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Dubs Peter, Dr. med. 1921-1980

Peter Dubs
24.05.1921
20.04.1980

Dr. Peter Dubs war ein mitreissender Mensch und Berater. Nach dem Medizinstudium eröffnete er 1954 die eigene Praxis in Winterthur und führte damit die berufliche Tradition seiner Eltern fort. Er wirkte auch in vielseitigen Organisationen. Er war Vizepräsident der Genossenschaft für Krankenpflege, Präsident der Bezirksärztegesellschaft, im Vorstand der Kantonalen Tuberkuloseliga, Schularzt der Kantonsschule Rychenberg, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich und Stubenmeister der Herrenstube.

winterthur-glossar.ch publiziert im Folgenden die Abschiedsworte des Vizepräsidenten der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, Dr. med. Eduard Leuthold, an der Trauerfeier vom 24. April 1980.

Liebe Trauerfamilie, sehr verehrte Trauergemeinde,

Sie alle sind zusammengekommen, um von einem Menschen Abschied zu nehmen, der wohl alle, die ihn kannten, tief beeindruckte, der wo er hinkam, durch seine Art und sein Wirken bleibende Spuren hinterliess. Dies gilt im Besonderen von seinem letzten grossen Wirkungskreis, nämlich der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich, die er seit 1973 bis zu seinem Tode mit ungeheurem persönlichem Einsatz, Geschick und Originalität präsidierte. Ich darf im Namen dieser Gesellschaft sprechen und versuchen, sein Wirken kurz zu würdigen.

In die Amtszeit von Peter Dubs fielen viele grundsätzliche Entscheide in der ärztlichen Standespolitik. So wurden unter seiner Leitung langjährige Verhandlungen über einen Vertrag mit den Krankenkassen sowie über einen neuen Tarif zum erfolgreichen Abschluss geführt. Die ärztliche Standesordnung und die Statuten der Gesellschaft wurden neu gefasst, und zu unzähligen Fragen der ärztlichen Versorgung unserer Bevölkerung wurde Stellung bezogen oder, wo nötig, der ärztliche Einfluss geltend gemacht. Auch im weiteren Sinne kümmerte sich der Verstorbene um die ärztliche Versorgung. Er nahm sich den Problemen der Aus- und Weiterbildung, der besseren hausärztlichen Versorgung, der Selbstdispensation und vieler anderer Aufgaben an. Ein gutes und offenes Verhältnis mit Behörden, Politik und auch der Presse war ihm wichtig. Wo er Probleme sah, suchte er stets den Dialog.

Doch es soll hier nicht ein Leistungskatalog des Verstorbenen aufgestellt werden. Er wäre der Erste, der sich dagegen wehren würde. Wesentlich ist und war für uns, die wir mit ihm zusammenarbeiten durften, die Art, wie er Geschäfte und Verhandlungen führte. Er tat es mit einer bei uns sonst eher seltenen überlegen humorvollen Weise, die oft erstarrte Fronten durch eine träfe Wendung oder einen seiner kernigen, blumigen Sätze in Bewegung brachte.

Grossgewachsen, wie er war, sagte er mir einmal treffend: «Weisst du, wenn man gross ist, hat man den Vorteil, dass viele Unebenheiten der Erdkruste etwas weniger hoch und wichtig scheinen.“ Dies galt für ihn, er hielt sich über Kleinigkeiten nicht auf. Der Nachteil war, dass sich verbissene Gegner und Antragsteller hin und wieder fast zu wenig ernst genommen fühlten. Er machte dies aber stets wett durch grosse Verständnisbereitschaft für den Andersdenkenden. Nur so fand er dann oft in scheinbar verfahrenen Situationen einen neuen und originellen Ausweg. Ich denke zum Beispiel an den ärztlichen Diagnosekatalog, der ganz sein eigenes Werk war.

Peter Dubs führte die Ärztegesellschaft in einer Zeit, da der Ärztestand zunehmend Anfechtungen ausgesetzt war und ist. Mutig stellte er sich stets der Kritik, bereit, darauf einzugehen, wo sie berechtigt schien, kräftig aber auch im Zurückschlagen und Abweisen falscher Vorwürfe. Gewandt im Schreiben. verfasste er zahlreiche Artikel zu medizinischen wie zu Standesfragen. Auch Radio- und Fernsehdebatten scheute er nicht, wobei ihm wohl oft die früheren Erfahrungen seines Amateurkabaretts «Hintergassbühne» zustattenkamen. Seine Position war bei allem Humor stets klar und bestimmt von der Überzeugung, dass ein freier Ärztestand den Bedürfnissen der Kranken am besten dienen könne. Dass dazu soziales und ärztliches Verantwortungsbewusstsein gehörte, war ihm selbstverständlich. Er wurde deshalb nicht müde, dies auch von seinen Kollegen zu verlangen. Seine Ansprachen und besonders noch seine letzte Einführung in die Standesordnung für Neumitglieder vom vergangenen Februar legen beredtes Zeugnis davon ab. Er predigte aber nicht nur Grundsätze, sondern er lebte ihnen selbst nach, nicht zuletzt in seiner grossen internistischen und hausärztlichen Praxis in Winterthur.

Pedro, wie ihn seine Freunde und Mitarbeiter nannten, beeindruckte aber nicht nur als gewandter und origineller Standespolitiker und Präsident seiner Berufsorganisation, er faszinierte auch durch seine vielseitige musische Begabung. So sagte er oft Ernstes im heiteren Reime oder sogar im Chanson. Über Vieles schrieb er dichterisch, und nach seinem geplanten Rücktritt vom kommenden Sommer wollte er ein Requiem komponieren. Wie viel ihm die Musik bedeutete, wussten wir Mitarbeiter, wenn er zu einer trockenen Sitzung unvermittelt Platten mitbrachte mit dem Kommentar: «Das ist so schön, dass ihr es einfach hören müsst.» Und als ich vor drei Jahren auf einer gemeinsamen Reise durch China eifrig fotografierte, staunte ich, dass er die ihm wichtigen Dinge nicht auf Film, sondern mit gewandtem Zeichenstift im Skizzenblock festhielt. Seinen Freunden bot er auch sonst viel Anregung. Interessante Gespräche konnten von brieflichen Kommentaren gefolgt sein, manchmal sogar von einem Buch, das zum Thema Bezug hatte. So erhielt ich einmal nach einem philosophisch-naturwissenschaftlichen Exkurs ein mir völlig unbekanntes Buch über die Symbolik der Augen, das ihm viel bedeutete. Und als wir kürzlich noch von Garten- und Obstbau sprachen, sandte er mir als begeisterter und erfahrener Naturfreund und Gartenkenner spontan eine Liste der Apfel- und Birnensorten, die sich für mein heimatliches Toggenburg eignen würden. Pedro war seinen Freunden ein selten einfühlender und teilnahmsvoller Mitmensch. Umso schwerer fällt es, ihn zu missen.

Es wäre wohl falsch. seine grossen Leistungen zu würdigen. ohne seinem Wunsch nachzukommen. den er mir, als sich die Zeichen seiner Krankheit mehrten, in einem Brief mitteilte. Er schrieb darin: "Ich möchte nicht in einem allfälligen Nachruf als Opfer meines Amtes als Kantonalpräsident dargestellt werden." Er wollte nicht, dass wir uns seiner grossen Arbeit wegen schuldig fühlen müssten. Er hatte seinen Einsatz gerne und mit Freude erbracht. Danken darf ich ihm dafür im Namen der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich. die er führte, und im Namen des Vorstandes und der Geschäftsleitung im Besonderen. Auch die Tuberkuloseliga, in deren Vorstand er ebenfalls war. beauftragt mich, an dieser Stelle ihren Dank auszusprechen. Wir verlieren und trauern in Peter Dubs um einen ausserordentlichen Präsidenten, um einen beispielhaften Kollegen und grossen Menschen, viele von uns auch um einen unvergesslichen Freund.

Wissenschaftler
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