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Ernst Heinrich 1847-1934, Dr, h.c. Regierungsrat

Heinrich Ernst
12.08.1847
27.03.1934

Als erster Sozialdemokrat überhaupt wird der Winterthurer Stadtrat Heinrich Ernst 1897 in eine schweizerische Kantonsregierung gewählt. Dennoch ist der Vorreiter der Sozialdemokratie in der Zürcher Regierung längst vergessen. In der historiografischen Literatur kommt er kaum vor.

Heinrich Ernst kam 1847 in Dättlikon als Sohn des Kleinbauern gleichen Namens zur Welt. Er besucht von 1863 bis 1867 das Lehrerseminar Küsnacht. Anschliessend machte er an den Universitäten Zürich und Lausanne das Sekundarlehrerpatent. In den Jahren 1870-71 unterrichtete Ernst in Horgen, Dietikon und 1871-95 in Winterthur. Von 1890 bis 1897 und erneut von 1920 bis 1922 war er Kantonsrat des Grütliverein, später der SP.

Von 1895-1897 wirkte er als Stadtrat in Winterthur (Bauamt). Von 1897-1920 war er Regierungsrat Zürcher Regierungsrat. Gesundheitsdirektor 1899-1905, 1905-1911 Erziehungsdirektor und von 1911 bis 1920 stand er der Finanzdirektion vor. Weitere Ämter waren 1887-93 Vorstand der Schulsynode des Kantons Zürich und deren Präsident von 1891 bis 1893, 1890-1892 im Zentralkomitee des Schweizerischen Grütlivereins. Ernst war der erste Arbeitervertreter in einer kantonalen Regierung. Er verbesserte die Leistungen des Staates an das Volksschulwesen, erwarb sich Verdienste um den Bau der Universität Zürich (1914) und galt als weitsichtiger Finanzdirektor. 1914 erhielt er von der medizinischen Fakultät der Universität Zürich den Ehrendoktor Dr. h.c.

In ihrer Ausgabe vom 2. März 2019 schreibt Michael von Lebedur in der NZZ: „Wer ein politisches Erdbeben auslöst, müsste in den Geschichtsbüchern eigentlich Spuren hinterlassen. Ein solches ereignet sich kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert im Kanton Zürich. Dieser wird ein halbes Jahrhundert lang von Parteien dominiert, die Vorläufer der heutigen FDP sind. Dann erscheint ein Mann auf der Bildfläche, der die Zweiparteienherrschaft in der Zürcher Kantonsregierung aufbricht. Als erster Sozialdemokrat überhaupt wird Heinrich Ernst 1897 in eine schweizerische Kantonsregierung gewählt. Dennoch ist der Vorreiter der Sozialdemokratie in der Zürcher Regierung längst vergessen. In der historiografischen Literatur kommt er kaum vor. ……Ernst besiegt im Februar 1897, 50-jährig, in einer Stichwahl einen freisinnigen Kandidaten. Es ist ein erstaunliches Ereignis, weil die Sitze in der Zürcher Regierung damals noch nicht proportional zur Parteienstärke vergeben werden. Ernst wird der Einzige parteipolitische Exot im rein bürgerlichen Regierungsrat bleiben – bis 1917 die Proporzwahl eingeführt wird und eine neue Zeitrechnung beginnt ,in der die FDP-Vorgängerparteien an Einfluss verlieren. Im Vorfeld der Wahl hat sich die NZZ ihrer liberalen Ausrichtung gemäss gegen ihn ausgesprochen. «Herr Ernst ist Sozialdemokrat, gehört also derjenigen Partei an, die als ihr letztes Ziel die Verstaatlichung von Grund und Boden sowie aller Produktionsmittel (. . .) bezeichnet.» Bestrebungen, von denen das Zürcher Volk bis jetzt nichts habe wissen wollen.“

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