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Strassennamen in Winterthur


Die Strassen erhalten Namen, welche durch den Stadtrat auf Antrag des Departements Bau bestimmt werden. Hinter vielen Strassenamen verstecken sich Geschichten, die mit den Jahren schnell wieder in Vergessenheit geraten. Die Strassennamen werden meistens als Standort-Information verwendet ohne der Aussage Beachtung zu schenken.

Gebäudeadressen werden auf der Website der Stadt Winterthur wie folgt definiert: Die Zusammensetzung von "Hausnummer" (Gebäudeeingangsnummer) und "Strassenname" ergibt die "Gebäudeadresse". Als Strassenname wird i.d.R. die Strasse verwendet, von der aus der Zugang erfolgt. "Hausnummern" und "Strassennamen" sind wichtige Orientierungshilfen. Sie werden beschildert. Im Notfall müssen die Gebäudeadressen den Einsatzkräften eine rasche Zielfindung ermöglichen. Sie werden auch für Softwareanwendungen benötigt (Telefonbuch, Navigationssysteme, Internet-Stadtpläne, Einsatzleitsysteme für Polizei, Feuerwehr und Ambulanzen, Adressdatenbanken, etc.) und auf Ortsplänen dargestellt.

Als Grundsatz für die Strassenbenennung wird weiter ausgeführt: „Die Strassen erhalten Namen, welche durch den Stadtrat auf Antrag des Departements Bau bestimmt werden. Als Strassen im Sinne dieser Verordnung gelten öffentliche und private Strassen, Wege, Plätze und Brücken für deren Bezeichnung ein öffentliches Interesse besteht. Zwingend zu benennen sind Strassen, die der Erschliessung von zu adressierenden Gebäuden dienen.“

Viele dieser Strassennamen ergeben sich aus deren Lage. Dass die „Zürcherstrasse“ oder die „Tösstalstrasse“ ihre Benennung nach der Zielrichtung hat, ist sofort klar. Auch viele Strassen sind nach Örtlichkeiten benannt, wie Am Iberghang, Am Schützenweiher, Deponiestrasse, Ebnetstrasse, Flugplatzstrasse, Gaswerkstrasse, Museumsstrasse, Neumühlestrasse, Oststrasse, Radhofstrasse, Schulgasse, Waldhofstrasse und Zeughausstrasse. Andere, örtlich zwar verständliche Namensgebungen, waren weniger einfallreich. So haben der Mooswiesenweg und die Moosackerstrasse eher für Verwirrung/Verwechslung gesorgt, zumal sie in verschiedenen Stadtkreisen liegen. Bei der Post gibt es kein Stirnrunzeln mehr, denn heute liest der Computer die Adressen.

Strassennamen nach Personen sind ebenso beliebt und viel verwendet. Zu Diskussionen Anlass geben hier eher, wer verdient diese Ehre. Strassen benennt nach nationalen Grössen wie Wilhelm Tell (Tellstrasse), Heinrich Pestalozzi (Pestalozzistrasse) oder Albert Anker (Ankerstrasse) sind im Sprachgebrauch heute so selbstverständlich, dass sie als Personenname kaum mehr wahrgenommen werden.

Der Zeithorizont der Lebenszeit von Personen, die mit einer Strassenbenennung geehrt werden, beginnt wohl mit der Albrechtstrasse (Tössfeld) nach König Albrecht I., Graf von Habsburg (1255-1308) und endet in etwa mit der Hedy-Hahnloser-Strasse (1873-1952) im Dättnau. Die Strassentafel von letzterer wurde im Juli 2008 enthüllt. Das sind Beispiele von rund 80 Strassen, Wegen und Plätzen der Stadt Winterthur die an Personen erinnern, die vor allem in dieser Stadt irgendwelche Spuren hinterlassen haben.

Während die Strassen nach dem Kunstmaler Anton Graff (1736-1813), dem Schriftsteller J.C. Heer (1859-1925), Bundesrat und erster Bundespräsident Jonas Furrer (1805-1861) bei Kultur und Politik-Interessierten eine Selbstverständlichkeit sind, dürften die Blatterstrasse (Heinrich Blatter 1837-1912, Bauunternehmer und Stadtrat), die Karl-Matthaei-Strasse ( Karl Matthaei 1897-1960 Direktor Konservatorium und Organist Stadtkirche) und der Alfred-Büchi-Weg (Alfred Büchi, 1879-1959, Erfinder des Turboladers) auf weniger Kopfnicken stossen.

Aber immerhin waren diese oben willkürlich Ausgewählten in Winterthur tätig. Weniger trifft dies auf Bischof Gebhart II von Konstanz (979-995) (Gebhart-Strasse in Oberwinterthur), Salamon Hirzel, ab 1672 Besitzer Schloss Wülflingen (Salomon-Hirzel-Strasse in Wülflingen) und Johann Friedrich Bader 1827-1882, Pionier und Politiker (Baderstrasse im Geiselweid-Quartier) zu. In jüngerer Zeit werden auf den Strassennamen, die Persönlichkeiten kurz vorgestellt.

Es gab und gibt aber auch Strassenbezeichnungen, die vor allem bei Anwohner auf weniger Sympathie stiessen. Das waren vor längerer Zeit die Bewohner der Steinberggasse, die nicht mehr an der Hintergasse wohnen wollten. Weil sie nicht mehr die Hintergässler sein wollten, wurde diese Gasse 1904 in Steinberggasse umbenannt. Auch die Schlachthofstrasse war für Neuzuzüger, die den Betrieb des Schlachthofes im Nägelsee nicht mehr erlebt hatten, keine Wunschadresse. Auch der Kantonsspital hätte lieber die Adresse „Paracelsus-Strasse“ als die heutige Anschrift „Brauerstrasse 15“. Die Bemühungen des damaligen Spitaldirektors blieben erfolglos.

Eine Spezialität sind auch Quartiernamen, die ihre Bezeichnung im Volksmund auf Grund der Strassennamen bekommen haben. Wie etwa das Blüemli-Quartier, das Eigenheim-Quartier und das Birchermüesli-Quartier, das als Besonderheit in einer Quiz-Sendung des Schweizer Fernsehens ihren Eingang gefunden hat.

Das Blüemliquartier in Veltheim hat seinen Namen nicht von ungefähr. Die in den 1930er-Jahren erstellte Reihenhaussiedlung liegt nämlich am Begonien-, Narzissen-, Goldregen-, Ginster-, Lilien- und Erikaweg. Die ursprüngliche Eisenbahnersiedlung der Architekten Rittmeyer & Furrer ist heute mit Ausnahme des Mehrfamilienhauses am Resedaweg in 58 Privatzellen aufgeteilt. Das Quartier umfasst sieben Zeilen von jeweils sechs bis zehn Reiheneinfamilienhäusern und eine separate Zeile am Resedaweg.

Eigenheim-Quartier: In den Jahren 1925 bis 1929 entstand ein sogenanntes Selbsthilfequartier am Eigenheimweg. Handwerker erstellten hier eine eigene Wohnüberbauung. Darum heissen noch heute die Erschliessungswege: Maurerweg, Schreinerweg, Glaserweg, Malerweg, Hafnerweg, Zimmererweg, Spenglerweg und Gipserweg.

Das Stadtrain-Quartier mit den ersten Flachdachbauten in Oberwinterthur ist das Birchermüesli-Quartier. Der Name bezieht sich auf die Strassennamen: Quitten-, Kirschen-, Pfirsich-, Aprikosen-, Birnen- und Apfelweg.

Der Glossar-Artikel beruht zum Teil auf Recherchen, die der Winterthurer Historiker Miguel Garcia 2017 im Landboten und im Jahrbuch 2017 publizierte. Von vielen Persönlichkeiten, nach denen eine Strasse benannt wurde, ist ein eigener Glossar-Eintrag vorhanden. Ein Verzeichnis mit allen Strassen, die einer Persönlichkeit gewidmet sind, ist unter „Dokumente“ abrufbar.

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