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Eidberg, Aussenwacht


Eidberg, die Seemer Aussenwacht am Hang des Hulmens, ist ein Dorf geblieben, auch wenn es seit bald hundert Jahren zu Winterthur gehört. Die alteingesessenen Bewohner betrachten sich denn auch zuerst als Eidberger und erst in zweiter Linie als Winterthurer. Zum höchsten Punkt Winterthurs auf dem Hulmen , 687 Meter über Meer, führt ein schöner, steiler Weg ab der Dorfmitte Eidbergs.

Eidberg, am Ostrand der Stadt Winterthur gelegen, verdankt den Namen seiner Entstehungsgeschichte. Dieser ist vom mittelhochdeutschen „eit“ (= Feuer) abgeleitet; „Eiperch“, wie es in der ersten urkundlichen Erwähnung von 1264 geschrieben steht, bedeutet „der mit Feuer gerodete Berg“. Erst nachdem 1452 die Grafschaft Kyburg und somit auch das ganze Gebiet des nachmaligen Stadtkreises Seen an die Stadt Zürich übergegangen waren, sind aus den von der neuen Verwaltung angelegten Steuerrödeln Angaben zur Grösse der Siedlung zu entnehmen. Damals umfasste Eidberg vier Haushaltungen mit 27 Einwohnern. Die weitere Entwicklung Eidbergs kann aufgrund der Quellenlage ebenfalls kaum verfolgt werden. Selbst ein Zehntenplan für das 18. Jahrhundert ist nicht vorhanden. Aufgrund der Altersbestimmung der einzelnen Häuser mit Hilfe der Dendrochronologie steht aber fest, dass die ältesten Höfe um die zwei platzartigen Wegkreuzungen gruppiert sind. Zwischen den beiden Kreuzungen entstanden im Laufe der Zeit drei Reihenbauernhäuser. Im diesem 18. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung auf 170 Personen in insgesamt 26 Häusern an. Da die Rodungen einmal ein Ende haben mussten und dem Wachstum somit Grenzen gesetzt waren, blieb vielen nur das Auswandern übrig. So ist von etlichen Eidbergern bekannt, die in fremden Dienste nach Holland zogen. Einige Familien wanderten in die Pfalz aus, andere zog es bis nach Amerika.

Wie die politische Gemeinde Seen und die anderen Seemer Aussenwachten wurde die eigenständige Zivilgemeinde Eidberg am 1. Januar 1922 eingemeindet und gehört seither zu Winterthur. Dass das Dorf seinen bäuerlichen Charakter bewahren konnte, ist wohl in erster Linie auf die strengen Kernzonen-Bauvorschriften zurückzuführen. Zudem liegt der Ort inmitten von Landwirtschaftszonen, die in den verschiedenen Richtplan-Revisionen der letzten Jahrzehnte weitgehend unangetastet blieben. Zum verhaltenen Wachstum beigetragen hat auch die relativ bescheidene Anbindung an den öffentlichen Verkehr, ein Thema, dass in der Bevölkerung immer wieder zur Sprache gebracht wird. Bereits zu Beginn des 19. Jhdt. hat die Siedlung ihre heutige Grösse erreicht. Im 19. und 20 Jhdt. ist nur ein geringfügiger Zuwachs des Baubestandes und eine leichte Verdichtung des Ortskerns festzustellen. Aufgrund des Rückgangs der landwirtschaftlichen Tätigkeit stehen heute Umnutzungen von Ökonomieteilen zu Wohnzwecken im Vordergrund.

Auch wenn Eidberg heute von den Behörden je länger je mehr als Wohnquartier betrachtet wird und die Einwohner heute nicht so aufeinander angewiesen sind wie früher, lässt sich doch noch von einem gewissen dörflichen Zusammenhalt sprechen. Bestes Beispiel dafür ist die Rettung der Dorfbeiz „Frohsinn“, die von der Stadt zum Verkauf ausgeschrieben und darauf (2014) von einer eigens gegründeten Genossenschaft erworben wurde. Oder das von einer Gruppe junger Idealisten aus dem Dorf organisierte Open-Air, das seit 2004 jedes Jahr zahlreiche Lokalbands und rund 500 Musikbegeisterte ins Grüne oberhalb des Dorfes lockt.

Text: Jean-Pierre Gubler

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