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Häusernamen in der Winterthurer Altstadt


Häusernamen waren früher die Identität eines Hauses und auch zugleich die Adresse. Als dann später die Hausnummern eingeführt wurden, setzt sich diese neue Hausbezeichnung nur zögerlich durch. Noch immer erinnern diese Hausnamen an vielen Fassaden, zierlich oder auffällig, an diese Zeiten und ihre Vielfaltigkeit zurück.

Wer es sich leisten konnte, versah früher sein Haus bis unter das Dach mit allerlei Malereien aus der Winterthurer und der biblischen Geschichte sowie mit Figuren aus Mythologie und Phantasie. Die Stadt Winterthur erhielt gemäss Johann-Conrad Troll etwas Buntes, wie es nur an Orten wie Stein am Rhein und Schaffhausen zu sehen war. Konnten sich die Bewohner ein bemaltes Haus nicht leisten, verzierten sie die Haustüren, Fensterläden oder Mauern mit Denkversen. Fast alle Häuser erhielten aber einen Namen und erst ab 1799 eine Nummer. Diese Hausnummern stiessen bei den Bewohnern auf Unmut. Die Bürger verachteten die Nummern, denn viel besser konnten sie sich den Namen des Hauses durch die Wandgemälde merken.

Bild: Marcel Nüesch http://hausnamen.kreast.ch

Mit der Zeit verschwand die Wandmalerei immer mehr. So schreibt Johann-Conrad Troll: «Unsere Generation verlangt alles fix und fertig vorgesetzt.» Die Kalligrafen schrieben Namen und Ziffern an die Wände der Häuser. Die Malerei kam erst viele Jahre später wieder auf. Allerdings wurden dann die ganzen Fassaden mit Farbe bestrichen. (Text nach Anouk Batt.)

Bild: Marcel Nüesch http://hausnamen.kreast.ch

Foto aus Privatarchiv

Heute sind vor allem in der Altstadt diese Häusernamen noch sehr zahlreich erhalten geblieben. Wer also nicht mit dem Blick auf das Handy durch die Gassen geht, kann schöne alte Fassaden bewundern, die vielfach mit irgendwelchen Namen verziert sind. Hausnamen waren vor Einführung der Straßen und Hausnummern die einzige eindeutige Kennzeichnung eines Anwesens. Heute sind die Namen der barocken Landhäuser vor den Toren der Stadt noch bekannt und gegenwärtig. Folgende Beispiele sind zu erwähnen: "Zum Schanzengarten" an der Langgasse 126, "Zur Pflanzschule" an der St. Georgen-Strasse 5, "Lindengut" an der Römerstrasse 8 sowie das wohl bekannteste Gartenhaus "Zum Balustergarten" im Stadtpark heute als "Barockhäuschen" bekannt.

Bild: Marcel Nüesch http://hausnamen.kreast.ch

Bis in die 1970er-Jahre wurden auch historische Häuser mit Wandmalereien abgerissen, um für Neubauten Platz zu machen. Der Stadtrat reagierte mit dem Erlass eines Fassadenschutzes in der Altstadt. Unter dem damaligen Stadtbaumeister Karl Keller erfolgte die Einrichtung der Denkmalpflege. Sie ist beauftragt, die Bewahrung der Baudenkmäler sicher zu stellen. Im Verzeichnis „Schutzwürdige Bauten der Stadt Winterthur“ sind rund 1200 Objekt aufgelistet, denen bei einem Baugesuch besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.

Bild: Marcel Nüesch http://hausnamen.kreast.ch

2015 machte sich Marcel Nüesch auf den Weg. Er fotografierte sämtliche Häusernamen in der Altstadt von Winterthur. Im Verlaufe des Jahres kamen rund 180 Fotos zusammen. Sie zeigen in unterschiedlichsten Schriften und Formen die Häusernamen und die damit verbundene Identität der ehemaligen Besitzer und Bewohner dieser Altstadt-Liegenschaften. Von der „Tapferkeit“ zum „Grünen Wald“, vom „Blickfang“ zur „Zur Liebe“, von „Zur Dankbarkeit“ zur „Oberen Farb“ usw. und so fort. Mit einem Klick auf das Bild zeigt ein Pfeilsignet den Standort des entsprechenden Hauses an. Denn das alles ist auf der Website http://hausnamen.kreast.ch/ vorhanden. Amüsieren Sie sich!

Bild: Marcel Nüesch http://hausnamen.kreast.ch

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