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Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer, 1798-1882, Arzt und Musiker

Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer
Tue Feb 27 00:00:00 UTC 1798
Mon Feb 27 00:00:00 UTC 1882

Dr. Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer (1798-1882) war Arzt und eidgenössischer Divisionsarzt. Seine Praxis „zum Egli“ war an der Marktgasse 44. Sein Fokus lag aber bei der Musik. Er war ein begabter Cellist und Tenor, erfolgreicher Kapellmeister (Dirigent und Direktor) des Musikkollegiums Winterthur (1835-1849).

Foto: winbib

Wie sein Grossvater war auch Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer (1798-1882) Arzt, aber sein Lebensinhalt war die Musik. .Wenn der Vater Jakob Ziegler-Pellis (1775-1863), der lange Jahre als Präsident des Musikkollegiums waltete, ein talentierter Musikliebhaber war, so konnte man seinem Sohn Jakob Heinrich Ziegler-Sulzer schon fast einen professionellen Musiker nennen. Das Musikkollegium führte er seit 1835 als Kapellmeister, wie damals nicht der Dirigent, sondern der musikalische Direktor genannt wurde, und war so für die Gestaltung des Programms zuständig. Unter seiner Leitung nahm die Konzerttätigkeit und das Musikleben in Winterthur einen ungeahnten Aufschwung. Es kamen schwierige, ja zum Teil gewagte Stücke zur Aufführung, wie beispielsweise im Winter 1841/42 vier Teile aus dem Requiem von Hektor Berlioz, das die Zuhörer durch die ungewohnten Tonkombinationen befremdete. Bedeutende Solisten gastierten in der Kleinstadt von 5'000 Einwohnern.

Ziegler war Tenor und Cellist, der sich hören lassen konnte. Er war mit Leib und Seele dabei, eignete sich schwere Rollen mit Leichtigkeit an, half im Chor mit, spielte im Notfall auch Posaune, Violine und Kontrabass und trat solistisch fast jedes Mal in wichtigen Partien hervor.

Auf den Konzertprogrammen figuriert sein Name nicht weniger als 192mal. Allein 50mal trat er während der Jahre 1836 bis 1861 mit dem Cello als Solist oder als Kammermusikpartner auf, 137mal in Tenorpartien oder mit Sologesängen. Kein anderes Mitglied des Musikkollegiums hatte je eine so hohe Zahl an Auftritten erreicht. Auch von auswärts wurde Ziegler gerne als Sänger oder Instrumentalist hinzugezogen.

Foto: winbib

Die Schweizerische Musikgesellschaft vertraute ihm zweimal längere Oratorienpartien an. In Gegenwart des Komponisten trug er in Luzern zusammen mit seiner jüngeren Schwester ein Duett von Ludwig Spohr vor, der später in seiner Selbstbiographie bemerkte: «[...] doch liessen sich auch zwei ausgezeichnete Dilettanten, Doktor Ziegler und seine Schwester, aus Winterthur, in dem Duett aus Jessonda mit gleichem Beifall hören.» Besonders wichtig war für ihn auch, dass er an den Konzerten teilnehmen durfte, die Richard Wagner am 28. Januar und 25. Februar 1851 in Zürich gab. Er konnte sogar die Erlaubnis erwirken, auch Vater und Sohn mitbringen zu dürfen. Ziegler-Pellis wurde daraufhin von Wagner persönlich geladen. So ergab es sich, dass drei Generationen im Bass, im Cello und in der Geige unter der Stabführung des berühmten Komponisten mitspielten. Auch im Doktorhaus zum Egli, wo Ziegler-Sulzer praktizierte, herrschte ein reges Konzertleben, an dem sich die ganze Familie beteiligte. Dem Staat diente er, indem er als eidgenössischer Divisionsarzt einen hohen militärischen Rang einnahm. Als Ziegler 1849, aus welchen Gründen auch immer, von der Kapellmeisterstelle zurücktrat, entstand für das Musikkollegium eine kaum zu füllende Lücke. Es erfolgte ein langsamer Niedergang. Eine Erneuerung ergab sich erst wieder in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts.

Quelle: „Schwitzkur und Angstschweiss“ von Urs Leo Gantenbein, Neujahrsblatt Stadtbibliothek Winterthur, 1997, mit der interessanten Medizingeschichte der Stadt Winterthur.

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