w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Steinberggasse


Der Name 'Hintergasse', wie die heutige Steinberggasse früher hiess, hatte für Anwohner immer einen despektierlichen Beigeschmack. Deshalb wurde die Gasse auf Antrag der Anwohner 1904 in Steinberggasse umbenannt. Der untere Teil zwischen Metzgasse und Neumarkt hiess zuvor 'Niedergasse'. Die Steinberggasse war der Ort der Handwerker, nur wenige 'Bessere' wohnten in dieser Gasse.

Bild: wintipix.com

Die Steinberggasse feiert Winterthur750. Unter dem Motto „Der Steinberggasse ein Gesicht geben“ schmücken Dutzende von Fahnenbildern den Gassenzug. Andreas Wolfenberger hat Bewohnerinnen und Bewohner von gestern und heute abgelichtet und auf die Fahnen projiziert. Auch Persönlichkeiten von früher fehlen nicht. In einer Begleitbroschüre, -in den Steibi-Geschäften gratis erhältlich-, werden weitere spannende Einzelheiten aus dem Leben der Portraitierten erzählt. Damit setzt sich die einstige Hintergasse nach einer Idee von Katrin Bänziger einmal mehr in den Vordergrund.

Bild: winbib

Das Gebiet der heutigen Steinberggasse war einmal Wies- und Ackerland. Grundlegende Veränderungen ereigneten sich in der Zeit um 1200. Das Geviert wurde damals vermutlich mit der Stadtmauer befestigt. Eventuell war die Mauer ein Ersatz für eine ältere Befestigung. Der Name der Gasse ist sehr wörtlich zu nehmen. Die Bewohner der früheren Hintergasse hielten sich immer einen Vorrat von Bollensteinen. Diese Steinberge wurden benötigt, um die Stadtmauer in Stand zu stellen, wenn sie wieder einmal nach Belagerungen durch Wurfgeschosse beschädigt wurde. So hiessen auch einzelne Häuser „Zum unteren, zum mittleren oder zum oberen Steinberg“.

Die Steinberggasse erhielt bereits damals die heutige ungewöhnliche Breite. Diese Breite von 15 bis 25 Metern zeigt auf, dass die Gasse von allem Anfang an für Märkte konzipiert worden ist. Durch die Gasse floss der künstlich angelegte Stadtbach. Älter als die Befestigung ist nur der "Bauhof" (heute Steinberggasse 61/Technikumstrasse 68), ein erstes Steinhaus. Ebenfalls an die Stadtmaurer angebaut ist das Steinhaus Steinberggasse 13/Technikumstrasse 20/22. Es war einst das Knabenschulhaus, später war dort das Wasser-und Gaswerk untergebracht. Die Steinberggasse war der Ort der Handwerker, nur wenige " Bessere" wohnten in dieser Gasse. Der berufliche Mittelpunkt der Stadt lag bei der "Metzg" (Ecke Steinberg-/Metzggasse).

Durch die Hinter- und Niedergasse floss ein Seitenarm des Stadtbaches. Er zweigte vom Hauptlauf in der Marktgasse ab und floss durch die Obergasse zur Steinberggasse, zum Neumarkt und zurück zum Hauptbach am Untertor. Eine grosse Umwälzung fand im 19. Jhdt. statt. Die Tore wurden abgebrochen und der Stadtbach 1839 zugeschüttet. Auch die Metzg wurde 1833 abgebrochen. Damit öffneten sich die Hintergasse, die Niedergasse, die Steiggasse und die Metzggasse und fanden zueinander. Wichtige Zeugen jener Bauzeit sind der 'Bühlhof' (Ecke Steinbergasse/Metzgasse) und das Albani um 1862. Fotos davon in der Bildergalerie.

FOTO nebenan:

Die beiden Häuser an der oberen Steinberggasse heissen ‚Zum Silberschild‘ und ‚Harmonie‘. Beide Bauten sind vor 1755 entstanden und enthalten alte Substanzen im Inneren und Äusseren. Auffallend ist der Aufzugserker, der beide Häuser zusammenfasst und im Gassenzug einen Akzent setzt.

Das Neujahrsblatt der Stadtbibliothek Winterthur, Band 347 von 2013 enthält eine Vielzahl von Informationen und Geschichten über diesen bedeutenden Strassenzug in der Winterthurer Altstadt. Dieses Buch ist die Grundlage für diesen Glossar-Artikel. In der Rubrik „Dokumente“ kann eine PDF-Tabelle heruntergeladen werden. Diese enthält Angaben, Notizen über sämtliche Häuser an dieser Platzstrasse.

FOTO nebenan:

Das viergeschossige Zeilenhaus 'Zum Tiger', dessen Torbogen die Jahreszahl 1696 aufweist, gehört zu den wenigen Häusern der Steinberggasse, die im Innern wie im Äussern noch weitgehend in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind. Die Gestaltung des Erdgeschosses zeigt eine Situation, wie sie bei vielen Altstadthäusern im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit üblich war.

Berühmte Bewohner der Steinberggasse

Adresse
Name Lebensdaten Leben
Steinbergg.33
Zum Tiger
Friedrich von Sulzer-Wart 1806-1857 Er lebte zeitweilig im Haus seines Vaters Heinrich an der Steinberggasse 33. Sulzer [Sulzer-Wart], Friedrich von. *27.11.1806 in Winterthur, †1.8.1857 Grossandelfingen (heute Andelfingen), ref., ab 1816 von Zürich, ab ca. 1823 von Neftenbach und ab 1834 von Stein am Rhein. Sohn des Johann Heinrich und der Anna geb. Hegner. Verheiratet seit 1837 mit Anna Maria Peter, Tochter des Johannes, Kaufmanns. Fellenberg'sches Institut in Hofwil, Stud. an der Ecole polytechnique in Paris, Ingenieur. 1832-36 1. Adjunkt des Strassen- und Wasserbauinspektorats des Kt. Zürich. 1839-44 Mitglied des Gr. Rats des Kt. Zürich, 1840-44 Zürcher Regierungsrat (Bauwesen) und Staatsrat. Nach seinem Rücktritt lebte Sulzer zunächst in Bern, dann auf Schloss Andelfingen.
Steinbergg.39
Zum unterer Steinberg
Theodor Reinhart
1849-1919
Theodors Vater, der Baumwollhändler Johann Kaspar, wohnte im Hause 'Zum unteren Steinberg'. Dort wuchs der Sohn auf, der 1876 Lilly Volkart heiratete und wenig später Teilhaber der Welthandelsfirma Gebrüder Volkart wurde. Als Erbauer der Villa Rychenberg (heute Musikschule) zählt Theodor Reinhart zu den bedeutendsten Unternehmer und Kulturmäzenen von Winterthur.
Steinbergg. 41 Zum Sonnenberg
Albert Weinmann-Ziegler
1829-1882
Er war Arzt, übernahm im Umfeld der Nationalbahnkrise 1877/88 für kurze Zeit das Stadtpräsidium und vermachte sein Vermögen der Stadt.
Steinbergg. 43 Haus zum Rappen
Charlotte Haggenmacher-Reinhart

Schwester von Paul Reinhart-Sulzer und Dr. Reinhart-Volkart war im 'unteren Steinberg, aufgewachsen. Ihr Mann verkrachte sich mit dem Vater. So zogen sie 1891, nach der Liquidation der unrentablen Gerberei, verbittert nach Kaiserstuhl/Baden
Neumarkt 4 Zum Königshof
Jakob Goldschmid
1817-1887
Goldschmid war Ingenieur und Stadtrat und wirkte nicht zuletzt als Förderer christlich-karikativer Institutionen.
Steinbergg. 16 Zum Feigenbaum
Salomon Sulzer
1809-1869
Er legte 1834 mit Vater und Bruder Johann Jakob die kleine Giesserei ins Tössfeld, die als Firma "Gebrüder Sulzer" Geschichte schrieb.
Steinbergg. 18 Zur Meise
Jonas Furrer
1805-1861
Der Freimaurer, Regierungsrat und erste Bundespräsident der liberalen Schweiz zählt zu den bekanntesten Winterthurern überhaupt. Er ist im Haus Zur Meise zur Welt gekommen.
Steinbergg. 26 Zum Silberberg
Johannes Randegger
1830-1900
Randegger lebte an der Steinberggasse 26 im Haus 'Zum Silberberg'. Er zählte zu den führenden Kartografen seiner Zeit und hätte beinahe der Steinberggasse seinen Namen gegeben.
Steinbergg. 52 Zum Bühlhof
Friedrich Imhoof-Hotze
1807-1893
Der erfolgreiche Unternehmer baute den Bühlhof zum Sitz seines auf die Levante ausgerichteten Tuchexport-Geschäfts aus.
unbekannt
Caspar Reinhart
1798-1871
Besitzer der Handelsfirma Geilinger & Blum. Wohn-und Geschäftssitz an der Steinberggasse.
Strassen
nach oben ↥
nach oben ↥
link