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Geilinger Rudolf, Fabrikant, Politiker, 1848-1911

Rudolf Geilinger
08.05.1848
23.01.1911

Rudolf Geilinger, das war vorbestimmt, sollte das Webereigeschäft seines Vaters übernehmen. Entsprechend war sein Ausbildungsweg. Seine Liebe aber gehörte der Musik. Er wurde Violinist und Politiker.

Rudolf Geilinger kam am 6. Mai 1848 in Winterthur im Haus „Zum Grünenhof“, (später „Zum Paradies“) an der heutigen Technikumstrasse 70 zur Welt und ist am 23.Januar 1911 verstorben. Er war der Sohn des Jean Jakob Geilinger-Biedermann, Webereifabrikant und der Maria Susanna geb. Biedermann, von Winterthur. Er machte eine Lehre als Kaufmann und Weber im väterlichen Geschäft. Zur Weiterbildung begab er sich nach Lyon und 1869 für ein Jahr ans Konservatorium in Leipzig, um sich im Geigenspiel weiterzubilden. Damit wurden auch die Weichen gestellt, dass er das väterliche Geschäft nicht weiterführen werde. Nach dem Tod des Vaters löste Geilinger das Geschäft, Jacquardwebereien, 1870 nach dem Tode seines Vaters langsam auf und widmete sich altphilologischen Studien. Er zog ins Wohn- und Geschäftshaus an der Wülflingerstrasse 7, das sein Vater 1937 erstellt hatte. Heute steht dort das Seniorenzentrum Wiesengrund. 1878 wurde er Winterthurer Stadtrat und vom 8. Juni 1879 bis 1911 Stadtpräsident. Geilinger trat somit in die aktive Politik ein, als es darum ging, Winterthur aus dem Schlamassel des Nationalbahn-Abenteuers herauszuziehen bzw. einen Konkurs der Stadt zu vermeiden. Geilingers Art schlicht und bescheiden aufzutreten aber mit entschlossener Kraft zu argumentieren, führt insofern zum Erfolg, dass das schlimmste abgewendet werden konnte. Geilinger konsolidierte die Stadt Winterthur nach dem Konkurs der Nationalbahn und förderte ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung.

Als Mitglied der Demokraten vertrat Robert Geilinger diese Partei von 1879 bis 1911 im Kantonsrat, den er 1896 präsidierte. Er war von 1884 bis 1911 Nationalrat. Auch diesem Parlament stand er 1899 als Präsident vor. 1902 wurde er zum Divisionär befördert und wirkte als Kommandant der Festungen Saint-Maurice und Gotthard. Zehn Jahre, von 1875 bis 1885 war er Präsident des Musikkollegiums. Rudolf Geilinger wirkte weiter von 1884 bis 1911 als Verwaltungsrat der Bank in Winterthur sowie mehrerer Eisenbahngesellschaften. 1875 bis 1911 war er im Schulrat in Winterthur (ab 1881 Präsident), von 1909 bis 1911 versah er das Amt eines Erziehungsrates. In dem von ihm mitbegründeten Stadtorchester war er zeitlebens Violinist. Auf Bundesebene setzte sich Geilinger für die Verstaatlichung der Eisenbahnen ein und forderte den Vorunterricht zur Hebung der Wehrkraft. Dem Sportlichen war er immer zugetan. Insbesondere dem Schützenwesen und den Turnern gehörte seine Sympathie. Er präsidierte zum Beispiel das Organisationskomitee des Eidgenössischen Schützenfestes 1895 in Winterthur.

Gegen Ende seiner Amts- und Lebenszeit hatte der Maurerstreik 1909/1910 Geilinger stark zugesetzt. Als das Problem nicht gelöst, aber immerhin abgewendet war, verschied Robert Geilinger im Amte. Auf dem Rückweg von einer Kantonsratssitzung erlitt er im Zug einen Schlaganfall. Als ihn der Kondukteur kurz vor Winterthur wecken wollte, war Geilinger tot. Es war am 23. Januar 1911 gewesen.

Der Text basiert auf einem Aufsatz von Hans Rüegg, einenm seiner Nachfolger im Amt des Stadtpräsidenten von Winterthur, publiziert im Winterthurer Jahrbuch 1968.

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