschlichen Kontakte anregte. Dabei war es ihm ein besonderes Anliegen, auch die Beziehungen zu den pensionierten Kollegen aufrechtzuerhalten und diese am Leben der Schule auch weiterhin teilhaben zu lassen.

Was Fritz Mack auch immer unternahm, er tat es aus voller Seele, unter Einsatz seiner ganzen reichen Persönlichkeit. Er gehörte zu den Menschen, die sich keine Schonung auferlegen, zu den Engagierten, welche die Grenzen ihrer Kräfte immer wieder in Frage stellen. Wie sehr ihn dabei eine Aufgabe gefangen nehmen konnte, erlebten die Behörden und die Lehrer des Schulkreises Winterthur-Altstadt bei der Einweihung des Schulhauses Schönengrund im Jahre 1960. Das Festspiel, das Fritz Mack zu diesem Anlass verfasste, komponierte und einübte, bildete den Mittelpunkt der Feier und vermittelte ein eindrucksvolles Bild vom Gemeinschaftsleben der Stadt Winterthur in Vergangenheit und Gegenwart. Hier besonders zeigten sich die vielfachen Gaben des Verstorbenen: seine Musikalität, seine Sprachbegabung, sein Organisationstalent, seine Begeisterungsfähigkeit, sein nimmermüder Einsatz und seine mitreissende Lebhaftigkeit. Wie wirkte doch sein origineller, fröhlicher und besinnlicher Vitodurigallus ansteckend auf alle, die an diesem Festspiel beteiligt waren: auf Lehrer und Schüler, Tanzgruppen und Musikanten und nicht zuletzt auf die Zuschauer, denen Fritz Mack mit seinem Spiel einen ganz besonderen Genuss bereitete. Mit den dargebotenen Bildern aus dem Winterthurer Leben hat sich Fritz Mack in der Schulgeschichte unserer Stadt ein Denkmal gesetzt.

Und nun ist er plötzlich nicht mehr: der Mann, den man nur zu rufen brauchte und der mit seiner Vielseitigkeit so manchem Gestalt und Farbe zu verleihen vermochte. Im Schulhaus Tössfeld, wo er seit dem Jahre 1953 wirkte, im Schulkreis Winterthur, in unserer Stadt und weit darüber hinaus, hinterlässt der Lehrer und Sänger Fritz Mack, der vielbegabte Kenner und Schilderer so mancher kultureller Werke und der liebenswerte Mensch eine grosse Lücke. Im Namen der Schulbehörden der Stadt Winterthur, der Lehrer unseres Schulkreises und all der vielen Freunde und Bekannten, denen Fritz Mack zu irgendeiner Stunde Gutes getan hat, entbiete ich den Angehörigen, vorab Frau Mack, das herzlichste Beileid. Wir werden das Andenken an Fritz Mack in unseren Herzen bewahren."

Kulturschaffende
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