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Magaro Valentin, *1972, Künstler

Valentin Magaro
Tue Mar 07 00:00:00 UTC 1972

Im Alltag gehen wir von einer Welt aus — diese eine Welt, in der wir uns tagtäglich bewegen, scheint aber nur eine von vielen möglichen zu sein, wenn man sich mit den Bildwelten von Valentin Magaro auseinandersetzt. Der 1972 in Münsterlingen geborene und seit 1996 in Winterthur lebende Künstler besitzt eine unbändige Fantasie, bezeichnet sich selbst aber als Realist. Als Künstler lotet er mit messerscharfer Präzision das Spannungsfeld zwischen Wirklichkeit und Vorstellung aus. (Text: „lac“)

Valentin Magaro stammt aus Münsterlingen, wo er am 7. März 1972 zur Welt kam. Nach der Schulzeit besuchte er von 1989 bis 1990 den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in Romanshorn, dann den Vorkurs an der Schule für Gestaltung in St. Gallen, wo er sich anschliessend von 1992 bis 1996 zum wissenschaftlicher Zeichner ausbilden liess. Seit 1996 ist Magaro als freischaffender Künstler tätig. Um ein Zubrot zu verdienen, arbeitete er zunächst noch in einem Teilzeitpensum als archäologischer Zeichner. Heute kann Magaro als erfolgreicher, über die Landesgrenzen bekannter Künstler von seinem Schaffen leben.

Seit 1996 ist Magaro als freischaffender Künstler tätig. Im Verlauf der Jahre hat er sich eine unverwechselbare Bildsprache erarbeitet, in der Sujets aus der modernen Lebenswelt auf Motive aus der Kunst- und Kulturgeschichte treffen und zu einem labyrinthischen Kosmos verwoben sind. Magaros Bildwelt ist ein Hybrid, ähnlich einer rätselhaften Sphinx; sie lässt jegliche Sinndeutung ins Leere laufen, so dass der Betrachter letztlich auf sich selbst zurückgeworfen ist. Magaro betätigt sich in den Bereichen Malerei, Zeichnung, Collage und Objektkunst.

Über ornamentale Strukturen verflicht der Künstler seine realistisch dargestellten Bildgestalten in dichte, unentwirrbare Raumgebilde ein, so dass der Eindruck entsteht, als ob sie sich darin verfangen hätten. Das Prinzip der Verschränkung von sich wiederholenden Strukturen, Figuration und fiktivem Raum ist eines der bezeichnenden Merkmale von Magaros künstlerischen Schaffen.

Seine farbkräftige Malerei folgt der Begrenzungslinie der Entwurfszeichnung, deren Präzision dem Schnitt eines Seziermessers gleicht. Die Expressivität wird durch gestochen scharfe Umrisslinien in Grenzen gehalten. Genau dieses Spannungsverhältnis zwischen hochemotionalen Inhalten und nüchterner Darstellungsweise macht die Faszination von Magaros Schaffen aus. Dazu gehören auch Tuschzeichnungen, Collagen, Papierschnitte und Objekte aus gefaltetem Papier. So entstanden beispielsweise 2012 – nach einem Aufenthalt im Steindruckatelier von Thomi Wolfensberger in Zürich – absurde Modell-Architekturen aus bedrucktem Papier. Seit 2014 ist Magaro Kuratoriumsmitglied der Willi-Sitte-Stiftung in Merseburg (D). Die Entwicklung seines Werks dokumentiert er seit Anbeginn mit der jährlichen Herausgabe eines signierten und in der Auflage limitierten Künstlerbuches. (lac)

Magaro erweitert sein Formenrepertoire fortlaufend durch Variation und Kombination bestehender und Schaffung neuer Bildmotive, die er aus der Kunstgeschichte, Werbung und eigenen Erfahrung herleitet. In den neunziger Jahren reflektierte er in seinen Acrylbildern die Trance und Körperkult huldigende Technobewegung; entsprechend erotisch aufgeladen waren diese Bildschöpfungen. Die Erotik mit all ihren Schattenseiten zieht sich wie ein roter Faden durch Magaros Œuvre, obschon in jüngster Zeit das eigene Familienleben für ihn zu einer wichtigen Inspirationsquelle wurde.

ausgestellt im Superblock Pion7, 6. OG

Im vorliegenden Bild fügen sich verschiedene Figuren und Gegenstände additiv zu einem disparaten Bild zusammen. Die Motive einer sitzenden Frau (die Lebenspartnerin des Künstlers sass Modell), die (überdimensionale) Topfpflanze, die Stehlampe im Hintergrund und der Fliesenboden erinnern an die klassische Gattung der Genremalerei. Dadurch aber, dass die natürlichen Grössenverhältnisse und die perspektivische Richtigkeit ausser Acht gelassen sind, wirkt das Bild, zumal in dunklen Farbtönen gehalten, in die Ebene des Traums gehoben. (lac)

Valentin Magaro schreibt über seine Arbeit: «Seit den Anfängen meiner künstlerischen Auseinandersetzungen interessiert mich die Erfindung des inhaltlichen und formalen Bildraumes. Die Bildfläche ist ein Träger von Ideen und Vorstellungen – eine Bühnenwelt in der Bildfragmente auftauchen und wieder verschwinden. Im Zentrum meiner virtuellen Bilderreisen steht dabei immer die gleiche Fragestellung: Was war eigentlich zuerst: Die Welt oder ihr Abbild? Weil diese Frage immer beide möglichen Antworten bereithält, bleibt für mich das Schöpfen von Bildräumen mit seinen vielen Kombinationsmöglichkeiten immer vital und anregend.»

Der Glossar-Eintrag ist gestaltet nach einem Text von Lucia Cavegn (lac), der auf der städtischen Website zur „Städtischen Kunstsammlung im Superblock“ zu lesen ist. Im Jahrbuch 2018 ist ein grösserer Text mit zahlreichen Illustrationen, ebenfalls von Cavegn, über Valentin Magaro publiziert.

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