w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Friedhof Rosenberg

Sun Nov 01 00:00:00 UTC 1914

am Rosenberg 5

8400 Winterthur


Der Friedhof Rosenberg ist der städtische Hauptfriedhof und mit seinen 170‘000 m2 der grösste der fünf Winterthurer Friedhöfe. In der Friedhofanlage Rosenberg sind auch die Friedhofverwaltung, Aufbahrungsräume, das Krematorium und die Abdankungskapelle. Sie beherbergt 12‘000 Grabstätten. Ihrer Architektur und ihrer Kunstgegenstände wegen steht die Anlage unter Denkmalschutz.

Der Friedhof Rosenberg zählt zu den schönsten Anlagen der Schweiz und ist im Inventar der regionalen Schutzobjekte aufgeführt. Der erste Entwurf des Friedhofs Rosenberg stammt vom Winterthurer Architekten Robert Rittmeyer und geht auf das Jahr 1908 zurück. 1914 wurde die Anlage eingeweiht. Heute präsentiert sie sich in zwei Hauptteilen: dem Südteil von Rittmeyer –später auch unterstützt von Walter Furrer- und dem Nordteil, einer Erweiterung von Robert Merkelbach im Jahr 1940. Die Anlage wurde vor dem 1. Weltkrieg durch Arbeitslose als sogenannte Notstandsarbeit gebaut. Aus dieser Zeit stammt auch das Gebäudeensemble beim Haupteingang, bestehend aus Friedhofverwaltung, alter Kapelle und Nebengebäude. 1940 erfolgte die Erweiterung bis zur Eggenzahnstrasse im Norden. 1976 wurden die Urnenmauern erweitert und 1994 das neue Gemeinschaftsgrab erstellt.

Jahr
Ausbauetappen
1910 Bau des Krematoriums durch Bridler und Völki
1914 Erstellung des ersten Friedhofteils mit dem Eingangsportal und der Abdankungskapelle durch Rittmeyer und Furrer
1940 Erweiterung Nord durch Robert Merkelbach
1956 Bau des Werkgebäudes und der Parkplätze
1971 Bau der unterirdischen Aufbarungshalle durch Alex Ott
2003 Neubau des Krematoriums und Renovation der Abdankungskapelle durch das Architekten-Kollektiv Winterthhur
2010 neues Gemeinschaftsgrab Birkenhain und muslimische Gräber
2012 Erstellung eines Werkhofes
2016
Erstellung eines neuen Kindergrabfeldes

Das Krematorium

Die 1905 gegründete Genossenschaft Feuerbestattungsverein Winterthur setzte sich zu Beginn des 20. Jhdt. für die baldige Einführung der Feuerbestattung in Winterthur ein. Am 11. August 1909 bewilligte eine ausserordentliche Generalversammlung einen Kredit von Fr. 116'550.00 für den Bau eines Krematoriums nach den Plänen der Architekten Bridler und Völki. Die Stadt trat den dazu nötigen Boden kostenlos ab und leistete einen Beitrag von Fr. 20'000.00. Am 16. Januar 1911 konnte die erste Kremation durchgeführt werden. Nach verschiedenen technischen Erneuerungen in den Jahren 1934 und 1937 bewilligte die Generalversammlung 1951 einen Kredit von Fr. 480'000.00 für die Erweiterung der Abdankungshalle. Das Krematorium blieb bis 1980 im Besitz des Feuerbestattungsverein, das von diesem auf eigene Rechnung betrieben wurde. Da die Kremation durch kantonale Bestimmungen unentgeltlich geworden war, hat der Verein die Grundlage und seine Existenzberechtigung verloren. Durch Beschluss der Generalversammlung vom 26. März 1980 wurde der Verein per 31. Dezember 1980 aufgelöst. Die Gebäulichkeiten (Krematorium) und das Vereinsvermögen wurden der Stadtgemeinde übergeben. Im Schenkungsvertrag sind die vollständig abgeschriebenen Gebäude mit einem Versicherungswert von 2'730'900 Franken festgehalten.

Die Abdankungshalle des Krematoriums erinnert an eine Waldkapelle. Sie steht mitten im Wald, in direkter Beziehung zum Friedhof Rosenberg. In der Apsis waren bis 2003 die beiden alten Kremationsöfen in Betrieb. Gleich daneben baute das Architekten Kollektiv aus Winterthur ein neues Krematorium. Es ist ein flach gedeckter Betonbau. Sichtbar sind das Ofenhaus und ein vorgelagerter Hof. Die technischen Räume für die Rauchgasreinigung sind unterirdisch angelegt. Ein unterirdischer Stollen erschliesst auch den Neubau. Grosse Fenster gestatten den Blick in die Ofenhalle, in der die Särge mit den Verstorbenen bereit stehen - ein ungewohntes Bild für die Spaziergänger. 2003 erfolgte die Inbetriebnahme dieses neuen Krematoriums. Gleichzeitig haben die Architekten das Innere der alten Abdankungshalle renoviert, das Tonnengewölbe weiss gestrichen und mit blauen Wänden gefasst. Neue Bänke sollen das Gemeinschaftsgefühl unterstreichen. Das umstrittene Freskobild von Paul Bodmer in der Kapelle wurde am 6.10.1953 zum Abschluss von Um- und Erweiterungsarbeiten eingeweiht. Seit der Erneuerung von 2003 ist es abgedeckt.

Das neue Flachdachgebäude des Krematoriums neben dem Spitzgiebel-Haus der Kapelle ist skelettartig mit Rasterelementen (3.2m) angelegt. Direkt vorgelagert befindet sich ein offener „Andachts“-Raum der vom Architekten Markus Jedele analog entwickelt und gestaltet wurde. Die vollen und leeren Raumelemente erzeugen eine ganz spezielle andächtige Stimmung und Sinnlichkeit. Die Raster sind teilweise gefüllt mit schweren Stahlplatten mit ausgefrästen Buchstaben. Diese geben einen nicht sofort erkennbaren Text wieder, den der Schriftsteller Klaus Merz sich ausgedacht hat:

TIEFE HIMMEL – WEITE WELT – LEISE WIEGEN – MUTIG GEHEN.

Übrigens und so nebenbei: Da dieser Text aus den Stahlplatten heraus gelasert wurde, durften die Wörter keine Buchstaben enthalten, die eine innere Leerfläche haben (wie z.B B, D, P, oder R). Diese Kunst am Bau Architektur muss der Betrachter an sich heran kommen lassen. Er muss die Stimmung, die auch die weitere Umgebung einfliessen lässt, aufnehmen und die Gedanken schweifen lassen können. Das Ganze ist eine der Örtlichkeit mehr als angemessene und sehr gelungene Gestaltung.

Gemeinschaftsgrab Birkenhain

2009 wurde ein neues Gemeinschaftsgrab errichtet und in Betrieb genommen. Es ist ein grosszügig angelegtes und zentral gelegenes Grabfeld und gewährleistet eine pietätvolle und zukunftsgerichtete Bestattungskultur. Diese neue Anlage ergänzt die bisherigen zwei, im Wald gelegenen Gemeinschaftsgräber. Das neue Gemeinschaftsgrab ordnet sich in die bestehende Gestaltung der Friedhofsstruktur ein. Der alte Birkenhain, die radiale Ausrichtung der Wege und das abgestufte Gelände blieben erhalten. Eine breite Eibenhecke und neu gepflanzte Magnolienbäume am oberen Wegrand fassen das Gemeinschaftsgrab klammerartig ein.

Die Beisetzung der verrottbaren Urnen aus Holz oder ungebranntem Ton erfolgt in der offenen, nach Südwesten hin abfallenden Rasenfläche. Damit wird dem Wunsch nach einer pietätvollen Bestattung im Erdreich entsprochen. Die Belegung erfolgt dem Jahresverlauf folgend in vier Sektoren. Das Gemeinschaftsgrab wird damit auf der ganzen Fläche gleichmässig genutzt, und es entstehen keine Konzentrationen oder leere Flächen.

Im oberen Bereich des Areals ist ein grosszügiger Besammlungs- und Besinnungsplatz mit zahlreichen Sitzbänken angelegt. Die Namen der Verstorbenen können auf Wunsch in der weit geschwungenen "Namensbank" eingraviert werden. In enger Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Kurt Sigrist wurde eine „kommunizierende" Brunnenanlage aus Stahl entwickelt. Diese besteht aus einem Brunnen auf dem oberen Besammlungsplatz und einem zweiten Teil am tiefsten Punkt der Anlage, welcher durch den Überlauf des ersten Beckens gespeist wird.

Die Bepflanzung aus Gehölzen und Zwiebelpflanzen orientiert sich am bestehenden Charakter dieses Friedhofteils und ergänzt den Birkenhain. Am Beisetzungsort der Urnen wird keine individuelle Bepflanzung ermöglicht, um das grosszügige Bild und die Charakteristik einer gemeinschaftlichen Grabstätte nicht zu stören. Vom gesamten Areal des "Birkenhains" wird vorerst nur die Hälfte beansprucht. Für eine derartige Etappierung erwies sich das Siegerprojekt von Rotzler Krebs Partner als besonders geeignet. Auf dieser Fläche ist es möglich, mindestens 1'700 Urnen in den nächsten 15 Jahren zu bestatten.

Baumgräber im Friedhof Rosenberg

Im 21. Jahrhundert kam eine zusätzliche Grabart auf, das Baumgrab. Die ersten Baumgräber im Friedhof Rosenberg wurden ab 2002 im nördlichsten Teil entlang der Eggenzahnstrasse erstellt. Diese neue Bestattungsart stiess bereits bald auf eine wachsende Nachfrage. Eine Erweiterung des Friedhofs mit Baumgräbern wurde nötig. Das neue Grabfeld mit Baumgräbern wurde im November 2008 fertig gestellt. Es liegt in der nord-östlichen Ecke des Friedhofareals und hat Platz für 300 Bäume. Baumgräber sind Privatgräber oder Familiengräber, bis acht Urnen können beigesetzt werde. Sie werden nur auf dem Friedhof Rosenberg angeboten. Weil diese Bestattungsart sehr beliebt ist, wurde diese Friedhoferweiterung gebaut. Eine gewisse Anzahl Bäume wird jeweils im Frühjahr und Herbst neu gepflanzt. Darunter sind Buchen, Birken, Eichen, Eschen, Berg-, Feld- und Spitzahorne. Um der Entwicklung des Baumes gerecht zu werden, beträgt die Grösse des Grabplatzes neun Quadratmeter. Die Nachfrage wurde 2015 durch eine drastische Erhöhung der Kostenbeteiligung gedämmt.

Ein Baumgrab kann für 40 Jahre gemietet werden. Nach Ablauf ist eine Verlängerung möglich. Die Asche wird wahlweise in den Wurzelbereich des Baumes gestreut oder in einer abbaubaren Urne aus Holz oder ungebranntem Ton beigesetzt. In einem Baumgrab von neun Quadratmetern Grösse können bis zu acht Familienangehörige beigesetzt werden.

Die Stadtgärtnerei pflegt die Grabstätten im Rahmen der üblichen Friedhofspflege (Waldwiese) und erhebt dafür einen einmaligen Pflegebeitrag. Um den Charakter des Waldfriedhofs nicht zu zerstören, dürfen die Baumgräber nicht mit Blumen und Accessoires geschmückt werden. Die Mitarbeitenden des Friedhofs stellen allfälligen Grabschmuck drei Wochen nach der Bestattung auf den Blumensammelplatz in der Nähe des Grabfeldes.

Muslimischer Friedhofteil

Die Bevölkerung der Schweiz ändert sich und damit auch die Bestattungskultur. Zunehmender Individualismus und Multikulturalität bringen Bewegung in die traditionellen Bestattuungsformen. Immer weniger Menschen entscheiden sich für ein traditionelles Sargbegräbnis. So muss auch der Friedhof Rosenberg den veränderten Bedürfnissen gerecht werden. Gab es bereits seit längerer Zeit eine Abteilung für Verstorbene jüdischen Glaubens folgte 2012 auch ein Muslimischer Friedhofteil. Rund 420 Reihen-, Kinder- und Privatgräber können in diesem westlichen Teil des Friedhofs bestattet werden.

Kindergrabfeld

Das Grabfeld für Kinder im Friedhof Rosenberg wurde 2016 erneuert und bietet neu auch Platz für die Bestattung von früh verstorbenen Kindern (sogenannte Engelskinder). Der Verlust eines Kindes ist für die Angehörigen ein einschneidendes Ereignis. Es entstand von verschiedener Seite der Wunsch, ein Grabmal als Zeichen für anonyme Bestattungen von Kindern zu errichten. 2012 wurden im Rahmen eines Studienauftrags drei Landschaftsarchitekturbüros aufgefordert, Vorschläge für die Neugestaltung des Kindergrabfelds einzureichen, wo auch frühverstorbene Kinder einen Gedenkplatz erhalten. Eine Jury, zusammengesetzt aus Landschaftsarchitekten, Denkmalpflege und Friedhofsverantwortlichen, hat das Projekt «kleiner Prinz» des Büro Berchtold-Lenzin ausgewählt. Das Grabfeld ist fein strukturiert und mit vielen geschwungenen Wegen durchwoben, die einen labyrinthartigen Charakter ergeben.

Die Zusammenfassung der Reihengräber zu kleinen, überschaubaren Gruppen gibt dem Ort eine Intimität, die Kindern entspricht. Ein Baum mit Namenstäfelchen der verstorbenen Kinder steht als zentrales Element im Mittelpunkt. Insgesamt entstand ein stimmiger Raum, welcher der Bestattung von Kindern angemessen ist. Er kann die Bedürfnisse nach Gräbern früh verstorbener Kinder oder gemeinschaftliche Beisetzungen aufnehmen und entfaltet seine Wirkung, auch wenn die Gräber noch nicht belegt sind. Ohne die Eigenleistungen der Friedhofverwaltung kostete die Errichtung dieser neuesten Abteilung im Friedhof Rosenberg rund 100‘000 Franken. Das Gemeinschaftsgrab hat 220 Grabstellen. Das Projekt stammt von den Landschaftsarchitekten Berchtold.Lenzin aus Zürich.

Kunst im Friedhof Rosenberg

Im Friedhof Rosenberg finden sich Grabmale aus allen Jahrzehnten seit der Eröffnung des Friedhofs 1914. Darunter befinden sich künstlerisch sorgfältig gestaltete Grabstätten als eigentliche Gesamtkunstwerke. Sie sind Zeitzeugen verschiedener Epochen der Grabmalkunst. Zusätzlich zu den Grabmalen befinden sich im Friedhof Rosenberg namhafte Werke von bekannten und unbekannten Künstlern. Sie prägen den Friedhof auch als sinnliche Parkanlage. Zwei seien herausgegriffen: Auf dem Weg zum Kolumbarium (Rundgebäude mit Grabkammern) steht linkerhand eine Skulptur aus zwei Figuren von Arnold D’Altri (1904–1980).

Die Bronze-Stelen „Erdenschwer und Himmelsnah“ beim Grab der letzten Ruhestätte wurden 2010 vom Winterthurer Bildhauer Gregor Frehner (*1959) geschaffen. Frehner realisierte zwei aus Bronzeblech geschnittene Bildtafeln. Diese Tafeln, mit sichtbaren Flächen von 60 x 180 cm, sind auf würfelförmigen Sockeln eingelassen. An ihren sichtbaren Flächen wurden mit dem Hochdruck-Wasserstrahl die Motive senkrecht in die Bronzeplatten eingeschnitten. Die ursprünglichen, rechteckigen Umrissformen blieben gewissermassen als Rahmen und auch als Stützen stehen. Die Motive in diesen Bildtafeln bestehen aus Materie und den dazwischen freigelegten Flächen. Dieses Material und diese Leeren symbolisieren „Erdenschwer und Himmelsnah — Leben und Tod“. Die Bildmotive lehnen sich an die Darstellungen von Labyrinthen an. Auf der einen Platte öffnet sich die Wirrnis des Labyrinthes zum Zentrum hin, auf der andern Platte verdichtet sich das Motiv in umgekehrter Weise nach unten und oben. Bei frontaler Betrachtung der Platten werden diese Motive übereinander gelegt und es ergibt sich ein Bild der Gleichmässigkeit. Leben und Tod sind untrennbar miteinander verbunden!

Pärke
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