w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Wäckerli Werner, *1946, Informationschef Stadt Winterthur 1983-2008

Werner Wäckerli
1946

Ein Vierteljahrhundert lang hat Werner Wäckerli die Öffentlichkeit mit Nachrichten aus dem Stadthaus und den damals über die ganze Altstadt verteilten Ämtern versorgt. Unter Infochef Werner Wäckerli ist die Verwaltung transparenter geworden. Im Frühjahr 2008 liess sich der 62-Jährige pensionieren.

zVg

Im Landboten vom 16. April 2008 erschien aus der Feder von Peter Fritsche eine Würdigung des zurücktretenden Chefs der Informations-Abteilung der Stadt Winterthur Werner Wäckerli. Winterthur-glossar.ch publiziert diesen Bericht in der Originalfassung:

«Das geht Sie nichts an!» Hörer auf die Gabel. Journalisten mit unbequemen Fragen hatten in früheren Jahren meist einen schweren Stand beim Staat. Medien und Öffentlichkeit hatten zu warten, bis es Regierung und Ämter für nötig erachteten, zu informieren. Wenn überhaupt.

In Winterthur änderte sich dies 1983. Um eine professionelle Kommunikation zwischen Stadt und Medien, aber auch innerhalb der Verwaltung aufzubauen, setzte der damalige Stadtpräsident Urs Widmer erstmals einen Infochef ein. Werner Wäckerli, damals 37, brachte die besten Voraussetzungen mit: Redaktor beim «Tösstaler», Mitarbeit in einer PR-Agentur, Gemeinderat in Turbenthal. Einer also, der mehrere Perspektiven kannte: Jene des Politikers und Verwaltungsmitarbeiters, jene des Journalisten und jene des Öffentlichkeitsbeauftragten.

zVg

Mehr Mitteilungen

Zuerst musste der neue Infochef Kontakte knüpfen und die Skeptiker in der Verwaltung davon zu überzeugen, dass es ihn brauchte. «Ich habe dargelegt, dass ein wichtiges Geschäft nur mit einer umfassenden Öffentlichkeitsarbeit erfolgreich abgeschlossen werden kann.» Mehr Transparenz und prompte Information statt Geheimniskrämerei, lautete seine Devise. Dass er sie umsetzen konnte, belegt die Zahl der Medienmitteilungen, welche die Stadt in der Zeit vor und nach Wäckerli verschickte: Einst waren es drei bis vier Communiques pro Woche, später sind es zwei bis vier pro Tag. Dazu kommen unter anderem die Mitarbeiterzeitung «Stadtinfo», Neuigkeiten auf der Website und die Abstimmungszeitungen. «Die Informationsflut ist heute so gross geworden. Da müssen wir schauen, dass unsere Inhalte nicht darin untergehen.»

Aber auch sonst hat sich einiges verändert. «Die Journalisten recherchieren mehr als früher, sie sind in der Regel besser über einzelne Geschäfte im Bild, und ihre Fragen sind gehaltvoller. Sie wollen Primeurs. Das macht unsere Arbeit anspruchsvoller.» Es gilt vermehrt, die Fragen richtig zu kanalisieren und die Fragesteller an die richtige Stelle zu vermitteln. «Wir organisieren die Kommunikation und geben Inputs.» So werden die Medienbeauftragten, die inzwischen jedes Departement hat, von Wäckerli geschult. Manchmal muss er ihren Mitteilungsdrang auch in richtige Bahnen lenken. So etwa in jüngerer Zeit als es in der Verwaltung Usus wurde, Rechtsentscheide kundzutun, und zwar nur jene, die aus Sicht der Stadt positiv ausgefallen sind. «Konsequenterweise muss man auch negative Urteile kommunizieren. Die Bevölkerung hat ein Anrecht auf eine vollständige Information. Wir machen keine PR-Texte.»

zVg

Drei Stadtpräsidenten erlebt

Der Entscheid, ob und was veröffentlicht wird, liegt letztlich bei der Politik, beim Stadtrat, «meinen sieben Chefinnen und Chefs», wie Wäckerli sagt. Drei Stadtpräsidenten und 16 Stadträte hat der Infochef im vergangenen Vierteljahrhundert erlebt: Urs Widmer, Martin Haas und Ernst Wohlwend. «Alle drei waren unkompliziert.» Widmer habe er als sehr spontanen Menschen erlebt, Haas habe einem viele Freiheiten gelassen, wenn er einmal über das Ziel eines Projektes im Bild gewesen sei und Wohlwend räume der Kommunikation einen hohen Stellenwert ein. Von den drei Stadtpräsidenten habe er mit ihm den intensivsten Kontakt gehabt. Wohlwend hat für Wäckerli nur Lob übrig: «Ein sehr angenehmer Mensch mit einem guten Gespür für den richtigen Inhalt und die passende Verpackung.» Einen positiven Eindruck hat er auch bei den Medienschaffenden hinterlassen: «Ein ausgezeichneter Info-Beauftragter, der immer sehr gut über die wichtigsten Geschäfte im Bild war», sagt Ernst Meyer, langjähriger NZZ-Korrespondent in Winterthur. Radio-Top-Chefredaktor Gianni Huber schätzt unter anderem seine Hilfsbereitschaft, etwa wenn es ums Organisieren von Liveübertragungen aus dem Stadthaus geht. Allgemein geschätzt wird Wäckerlis Zurückhaltung und Unaufgeregtheit. Er wirkt lieber im Hintergrund als im Blitzlichtgewitter.

zVg

Dass aus Anlass seiner Pensionierung ein Artikel erscheinen soll, hält er für unnötig. Wäckerli gehört keiner Partei mehr an, seit er Anfang der 80er-Jahre aus der SVP ausgetreten ist. «Ich war nicht einverstanden mit der Politik der Herren Blocher und Frey.» Nie habe er etwas kommunizieren müssen, das ihm gegen den Strich gegangen sei, sagt Wäckerli. Es habe aber sehr wohl Geschäfte gegeben, dessen Ablehnung ihn geschmerzt hätten, wie etwa die Euro-08-Vorlagen oder die Zentralisierung der Stadtverwaltung im Arch-Neubau. «Eine solche Konzentration wäre wichtig, weil sie auch die verwaltungsinterne Kommunikation erleichtern würde.»

zVg

Freiraum geniessen

Ende April 2008 geht Werner Wäckerli nun im Alter von 62 Jahren in Pension. Der in Wila lebende Vater zweier erwachsener Kinder mag noch gar nicht gross planen, sondern will einfach den «Freiraum geniessen», eine schöne Reise unternehmen, «vielleicht nach Österreich.» Neuer Chef seiner zwei Mitarbeiterinnen wird der 47-jährige Andreas Friolet, heute Helvetas-Mediensprecher und einst Chefredaktor von Radio Eulach.

Kulturschaffende
nach oben ↥
nach oben ↥
link