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Keller Karl, 1920-2000, Stadtbaumeister 1964-1985

Karl Keller
Wed May 19 00:00:00 UTC 1920
Sat Mar 18 00:00:00 UTC 2000

Karl Keller nahm 1964 die Herausforderung an, als Stadtbaumeister in Winterthur die starken baulichen Veränderungen in die richtigen Kanäle zu leiten. Vor allem in der Innenstadt hatte er gegen die damals herrschende Zerstörungswut zu kämpfen. Keller setzte sich durch.

Karl Keller ist am 19. Mai 1920 in Zürich auf die Welt gekommen. Bald darauf zog die Familie nach Bern. Dort verbrachte er die Jugend zusammen mit einem Bruder und einer Schwester. Für das Architekturstudium an der ETH von 1939 bis 1945 kam er nach Zürich zurück. Studium und Aktivdienstzeit wechselten sich ab. Nach dem Studienabschluss fand Keller eine interessante Arbeitsstelle im Atelier von Conrad D. Furrer Zürich, wo er sich verschiedensten Wettbewerbsarbeiten widmen konnte. Es folgten weitere Anstellungen bei Paul Hirzel in Wetzikon und bei Prof. Rino Tami in Lugano. Seine Kontakte zum Architekten Hans Hofmann, dem Chefarchitekten der Landesausstellung in Zürich 1939, prägten Karl Keller und Hofmann wurde so etwas wie ein Vorbild.

Das Tessin brachte Karl Keller nicht nur berufliche Erfahrungen, sondern stellte wichtige Weichen. Er lernte die Tochter des späteren SP-Bundesrates Max Weber, Ursula Weber, kennen. 1950 heirateten sie. Fünf Kinder zählte die Grossfamilie. Die Familiengründung war verbunden mit einem Umzug. Keller wurde 1950 Stadtbaumeister von Thun. Bis 1964 war das Tor zum Berner Oberland Kellers Wirkungskreis. Der Erhalt und die Renovation des Schlosses Schadau wurde hier Karl Kellers Glanztat. Er überzeugte die Gegnerschaft und das Schloss Schadau wurde ein wichtiges nationales Baudenkmal, welches unter Kellers Leitung zwischen 1954 und 1996 für mehr als 20 Millionen CHF renoviert wurde.

Bild: winbib

1964 folgte Keller dem Ruf von Stadtpräsident Urs Widmer nach Winterthur. Auch hier trat er die Stelle eines Stadtbaumeisters an. Über 20 Jahre wirkte Keller in der Eulachstadt. Sie verdankt ihm den Erhalt der wunderschönen Altstadt mit ihren prächtigen Häusern und Fassaden. Die Stadt war im Umbruch, Neubauten waren im Trend. Keller stemmte sich dagegen, vor allem in der Innenstadt. Er bekämpfte die herrschende Zerstörungswut, was ihm nicht nur Freunde brachte. Sein „Erstlingswerk“ war die Ablehnung eines Betonneubaus anstelle des „Alten Stadthauses“ an der Marktgasse 53. Die Renovation 1967 hat die Sandsteinpartien der Fassade wieder freigelegt, die prächtige Holztreppe erneuert, im ersten Obergeschoss Büroräume und im zweiten OG. einen schönen grösseren Saal geschaffen. Letzterer zeigt sich sehr würdevoll mit Eichentäfer, Kachelofen und Stuckdecke. Er eignet sich für Feiern, Vorträge, Lesungen, Apéros, Konzerte usw. Weitere Bauten, deren Renovationen die klare Handschrift Kellers tragen sind das Rathaus 1970, der EW-Bau an der Technikumstrasse/Steinberggasse 1974, der Königshof 1976, die Villa Frohberg 1976, das Waaghaus 1979, das Lörlibad 1979, die Kapelle auf dem Rossberg 1979, die Hofstadlerscheune 1981, die Kirche Oberwinterthur 1981, das Rössli Seen 1981, die Obermühle 1983 und noch viele mehr.

Sein erfolgreiches Tun in Sachen Denkmalpflege blieb nicht unentdeckt. So wurde er zur Mitarbeit auf höherer Ebene eingeladen. Von 1966-1976 und von 1985-1990 war er als Experte für die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege, mit Schwerpunkt im Ostschweizer Raum tätig. 1989 war er im wissenschaftlichen Beirat im Museum Ballenberg, Mitglied des Bundes Schweizer Architekten BSA und der Zürcher Kommission für Denkmalpflege.

Dass Keller aber nicht nur das Augenmerk auf Renovationen traditioneller Häuser legen konnte, bewies er mit der Begleitung und Überwachung des Jahrhundert-Bauwerks Stadttheater Winterthur. 1985 trat Karl Keller von seinem erfolgreichen Wirken in Winterthur altersbedingt zurück. Er verstarb am 18. März 2000 in Winterthur.

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