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Borgeaud Pierre, 1934-2019, Industrieller

Pierre Borgeaud
31.03.1934
11.07.2019

Pierre Borgeaud, langjähriger Sulzer-Präsident und früherer Chef des Schweizer Wirtschaftsdachverbands ist am 11. Juli 2019 verstorben. Der 1934 in Pompaples VD geborene und in Winterthur aufgewachsene Borgeaud prägte den Industriekonzern Sulzer während fast 40 Jahren. Der ETH-Ingenieur trat nach dem Studium beim Winterthurer Maschinenbauer ein und stieg bis zum Generaldirektor auf. 1988 übernahm er während zwölf Jahren das Präsidium des Verwaltungsrats.

Foto: winbib, Wolfang Sträuli (Signatur 064233)

Kindheit und Jugend

Pierre Borgeaud wurde am 31. März 1934 in Pompaples im Kanton Waadt geboren. 1942 zogen seine Eltern nach Winterthur, wo Borgeaud die Primarschule und das Gymnasium besuchte. Die Verbundenheit mit seinem Geburtsort blieb ausgeprägt, besonders mit dem grosselterlichen Bauernhof in Orny.

Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für das Ingenieurwesen und absolvierte in seinen Ferien in der Dreherei der SLM und absolvierte ein neunmonatiges Praktikum als Fräser, Dreher, Schweisser und Werkzeugmacher in England. So erhielt er auch Einblicke in die britische Maschinenindustrie.

Foto: winbib (Signatur FotDig_Lb_001-028)

Familie

Im Jahr 1960 verheiratete sich Pierre Borgeaud mit Regula Eisen, die Tochter des Winterthurer Optikers Albert eisen. Kennengelernt hatten sie sich an einer Weihnachtsfeier des Rotary Clubs. Gemeinsam hatten sie drei Kinder.

Beruflicher Werdegang

Von 1954 bis 1960 studierte er an der ETH in Zürich und schloss als diplomierter Maschineningenieur ab. Ab 1959 arbeitete er in der Forschungsabteilung bei der Firma Sulzer und machte dort Karriere. Er stellte sein Geschick als Konstrukteur unter Beweis und entwickelte gemeinsam mit einem kleinen Team einen neuen Motor. Im Jahr 1972 wurde er Direktor der Abteilung Diesel.

1975 wurde er zum Präsidenten der Konzerngruppe Maschinenfabrik Winterthur und gleichzeitig folgte auch die Ernennung zum Generaldirektor und Mitglied der Konzernleitung. 1981 präsidierte er die Sulzer-Konzernleitung und 1984 trat er dem Verwaltungsrat des Unternehmens bei.

1988 überliess er die operativen Geschäfte seinem Nachfolger Fritz Fahrni und amtete bis ins Jahr 2000 als Präsident des Verwaltungsrates der Sulzer. Pierre Borgeaud hat den Winterthurer Maschinenkonzern fast vierzig Jahre lang geprägt und mitgestaltet. Seine Amtszeit war geprägt von Umstrukturierungen und den grossen Herausforderungen im Zuge der beiden Ölkrisen von 1973 und 1980, sowie dem weltweiten Rückgang der Nachfrage nach Investitionsgütern.

Politisches Engagement

Neben seinem grossen beruflichen Engagement war Pierre Borgeaud auch politisch aktiv. Von 1960 bis 1976 war er Kirchgemeinderat der Winterthurer Eglise Réformée Française. Als Angehöriger der freisinnigen Fraktion, schaffte er 1978 die Wahl in den Winterthurer Gemeinderat, in dem er bis ins Jahr 1981 mitwirkte.

Er präsidierte von 1978 bis 1986 den Verein Schweizerischer Maschinenindustrieller (heute Swissmem). Danach war er von 1987 bis 1993 Präsident des Schweizerischen Handels- und Industrievereins (genannt Vorort), der Vorgängerorganisation von Economiesuisse. In Borgeauds Zeit als Präsident des Vororts fielen die von ihm aktiv befürworteten positiven Entscheide zum Beitritt der Schweiz zur UNO und zu den Bretton-Woods-Institutionen wie auch zum Landverkehrsabkommen und zur leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA).

Weiter engagierte er sich für den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und trat dafür 1992 auch auf dem Bundesplatz auf.

Auch in mehreren Verwaltungsräten war Borgeaud aktiv, so bei der Winterthur Versicherungen, bei Bühler Uzwil und bei der Firma Pirelli. Von 1987 bis 1994 war er Mitglied des Bankrats der Schweizerischen Nationalbank. Später übernahm er dann das Präsidium der Interessengemeinschaft Schweiz - Sowjetunion.

Weitere Aktivitäten

Die Aus- und Weiterbildung künftiger Talente im Bereich der Maschinenbautechnik lag Pierre Borgeaud am Herzen. Am Technikum fungierte er als Prüfungsexperte und begutachtete auch Diplomarbeiten im Fach Maschinenbau.

Er war Mitglied im Stiftungsrat der Laboratorien-Stiftung der Juventus-Schulen und zusammen mit seinem Kollegen Walter Reist massgeblich an der Transformation des Technoramas vom traditionellen Museum zum interaktiven «Science Center» beteiligt. Weiter engagierte er sich als Präsident im Stiftungsrat des Technoramas und war einige Jahre im Patronatskomitee aktiv.

Pierre Borgeaud ist im Alter von 85 Jahren am 11. Juli 2019 in Winterthur verstorben.

Weiterführende Literatur

Karrer, Heinz: Pierre Bourgeaud: nüchtern, analytisch und der Sache verpflichtet, NZZ 17.8.2019

Kirchheim, Eva: Nachruf Pierre Borgeaud in: Winterthurer Jahrbuch 2021, S. 185.

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