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Hegifeld


Das einst eigenständige Dorf Hegi liegt am östlichen Stadtrand von Winterthur und gehört zum Stadtkreis Oberwinterthur. Die Quartiere sind das Hegifeld, Hegi Dorf, Chli-Hegi, Im Gern und Neuhegi. Die wichtigste Erschliessungsstrasse war ursprünglich die Hegifeldstrasse mit dem Wohnquartier Hegifeld.

Foto: Sammlung Ernst Hager, www.winterthur-vorhersehbar.ch

Bis weit in die Gegenwart hinein verstand sich Hegi als mehr oder weniger eigenständiger Ort, durch Wiesen und Industrie deutlich von der Stadt getrennt und mit einer ausgesprochen dörflichen Identität. Nur wenige wissen allerdings, dass diese Sonderstellung auch historische Hintergründe hat. Bis zur Eingemeindung vom 1. Januar 1922 bildet Hegi eine unabhängige Zivilgemeinde, die zwar der politischen Gemeinde Oberwinterthur untergeordnet ist, trotzdem aber einen erstaunlich grossen Spielraum geniesst. Mit dem Beginn von «Gross-Winterthur» ändert sich die Situation. Die politischen Debatten und Entscheide finden jetzt in der Ferne statt. Die alteingesessenen Hegemer besitzen nur noch ein beschränktes Mitspracherecht, die Lage am Stadtrand droht sich zu einer Randlage zu entwickeln. Aus diesem Grund wurde am 26. Mai 1926 der Ortsverein Hegi-Hegifeld mit der Absicht gegründet, mit einer gemeinsamen Stimme im fernen Winterthur etwas Gehör zu verschaffen.

Diese Befürchtungen haben sich komplett ins Gegenteil entwickelt. 100 Jahre später ist Hegi zwar immer noch dem Stadtteil Oberwinterthur zugehörend, aber der Bauboom hat es verändert. Nach der Jahrhundertwende wurde das riesige Areal der Gebrüder Sulzer durch deren Aufgabe der Produktionsräumlichkeiten für neue Überbauungen frei. Es entstanden zusätzlich zu den vorher bereits gebauten Wohnhäuser im östlich Grenzgebiet (im Gern) weitere grosse Wohnbauten. Hegi zählte Ende 2017 3275 Einwohner. Von einem Dorf kann nicht mehr gesprochen werden.

Foto: Archiv Ortsverein Hegi

Auf dem Weg von Oberwinterthur nach Hegi führt die Hegifeldstrasse. Seit dem Rückzug der Sulzer AG hat sich das Quartier Hegifeld vom Arbeiterquartier stark verändert. Zug um Zug entstanden auch hier neue Wohnbauten. Das Gebiet am Rande des grossen Eulachparks hat sich zu einem beliebten und modernen Wohnareal gewandelt. Der Bahnübergang ist bereits 1961 einer geräumigen Unterführung gewichen. Auch die Hegifeldstrasse musste verbreitet werden und südwärts wurde ein Trottoir erstellt. Die Lastwagen des Baggerunternehmens Toggenburger fuhren täglich und zahlreich durch die Hegifeldstrasse zu ihrem Firmensitz am Ende der Hegifeldstrasse. Später wurde der Werkhof der Firma Toggenburger neu durch eine Überführung direkt zur Frauenfelderstrasse erschlossen. Das Quartier Hegifeld wurde von den Immissionen des Lastwagenverkehrs weitgehend befreit.

Foto: Archiv Ortsverein Hegi

Die Attraktion für die Jugend aus den Arbeiterwohnungen der Sulzer an der Grubenstrasse war der direkt angrenzende „Toggi-Weiher“, so wurde das Gundwasser-Gewässer der Firma Toggenburger genannt. Mit einer attraktiven Schürfschaufel (Toggibähnli) wurde daraus Kies gewonnen. Aus Sicht der Eltern aus den Arbeiterwohnungen an der Grubenstrasse (ein Abzweiger aus der Hegifeldstrasse) war der Weiher für ihren Nachwuchs eine Gefahrenzone. Umso interessanter war der Weiher für die Kinder. Diese Wohnblocks aus den frühen 1950er-Jahren wurden 2018 durch neue und moderne Wohneinheiten ersetzt. Die Wohnungen mit grossem Gartenanteil, einst durch die Sulzer Pensionskasse erstellt, sind nun also Geschichte. Unter dem Motto „verdichtetes Bauen“ sind eine Mehrzahl von Wohnungen entstanden.

Foto: Archiv Ortsverein Hegi

Das Quartier war geprägt durch die Firma Sulzer. Die Erschliessung des grossen Fabrikareals führte durch die Hegifeldstrasse. Entlang der Bahnlinie hatten sich auch einzelne Gewerbebetriebe angesiedelt. Die Bewohner arbeiteten weitgehend bei der Firma Sulzer, die auch ein Grossteil der Wohnhäuser besassen. Sulzer hat sich bis anfangs des 21. Jahrhunderts ganz aus der Gegend verabschiedet. Es entstanden neue Wohnbauten und der grosse und attraktive Eulachpark.

Am Anfang und Ende der Hegifeldstrasse stehen noch Spuren der von Sulzer geprägten Gegend. Im Eck zur tiefergelegten Seenerstrasse, Hegifeldstrasse 2, steht ein ehemaliger Bauernhof. Er war einst der Stall der Reitpferde der Herren Sulzer. Das Bauernhaus „Mittlere Mühle“ aus dem 18. Jahrhundert gehört zur Baugruppe, die sich im Laufe der Zeit um die Mittlere Mühle gebildet hatte. Früher verlief die Strasse von Oberwinterthur nach Seen durch die Häusergruppe hindurch. Alle noch sichtbaren Details der Zimmerarbeit deuten auf eine Entstehung im 18. Jahrhundert.

Am anderen Ende der Hegifeldstrasse, an der Hausnummer 76, stehen die Gastarbeiter-Unterkünfte, die Sulzer 1963 errichtete. 2018 wurden die Liegenschaften durch die Stadt renoviert. Sie dienen neu als Asylantenheim.

Am 11. September 1965 erhielt das Quartier ein neues Schulhaus. Das alte Schulhäuschen im ehemaligem Dorfzentrum war längst zu klein. Zahlreiche Schüler mussten in die etwas weit entfernten Oberwinterthurer Schulhäuser zur Schule. 2018 wurde erneut ein neues Schulhaus im Gebiet Neuhegi in Betrieb genommen um wiederum weite Schulwege zu vermeiden.

Eine grosse und einschneidende Veränderung zeigt sich mit der Festsetzung eines Gestaltungsplans über das Kälinareal an. Seit 1904 war der Gewerbebetrieb Kälin & Co AG, Hobelwerk und Holzbearbeitungsbedarf, das 1898 in Islikon gegründet wurde, im Hegifeld ansässig. Der Betrieb soll verlegt werden und das Areal mit einer Grundstückfläche von rund 17‘000 m2 Grösse neu entwickelt und überbaut werden. Ziel ist es, ein lebendiges und vielfältiges Kleinquartier für Wohnen und Arbeiten zu schaffen. Der Klinkerbau des Hobelwerks aus dem Jahre 1904 sowie die Z-Halle aus den 1990er-Jahren sollen erhalten bleiben. Die Realisierung soll bis in die 2020er-Jahre umgesetzt werden.

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