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Reinhart Oskar, Kunstmäzen, 1885-1965

Oskar Reinhart
11.06.1885
16.09.1965

Oskar Reinhart war der bekannteste der Reinhart Brüder in der 3. Generation, der Firmeninhaber von Gebr. Volkart. Er war bis 1924 aktiver Teilhaber am Welthandelshaus Gebrüder Volkart. 1924 zog er sich zurück, um sich ausschliesslich als Kulturförderer und Kunstsammler zu betätigen. Vorstandsmitglied der kantonalen Kunstkommission; Ehrendoktor der Universität Basel 1932 und der Universität Zürich 1951. 1951 schenkte er seiner Vaterstadt Winterthur einen Teil seiner Sammlung mit 500 Gemälden der schweizerischen und österreichischen Kunst des 18. und 19. Jahrhunderts. Diese Werke gingen an die die Stiftung Oskar Reinhart. Sie sind im Museum am Stadtgarten (im ehemaligen Knaben-Schulhaus) der Öffentlichkeit zugänglich. 1955 vermachte Dr. Oskar Reinhart der Eidgenossenschaft seine Privatsammlung am "Römerholz" mit den Meisterwerken der europäischen Malerei und Bildhauerei aus fünf Jahrhunderten.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Winterthur und der Mittelschule in Lausanne, wo ihn vor allem die humanistischen Fächer und die Kunst interessiert hatten, trat Oskar Reinhart 1904 ins väterliche Geschäft ein und setzte seine Lehre 1907 im Londoner Sitz der Firma fort. 1909 bis 1911 war er in den verschiedenen Häusern in Indien tätig. Nach einem zweiten Londonaufenthalt wurde er 1913 zur Mitarbeit in der Firmenleitung bestimmt, übernahm diese Aufgabe jedoch nur aus Pflichtgefühl gegenüber der Familie. Zwangsweise so nebenbei begann seine Kunstsammlung, ein Interesse das er von seinem Vater übernommen hatte. Seine ersten Erwerbungen um 1907 lagen auf dem Gebiet der neueren englischen Druckgraphik. Seine wiederholten Reisen nach Deutschland, insbesondere nach Berlin, waren ausschlaggebend für seine spätere Sammeltätigkeit. Nach dem er sich nach 20 Jahren aus dem Handelshaus zurückgezogen hatte, aber stiller Teilhaber blieb, nutzte er sein nicht unbeträchtliches Vermögen, um mit seinem eigenen Gefühl für hohes malerisches Können, eine eigene Gemäldesammlung aufzubauen. So sammelte er vorerst Werke deutscher Künstler mit den heute berühmtesten Bilder wie Caspar David Friedrichs „Kreidefelsen auf Rügen“ und Wilhelm Leibls „Die Dorfpolitiker“. Er verfolgte aber auch die Entwicklung der französischen Kunst, wohl auch darum, weil es in Winterthur noch weitere bedeutende Sammler gab, die sich speziell den zeitgenössischen französischen Malern widmeten. Reinhart räumte den französischen Künstlern des 19. Jh., die er als direkte Vorläufer des Impressionismus sah, den wichtigsten Platz ein. Aber auch die Schweizer Kunst liess er keineswegs ausser Acht.

Die 1915 von dem Genfer Architekten Maurice Turrettini errichtete und zum Wohnsitz gewählte Villa „Am Römerholz“ in Winterthur wurde 1925 um einen Museumstrakt erweitert. Zuvor hatte er in der Villa Glitsch an der Römerstrasse zusammen mit seinem Bruder Werner gewohnt. Wichtige Erwerbungen neben den großen Werkgruppen von Daumier, Courbet, Renoir, Manet und Cézanne und Bildern von Chardin, Rubens und Goya – waren das frühe Ehepaarbildnis des Johannes Cuspinian und seiner Frau Anna Putsch von Lucas Cranach d. Ä. Bereits zu Lebzeiten vermachte Reinhart einen Teil seiner Sammlung, bestehend aus 600 Werken des 18. und 19. Jh der schweizerischer, deutscher und österreichischer Malerei der Stadt Winterthur (seit 1951 im Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten). Die Meisterwerke der europäischen Kunst vom 15. Jh. bis zum Beginn des 20. Jh. vermachte er zusammen mit Villa und Park testamentarisch der Schweizer. Eidgenossenschaft; die seit 1970 in seiner Villa „Römerholz“ der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Oskar Reinhart war Vorstandsmitglied des Kunstvereins Winterthur (1913–65), des Galerievereins Winterthur (1913–65); Mitglied der Eidgenössischen Kunstkommission (1933–38), der Kommission der Graphischen Sammlung. der ETH (1934–36), des Stiftungsrates der Stiftung Schweizer. Landesausstellung 1939, der Kunstkommissionen des Kantons Zürich (1945–51) und der Stadt Winterthur (seit 1945), der Eidgenössischen Kommission der Gottfried Keller-Stiftung (1939–53, ab 1948 Vizepräsident), der Verwaltungskommission der Gleyre-Stiftung (1939–56); ao. Mitglied der Bayer. Akademie der Schönen Künste (1951); Ehrenmitglied des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (1953) und erhielt den Ehrendoktor h. c. der Universitäten von Basel 1932 und Zürich 1951.

Kulturschaffende
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