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Winterthur Marathon.


Nicht nur Berlin mit Tiergaten und Kreuzberg, nicht nur Wien mit Prater und Schönbrunn und nicht nur Vacouver mit der wunderschönen Strecke entlang dem Pazifik hat einen Städte-Marathon, sondern seit 1999 hat auch Winterthur, die Stadt an der Töss an deren Ufer entlang die Strecke zum Teil führt, einen Wett- und Volkslauf über Strecken bis zur Marathon-Distanz.

Foto: wintipix.com

Als im Jahr 2018 die 20. Austragung des Winterthurer Marathonlaufs gefeiert werden konnte, verfasste Christoph Schürch, Mitinitiant und erster OK-Präsident folgende Würdigung:

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Der Anfang

„Es begann alles im Zürcher Kantonsrat. Georg Schellenberg, Kantonsrat (SVP) und Gemeindepräsident von Zell, selbst passionierter Läufer, wusste von mir, dass ich, damals ebenfalls im Kantonsrat (SP), auch Läufer war. Im Hinblick auf eine allfällige Senioren-Leichtathletik-WM in Zürich fragte er mich an, ob ich Lust habe, einen Marathon in Winterthur auf die Beine zu stellen (als Hauptprobe für die WM, welche dann doch nicht nach Zürich vergeben wurde). Mit Roly Brunner, einem SP-Fraktionskollegen und Martin Hasenfratz, damaliger Präsident des LV Winterthur, wurden erste Ideen ausgetauscht. Als wir den Schweizerischen Leichtathletikverband anfragten, ob dieser uns unterstützen würde und dieser wiederum einen Austragungsort für die Marathon-Schweizermeisterschaften (SM) suchte, wurde die Sache bald konkret. So nahmen wir einen Stadtplan zur Hand und bestimmten eine Strecke, welche natürlich von den Gemeindebehörden und den Polizeistellen der Stadt und des Kantons bewilligt werden musste.

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Grosse Hürden zu überwinden

Wir suchten eine Strecke von 42,195 km auf einer einzigen Runde in und um Winterthur. Gleichzeitig musste auch ein Start möglich sein für den ebenfalls ins Konzept genommenen Halbmarathon. Ein geeignetes Start-Zielgelände musste gefunden werden. Mein Traum, den Marathon unter den fantastischen Platanen der Frauenfelderstrasse in Oberwinterthur starten und beenden zu können, musste leider schnell begraben werden. Bei der ersten Austragung 1999 gab es viele Probleme, z.B. die Läufersicherheit in Stadel, die exakte Streckenlänge, die Passagen durch Privatgelände, den Transport der Laufenden nach (damals) Seuzach an den Start des Halbmarathons etc.

Die benötigten 300 bis 400 Helferinnen und Helfer konnten nur mit Müh und Not gefunden werden. Unsere Ansprüche waren hoch. Es musste wie ein ganz grosser, internationaler Marathon daherkommen: Mit Spitzenfahrzeug und Uhr, Besenfahrzeug, Sponsorenfahrzeug, Finisher-Medaillen, T-Shirt, repräsentativer Zieleinlauf, Musikbands am Streckenrand und Preisverleihung. Mit dazu gehörten natürlich auch Streckenabsicherungen, Transport von Abgrenzungsgittern an die Strecke, richtig platzierte Verpflegungsposten, Stromanschluss beim Halbmarathonstart, eine Festbeiz, Verpflegung für die vielen Helferinnen und Helfer. Eine enorme logistische Aufgabe war zu bewältigen.

Unglaubliche Herausforderung

Ganz wichtig: Sponsoren mussten gesucht und gepflegt werden. Das bedeutete, dass ein entsprechender Auftritt angeboten werden musste. Beispielsweise Bandenwerbung und Inserate. Daher wollten wir natürlich auch ein Programmheft produzieren und über Inserate finanzieren. Insgesamt bedeutete dies eine unglaubliche Herausforderung für uns ehrenamtlich Arbeitenden, an der wir fast gescheitert wären. Jährlich kamen Unwegsamkeiten hinzu. So mussten wir zum Beispiel in einem der frühen Jahre wegen dem Umbau des Leichtathletikstadions Deutweg auf die Schulanlage Gutschick ausweichen, oder mehrere Jahre hintereinander wegen Baustellen, die Strecke neu ausmessen. Also einmal mehr am Sonntagmorgen früh mit dem Rennrad zu zweit die Strecke, einmal in Laufrichtung und dann in Gegenrichtung auf der Ideallinie vermessen, es musste möglichst exakt 42,195 km ergeben.

Mit dem Wetter hatten wir, ich war bis 2005 Präsident des OKs, meist grosses Glück. Der heisseste Anlass war gleichzeitig mein letzter als OK-Chef, am 29. Mai 2005, bei über 25 Grad, der kälteste ein Jahr später, bei Regen und unter 10 Grad. Highlights waren für mich immer die vielen glücklichen Läuferinnen und Läufer, aber auch die Sonntagabende danach, die Zufriedenheit eine gelungene Veranstaltung ohne Unfälle und grössere Probleme, nach intensivsten Vorbereitungsmonaten, mitorganisiert zu haben.

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Vom Stadtmarathon zum Volkslauf

2007 hat das neue OK unter Renato Pedrett einen Paradigmenwechsel vollzogen: Weg vom Konzept des schnellen Stadtmarathons hin zum Volkslauf. Es wurde eine neue, landschaftlich reizvollere Strecke mit weniger Asphalt gewählt, die nur 21,098 km also Halbmarathondistanz aufweist. Mit Strecken über 42,195 km und die Halbmarathon-Distanz, mit Schnupperlauf und Marathon-Stafette, mit den beliebten Kinderläufen und den 10 km welche rennend oder walkend zurückgelegt werden können, erfreut sich der Event immer grösserer Beliebtheit. Einmal sind sogar die Startnummern ausgegangen.

Neben dem hauptsächlich schattigen Geläuf beidseits des Ufers der Töss entlang, bedarf diese wundervolle Strecke mit dem Rhythmuskiller über den Seemerbuck auch eines geringeren Helferinnen- und Helferaufwands. Angesichts der Gefahr des Scheiterns an den normalen Herausforderungen, den hohen Ansprüchen an eine professionelle Organisation und der immer grösser werdenden Teilnehmerzahl war das ein richtiger Entscheid. Für mich ist es wunderbar, in Winterthur zu laufen und zu spüren, dass unser Kind «Winterthur Marathon» erwachsen geworden ist. Das Marathon Wochenende ist ein fester Bestandteil des regionalen Laufkalenders geworden. In diesem Sinn danke ich den Mitgliedern des OKs, den Sponsoren und allen Helfenden, inkl. dem Zivilschutz. Auch danke ich den Samaritern, dem Team Metzgerei Gubler (ehemals Festbeiz), all den Vereinen, etc. für die Arbeit, die sie jedes Jahr leisten. Insbesondere an Renato Pedrett, der seit meinem Rücktritt 2005 den Winterthur Marathon bestens orchestrierte, gebührt für sein Engagement und sein langes Durchhalten ein Dankeschön. Nach dem 20. Winterthur Marathon ist auch für ihn Schluss.

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