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Rieter AG Maschinenfabrik Töss (Kurzfassung)

Sat Jan 17 00:00:00 UTC 1795

Rieter AG Maschinenfabrik

Klosterstr. 20

Postfach8406 Winterthur

052 208 71 71


Rieter ist ein führender Anbieter am Weltmarkt für Textilmaschinen und -komponenten für die Kurzstapelfaser-Spinnerei. Das Unternehmen ist mit 19 Produktionsstandorten in 9 Ländern vertreten und beschäftigt weltweit rund 4‘700 Mitarbeitende, davon etwa 28 % in der Schweiz.

1795 gründete Johann Jacob Rieter einen Baumwoll- und Kolonialwarenhandel. Durch Napoleons Kolonialsperre begünstigt, baute er bald seine ersten Spinnereien. 1811 eröffnete er in einer ehemaligen Klostermühle in St. Gallen die Spinnerei Sankt Georgen. 1884 kaufte Maestrani das Gelände, um Schokolade zu produzieren. 1812 errichtete Rieter hinter dem heutigen Technikum (Zürcher Hochschule Winterthur), wo die Eulach und der Mühlekanal zusammenflossen seine erste Spinnerei. Das Wasserrad erzeugte nur genügend Energie für die Spinnmaschinen im Erdgeschoss. Die 3888 Spindeln der Maschinen in den oberen Geschossen wurde durch die Arbeiter eigner Muskelkraft angetrieben. Drei weitere Spinnereien entstanden im Raume St. Gallen. Alle lagen aber an kleinen Flüssen, deren Wasserkraft nicht ausreichte, um alle Spinnmaschinen anzutreiben. Rieter suchte einen besseren Standort mit einem wasserreicheren Fluss. Er fand ihn in Töss (heute Unterwerk/Forschungszentrum, zwischen der Töss und der Schlosstalstrasse gelegen). Es entstand eine Musterspinnerei und ein Kanal.

Sein Sohn Heinrich und vor allem sein Enkel Heinrich II führten das Unternehmen erfolgreich weiter. 1833 erwarb Heinrich I für 103'000 Franken vom Kanton Zürich das genau 600 Jahre zuvor gegründete und 1525 stillgelegte Dominikanerkloster an der Töss. Die meisten Klostergebäude mussten dem Bau der Maschinenfabrik weichen. Die Kirche liess Rieter stehen, denn sie konnte wegen der Raumhöhe als Fabrikhalle genutzt werden. 1854 installierte Ständerat und Oberst Heinrich Rieter II in der Kirche eine Kranbahn für die Maschinenmontage. Dies gefiel selbst im reformierten Winterthur nicht allen Leuten. 1914 wurde die Kirche durch eine Industriebaute ersetzt. Einzig die ehemalige Klostermühle überlebte. Sie diente ab 1940 als Lehrlingsheim, dann wurden Wohnungen eingebaut und schliesslich diente es als Asylantenheim.

Das Unternehmen wuchs ebenso rasant wie die Produktepalette. Sie umfasste Transmissionen und Turbinen ebenso wie Werkzeugmaschinen, Generatoren, Motoren, Bahnen Trams, Gewehre, Brücken, Webstühle, Stickmaschinen, Fach- und Spulmaschinen. Nach 1915 konzentrierte sich Rieter auf die Produktion von Baumwollspinnmaschinen. 70 Jahre später realisierte Rieter, dass ein zweites Standbein von Nöten ist. Es begann die Herstellung von lärm- und hitzedämmende Teile für die Automobilindustrie. Heute macht dieser Geschäftsbereich bereits mehr als die Hälfte des Umsatzes aus.

Der Rieter-Konzern feierte 1995 seinen 200. Geburtstag. Während der Bereich Automotive Systems expandiert, stagniert das Spinnereimaschinengeschäft immer wieder. Restrukturierungsmassnahmen waren nötig. Ende 1999 schloss die Giesserei. Andere Abteilungen wurden verkleinert oder aufgehoben, was viele Arbeitsplätze kostete.

Das Unternehmen, dessen Hauptsitz nach wie vor in Winterthur ist, beschäftigt an 19 Produktionsstandorten in 9 Ländern rund 4‘700 Mitarbeitende, davon etwa 28 % in der Schweiz.

Am 13. Mai 2011 wurde die Sparte Automotive Systems aus der Rieter AG herausgelöst, die 1984 ins Autogeschäft eingestiegen war. Die neue Firma „Autoneum“ beliefert die internationale Autoindustrie mit verschiedenen Produkten zur Wärme- und akustischen Dämmung, unter anderem mit Teppichen, Hitzeschildern und Unterbodenverkleidungen. Zu den Kunden zählen fast alle bekannten Automarken. Autoneum erzielte 2011 einen Umsatz von rund 1,7 Milliarden Franken und beschäftigt über 9500 Mitarbeiter weltweit. Am Hauptsitz in Winterthur sind rund 150 Personen tätig, vor allem in der Forschung und Entwicklung. Am einzigen Schweizer Produktionsstandort in Sevelen SG arbeiten 450 Personen.

Kleinkraftwerk Ober- und Niedertöss

Zwischen 1915 (Niedertöss )und 1949 (Obertöss) wurden nach dem damaligen Stand der Technik für den Eigenbedarf Kleinwasserkraftwerke erstellt. Die Anlagen sind, nachdem sie Instand gestellt wurden, lebendige Zeugen der Industrie-Geschichte sowie der Rieter-Firmengeschichte. Die Geschichte begann 1233 mit dem Bau der Klostermühle und führt über die erste Wasserturbine Rieters, die nach 1880 zum Antrieb einer Transmission in Betrieb genommen wurde, zu diesen Kleinkraftwerken.

Das 1915 gebaute und 1994 stillgelegten, historisch bedeutsamen werkseigene Kleinkraftwerk längs dem Rieterkanals in Niedertöss wurden ab 2005 auf Vordermann gebracht (neuer Generator) und produziert seit 2006 wieder Strom (800'000 kWh pro Jahr). Die Turbine (Drillingsfrancisturbine mit zwei Kammern), Generatoren und Motoren gelten als «wichtige Zeugen der Epoche» und sind unter Schutz gestellt worden. Die Wasserdurchflussmenge beträgt 5'000 l/s. Auf Initiative der Firma Nordstrom GmbH konnte das Projekt realisiert werden. Der Kanton Zürich subventionierte das Projekt mit einem Beitrag aus dem Denkmalpflegefond.

Auch das leistungsfähigere Kleinwasserkraftwerk Obertöss ist seit 2007 wieder in Betrieb. Auch hier war das Unternehmen Nordstrom GmbH federführend. Zwei Kaplanturbinen produzieren mit einem Wasserdurchfluss von 6'500 l/s einen Jahres-Mittelwert von 1'200'000 kWh. Der Strom wird von den Stadtwerken Winterthur als Oekostrom übernommen.

aus Landbote vom 22.10.2015

Produktions-Abbau in Töss

Seit 2013 baut die Rieter Arbeitsplätze ab, da sie im internationalen Markt Schwierigkeiten hat. Verschiedenste Gründe werden dazu aufgeführt. Im Vordergrund stehen gemäss Geschäftsleitung die zu hohen Produktionskosten und der zu starke Franken. 2015 erfolgt die nächste Hiobsbotschaft. Über 200 Stellen sollen gestrichen werden. Geplant ist die Produktion in Winterthur einzustellen. Eigene Werke in Tschechien, China und Indien werden diese Fertigungen übernehmen. In Winterthur-Töss, um das Qualitätsmerkmal „Made in Switzerland“ aufrecht zu erhalten, soll noch montiert und getestet werden. Was die Sulzer-Areale bereits hinter sich haben, beginnt nun auf 130‘000 m2 grossen Fabrikareal zwischen Klosterstrasse und der Töss.

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