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Locher Albert, 1849–1914, Pfarrer und Politiker, 1893–1914 Mitglied des Regierungsrates (DP)

Albert Locher
1849
1914

Albert Locher war ein vielseitiger Politiker. In Winterthur, seiner Heimatstadt, geriet er eher in Vergessenheit

Foto: Schweiz. Sozialarchiv

Albert Locher wuchs in Winterthur auf und wohnte in der Eulachstadt bis 1898. Er war Sohn eines Pfarrers und studierte ebenfalls Theologie in Zürich. Er wirkte als Pfarrer in Altikon und Wülflingen. 1877 war er Mitgründer und anschliessend Redaktor des «Volksblattes aus dem Bezirk Andelfingen». Von 1879–1893 war er Mitglied des Kantonsrates und 1892 dessen Präsident. Seine weiteren Stationen waren 1880–1893 Redaktor des «Landboten» und 1888–1893 Mitglied des Nationalrates. Einen grossen Fussabdruck hinterliess er 1893–1914 als Mitglied des Regierungsrates als Vertreter der Demokratischen Partei. Als Exekutivpolitiker wirkte er in verschiedenen Departementen: 1893–1899 Direktor des Innern, 1899–1905 und 1911–1914 Direktor des Erziehungswesens und 1905–1911 Direktor der Volkswirtschaft. Er war auch der Initiant des Organisationsgesetzes des Regierungsrates von 1899. 1914 verstarb er im Amt.

Auch auf Bundesebene war er im Einsatz. Er war von 1905 bis 1914 Mitglied des Ständerates und zeitgleich Bundeshauskorrespondent des «Landboten». Der initiative Locher, der ursprünglich einen scharfen demokratischen und sozialpolitischen Kurs verfolgte, hat sich vor allem im Erziehungswesen reformerisch betätigt, doch stand er «im Rufe eines ziemlich gewalttätigen Herrn, der, wo immer es möglich erscheint, das innere Recht, das gute Recht einer Sache oder Bestrebung über das formale und geschriebene Recht stellt».

Er verfasst das demokratische Parteiprogramm von 1899. Er war Zentralpräsident des Grütlivereins. 1904 erhielt er den Ehrendoktor (Dr. iur. h. c.) der Hochschule Zürich. Von 1907 bis 1911 versah er das Amt eines Vizepräsidenten der Freisinnig-Demokratischen Partei der Schweiz.

Quelle: Stefan G. Schmid, Die Zürcher Kantonsregierung seit 1803, Zürich 2003

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