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Cavegn Lucia Angela *1969, Kunstexpertin

Lucia Angela Cavegn
Thu Sep 18 00:00:00 UTC 1969

Wenn in Winterthur eine unkonventionelle Kunstpräsentation stattfindet, dann hat in der Regel Lucia Angela Cavegn ihre Hände im Spiel. Der engagierten und umtriebigen Kunst- und Kulturvermittlerin gelingt es immer wieder, mit aussergewöhnlichen Ausstellungsprojekten und leserfreundlichen Texten die Bildende Kunst auf unkomplizierte und überraschende Art und Weise den Leuten näher zu bringen. Aber auch in den Winterthurer Museen ist sie zu Hause, wo sie Führungen anbietet.

Foto: Walter Hartmann, Winterthur

Lucia Angela Cavegn verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Emmenbrücke (LU). Nach der Primarschule absolvierte sie das Literaturgymnasium in Reussbühl (LU). Obschon künstlerisch begabt, entschied sie sich zu einem Universitätsstudium mit Hauptfach Kunstgeschichte des Mittelalters und der Neuzeit und den Nebenfächern Geschichte des Mittelalters und Rätoromanische Sprach- und Literaturwissenschaft (lic. phil. I). Nebenbei pflegte sie die Fotografie als künstlerisches Ausdrucksmittel und stellte einige Male ihre fotografischen Arbeiten aus (Migros Klubschule Zürich, GZ Riesbach, Unjurierte Winterthur, Reformiertes Kirchgemeindehaus Oberwinterthur, Zentrum Obertor und Café Augenblick).

Bereits während ihres Studium war sie als Dokumentalistin bei der Denkmalpflege des Kantons Zürich angestellt. Es folgten sechs Jahre im Kunsthandel, u.a. in der renommierten Galerie Nathan in Zürich. Nach zwölf Jahren Wohnsitz in Zürich übersiedelte sie 2003 nach Winterthur. Ausschlaggebend für diesen Entscheid waren ihre Schreibtätigkeit für den Landboten, ihr Engagement als Museumsführerin in der Villa Flora und ihre Beziehung zu einem Winterthurer Künstler.

Seit 2006 ist sie freischaffende Kunstkritikerin, Kunstvermittlerin, Kuratorin, Moderatorin und Autorin. Sie schrieb und schreibt u.a. für NZZ, das Kunstbulletin, den Landboten, das Bündner Tagblatt, die Thurgauer Zeitung und das Winterthurer Jahrbuch und organisiert regelmässig Ausstellungsprojekte und Anlässe zum Thema Kunst und ihr Verhältnis zu Gesellschaft und Umwelt. Als Kunstberaterin vermittelt sie kompetent Kunstwerke und Kontakte zu Kunstschaffenden. Seit Juli 2014 ist sie Mitglied der Kunstkommission der Stadt Winterthur, wo ihr Fachwissen geschätzt wird.

Foto: Ursula Gerber, Winterthur

Seit 2008 tritt sie, gemeinsam mit der Winterthurer Künstlerin Christiane Ghilardi, unter dem Namen „Kunstweise“ auf. Sie bietet Dienstleistungen aller Art für Kunstliebhaber, Kunstneulinge, Kunstkenner, Kunstschaffende, Kunstvermittelnde, Kunstsammler und Kunstwissenschaftler an.

Auch mit ehrenamtlichen Aktivitäten fördert Cavegn die Kunst persönlich: 2003 bis 2004 als Kuratorin bei den oxyd Kunsträumen, von 2006 bis 2011 als Initiantin, Mitbegründerin und Präsidentin der Kunstvermittlungs- und Diskussionsplattform Café des Arts Winterthur, 2011 bis 2013 als Initiantin und Mitträgerin der IG Busdepot Deutweg und von 2012 bis 2015 als Mitglied der Spurgruppe Kulturlobby Winterthur. Die Kunst ist Cavegns Lebensinhalt, doch besitzt sie auch eine soziale Ader: Seit 2015 engagiert sie sich im Kiwanis-Club Stadt Winterthur und seit 2016 ist sie Botschafterin von Gustello GmbH (Ausbildungsbetrieb für junge Menschen mit erschwertem Zugang zur Arbeitswelt).

Foto: Carla De-Vizzi

Cavegn bewegt sich auf vielen Ebenen der Bildenden Kunst. Sie führt öffentliche und private Gruppen durch die Winterthurer Kunsthäuser, moderiert Atelierbesuche, vermittelt bei Rundgängen durch die Mörsburg und das Schloss Wülflingen Winterthurer Kulturerbe und befasst sich eingehend mit der regionalen Kunstgeschichte.

Immer wieder geht Cavegn besondere und neuartige Projekte an. Nach einer Open-Air-Skulpturen-Ausstellung entlang des Fussweges von der Breite zum Bruderhaus (in Zusammenarbeit mit dem Winterthurer Künstler Erwin Schatzmann) folgte eine ebensolche beim Schloss Wülflingen (in Zusammenarbeit mit dem Weisslinger Galeristen Thomas Eberhart). Mit ihren Ausstellungsprojekten zeigt Cavegn, dass sie nicht nur gut reden und schreiben kann, sondern auch eine gewiefte Organisatorin und Networkerin ist.

Foto: Fatima Vidal, Winterthur

Ein herausragendes Grossprojekt war die Ausstellung „Wohlbehütet & Wertgeschätzt. Winterthurer Kunst aus Winterthurer Privatbesitz“, das sie von März bis Oktober 2017 in Zusammenarbeit mit dem Trägerverein Flora im Museum Villa Flora Winterthur durchführte. Sie spürte dazu Werke von Winterthurer Künstlern auf, die sich heute noch im Besitz von Privaten befinden. Die zweiteilige, insgesamt sechs Monate dauernde und knapp 50 künstlerische Werkgruppen umfassende Ausstellung (mit insgesamt rund 200 Exponaten), fand eine beachtliche Resonanz und leistete einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der jüngeren Winterthurer Kunstgeschichte. In einem reich bebilderten Katalog wurden die 42 Künstlerinnen und Künstler im Detail vorgestellt. Einige Kunstschaffende kamen nach Drucklegung des Katalogs noch hinzu.

Die 1969 in Luzern geborene Kunst-Expertin ist, wie sie selber sagt, nicht besonders häuslich. Kunststück, sie ist ja auch immer auf Achse. In vielerlei Begegnungen sucht sie Anregungen für neue Projekte im Bestreben neuartige Kunsterlebnisse zu kreieren. Gerne ist zu hoffen, dass Lucia Angela Cavegn ihre Agilität und ihren Ideenreichtum bewahrt.

Kulturschaffende
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