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Geilinger Johann Rudolf, Zeichner, Lithograf

Johann Rudolf Geilinger
16.01.1827

Johann Rudolf Geilinger gehört nicht in den Stamm der berühmten Winterthurer Fabrikanten Familie. Ganz im Gegenteil: als Zeichner, Buchbindern und Dessinateur (Beruf des textilverarbeitenden Gewerbes) war er zeitlebens in dürftiger finanzieller Lage. Als Zeichner gilt er aber als Winterthurer Kleinmeister.

Foto: winbib, Johann Rudolf Geilinger (Signatur 010913)

Johann Rudolf Geilinger kam am 16. Januar 1827 als Sohn des Bäckermeister Heinrich Geilinger in Winterthur zur Welt. Die Familie bestand aus den Eltern und vier Knaben und einem Mädchen. Sie wurde von der Armenbehörde betreut. Das hiess auch, dass Johann zum Teil im Waisenhaus aufwuchs.

Er wohnte 1854 bis 1865 in Stein am Rhein. Seine Rückkehr nach Winterthur 1865, so wird heute angenommen, stand im Zusammenhang mit einem Hirnschlag. Dieser führte zur Lähmung des linken Armes und des linken Beines. Nach einem Aufenthalt im Pfrundhaus konnte die Familie 1866 in der «alten» Schule an der Steinbergasse eine Wohnung beziehen. Das Leben des Kleinmeisters und seiner Familie war nicht sorgenfrei. Sie hatten das Wohlwollen begüterten Familien nötig.

Foto: winbib, Johann Rudolf Geilinger (Signatur 010214)

Diese erteilten Johann Geilinger zeichnerische Aufträge und er konnte zeichnerisch begabten junge Leute unterrichten. Trotz seiner Behinderungen – gelähmtes linkes Bein und linke Hand – zog er mit der Unterstützung seiner Frau in die Natur hinaus um diese zeichnen zu können. Es gab auch Auftraggeber die ihn mit der Droschke abholten. Zu diesen gehörten zum Beispiel Caspar Reinhart-Hess, Louise Rieter-Biedermann usw. Geilinger war ein echter Kleinmeister. Seine Sujets waren Landschaften, Häusergruppen, Blumen, Vögel und Insekten. Er bewies damit seine Beobachtungsgabe, die er mit Aquarell, Tusch und Bleistift zu Papier brachte. Geilinger verstarb am 24. Mai 1873

Text nach einem Aufsatz von Werner Ganz im Winterthurer Jahrbuch 1981.

(im Jahrbuch 1981 befindet sich ein Werkverzeichnis (Seiten 18/19) mit allen Angaben wo und wie man Zeichnungen zur Illustration des Eintrages findet.)

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