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Wieland Christian, *1952, Leiter Stadtgärtnerei

Christian Wieland
Sun Nov 23 00:00:00 UTC 1952

Seit 1995 ist Christian Wieland als Chef Stadtgärtnerei der oberste Gärtner in der Gartenstadt Winterthur. 2017 geht er in Pension. Diese Arbeit machte der ehemalige Bündner mit Stolz und Hingabe, wie er selber sagt. Es beschäftigt ihn aber, dass er wegen den Sparbemühungen einiges von Grün und Blumen zurückbuchstabieren musste.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

Christian Wieland ist 1952 im Bündnerischen Tamins in den Kreis von vier Geschwistern auf die Welt gekommen. Sein Vater, der eine grosse Gärtnerei betrieb, erwartete gerne, dass seine Kinder im elterlichen Betrieb eine Zukunft sahen. Christian Wieland zweifelte, ob das gut ginge und schlug vorerst einen anderen Weg ein. Er ging zusammen mit einem guten Schulkollegen an die Kantonsschule. Das funktionierte aber nicht. Er verliess die Mittelschule, um doch noch eine Gartenbaulehre zu beginnen. Die Natur und die Pflanzen lagen ihm doch im Blut. Bereits in seiner Jugendzeit hatte er viel und oft im väterlichen Betrieb mitgeholfen. In einer Gärtnerei im sanktgallischen Rheintal, nicht beim Vater, machte er diese handwerkliche Ausbildung. Dabei stellte er seine Liebe zur Fotografie zurück. Fotograf zu werden hätte er sich ebenso vorstellen können. Fotografieren war und blieb sein Hobby.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

Nach der Ausbildung arbeitete Wieland zehn Jahre bei einem renommierten Landschaftsarchitekten in Zürich. Noch heute denkt er gerne an jene genialen Projekte zurück, an denen er mitarbeitete. Das waren die Gestaltung des rechten Ufers des Zürichsees und die Gartenprojekte für die Grün 80 in Basel. Auch die noch heute attraktive Gestaltung des Aussengeländes beim Schulhaus Gutschick stammte aus diesem Planungskollektiv. 1982 eröffnete Wieland in Chur ein Büro für Landschaftsarchitektur. Eine Auslastung stellte sich nicht ein, sodass er wieder im Gärtnerbetrieb der Eltern aushalf, indem sein Bruder inzwischen Fuss gefasst hatte. Dabei wurde auch Politik ein Thema. Für die FDP liess er sich in den Gemeinderat seines Heimatdorfes Tamins wählen. Auch in der Armee machte Wieland Karriere, Oberstleutnant war seine letzte Position. Trotz den vielseitigen und zeitraubenden Tätigkeiten gründete Christian auch eine Familie. Er ist Vater von vier Kindern.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

1995 fand eine Wende in Christian Berufsleben statt. Er kam als stellvertretender Leiter zur Stadtgärtnerei nach Winterthur. Nach rascher und guter Einarbeitungszeit konnte Wieland 1998 den Chefposten dieser Verwaltungsabteilung übernehmen. In dieser Aufgabe blühte er auf und manches Projekt trug anschliessend seine Handschrift. Eine erste grosse Herausforderung stellte sich sofort ein. Es ging darum, soll Winterthur ein neues Krematorium bauen oder, wie es eine Opposition forderte, sollen die Kremationen nach Zürich ausgelagert werden. Stadtrat Leo Iten und Christian Wieland setzten sich mit einem geschickten Projekt durch. Baulich und betrieblich entstand ein Musterbetrieb, der weitherum auch in Fachkreisen Beachtung findet und 2003 in Betrieb genommen wurde.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

Mit der Planung und Umsetzung des Eulachpark in Oberwinterthur ist Wieland ein weiteres grosses Werk gelungen. In vier Etappen (die Vierte wartet auf die Realisation) wurde eine einzigartige Grünanlage mit langen spannenden Wegen der naturalisierten Eulach entlang, unzähligen Sitzbänken, Spielanlagen und einer riesigen Allmend für alles, was Spass macht, realisiert. Die Betriebsamkeit die auf dieser Grünfläche fast immer herrscht, ist Zeugnis wie wertvoll dieser Park für weite Kreise der Bevölkerung ist.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

Die Weiterentwicklung des Friedhofs und des Parks am Rosenberg mit den Muslimgräbern, mit dem neuen Gemeinschaftsgrab Birkenhain und der grossen neuen Abteilung mit den Baumgräbern ist ein weiterer Arbeitsbereich, dem sich Christian Wieland stark engagierte. Der Juchpark und der mit Preisen ausgezeichneten Brühlgut-Park sind weitere Zeichen der unermüdlichen Gestaltungskraft von Wieland. Seine schweizweite Vernetzung mit seiner 14-jährigen Tätigkeit im Vorstand der Vereinigung Schweizerischer Stadtgärtnereien und Gartenbauämter war eine starke Unterstützung für sein erfolgreiches Wirken in der Eulachstadt. So ist es dem Stadtgärtner Wieland und seinem Team gelungen, trotz Verdichtungen im Bauwesen und den kargeren Mitteln die zur Verfügung stehen, dass Winterthur noch immer als Gartenstadt wahrgenommen wird.

Foto: Privatarchiv Christian Wieland

Eine Passion für Christian Wieland war das Platzieren und Aufstellen von Kunstwerken in der Natur. Immer wieder gab es eine Aufgabe um eine Skulptur zu retten und zu sichern. So kann „Sirius“, eine Bronzeplastik von Robert Lienhard (1919-1989), entstanden 1967, vom ehemaligen Standort beim Kunstmuseum zum Gemeinschaftsgrab im Friedhof Rosenberg zu stehen. Auch die Steinskulptur aus normannischem Granit von Ulrich Rückriem (*1938) konnte dank den Bemühungen von Wieland von der Klinik Lindberg auf die Bäumliterrasse gezügelt werden. Um das Umfeld der grossen Max-Bill-Skulptur aus Granit vor dem Werkhof der städtischen Werke kann er sich wegen seinem Ausscheiden aus dem Amte nun leider nicht mehr kümmern. Ein Auge wird er aber sicher immer darauf werfen.

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