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Neuüberbauung Rudolfstrasse

2005

Das Areal direkt hinter dem Hauptbahnhof in bester Zentrumslage wurde bis 2005 neu überbaut und damit die erste Wohnsiedlung der Schweiz mit Minergie-P-Standard erstellt. Das Mehrfamilienhaus überzeugt durch seine konsequente nachhaltige Konstruktion, seiner maximalen isolierten Hülle und durch sein ästhetisches Gefallen. Das alles ergibt eine hohe Wohnqualität zu besten ökologischen Bedingungen.

Lage, Konzept

Es gibt keine zentralere Wohnlage in Winterthur als die Rudolfstrasse: mit Fusswegen von einer Minute zum Hauptbahnhof, zwei Minuten zur Altstadt. Das lang gezogene, verwinkelte siebengeschossige Gebäude mit seiner bläulich schimmernden Hülle aus Milchglas ist das grösste Wohnhaus in der Schweiz, das den Minergie- P- Standard erfüllt. Die 90 Wohnungen kommen mit einem Fünftel der herkömmlich benötigten Heizenergie aus (17‘500 statt 120‘000 Liter Heizöl pro Jahr).

Herzstück des Hauses ist eine Lüftungsanlage. Damit werden die Wohnungen nicht nur be- und entlüftet, ohne dass ein Fenster geöffnet werden muss ? sie dient auch als Heizung: Eine Wärmepumpe nutzt die Abwärme der aus den Wohnungen wieder ausströmenden Luft und gewinnt daraus mittels Wärmerückgewinnung die Energie für Raumheizung und Warmwasseraufbereitung. Der Wirkungsgrad der Wärmerückgewinnung beträgt rund 90 Prozent; den Rest besorgt die Wärmepumpe. Damit entfallen vier Fünftel der üblichen Heizkosten ? und auch ein grosser Teil der Lärmbelastung. Dank der Komfortlüftung können die Mieter auf der exponierteren Strassenseite ihre Fenster nämlich geschlossen halten, ohne eine Einbusse in der Luftqualität beklagen zu müssen. Im Gegenteil: Im Sommer ist die kontinuierlich einströmende Luft nicht nur stets frisch, sondern auch angenehm kühl. Sie wird über die Zufuhr durchs Erdreich einige Grade abgekühlt, im Winter dagegen auf demselben Weg entsprechend aufgeheizt.

Lage Rudolfstrasse 8400 Winterthur
Architekten Baumschlager und Eberle, Vaduz
Bauherr Credits Suisse Asset Management Fonds
Baujahr 2005
Nutzfläche 12300 m2
90 Wohnungen von 2 bis 5 Zimmern
Gesamtkosten 30 Mio. Franken

Bei Sonne ein Eisblock, nachts eine warm erleuchtete Höhle

Von aussen wirkt das Gebäude, dessen Grundriss an ein kantiges Fragezeichen erinnert, trotz seiner eindrücklichen Masse und einer Nutzfläche von rund 12300 m2 erstaunlich leicht und elegant. Das liegt an der Fassade: einem klar strukturierten, mehrschichtigen Vorhang aus übereinander geschobenen, mit einem filigranen Lochmuster bedruckten Milchglasscheiben. Eine klare Bänderung aus fix montierten, horizontal liegenden Elementen markiert die Trennlinien zwischen den sieben Geschossen. Die Gläser vor den Wohnungen stehen in Schienen und lassen sich nach Lust und Laune seitlich verschieben. Das ergibt ein immer wieder changierendes Fassadenbild ? wie von einem Zufallsgenerator gesteuert.

Bei starker Sonneneinstrahlung schliesst sich die dicke gläserne Hülle fast lückenlos, dann wird das Gebäude zum weiss glänzenden Eisblock. In den Morgen- und Abendstunden oder nachts erhält der blickdichte Vorhang zahlreiche Löcher, gestattet Einsicht in bläuliche oder warm erleuchtete Höhlen.

Auch innen erfüllen die Wohnungen hohe Standards, sowohl in den raffinierten Raumprogrammen wie in der Ausstattung. Die grosse Gebäudetiefe verlangte lange, schmale Wohnungsgrundrisse. Baumschlager & Eberle gliederten sie geschickt in verschiedene, hintereinander liegende Zonen, die nach Belieben mit Schiebetüren voneinander abtrennbar sind. Betreten werden die Wohnungen in der Mitte über ein zentrales Treppenhaus oder via Lift, der direkt in jede Wohnung führt. Zum ruhigeren Innenhof hin liegen die Schlafzimmer. Eine frei im Raum stehende Box mit den Bädern trennt diesen Nachtbereich von der Tageszone, die sich zur Strassenseite hin orientiert. Die Tageszone ist ein grosszügiger Wohn- Ess- Bereich mit offener Küche und vorgelagerter Loggia. Die aussergewöhnliche Raumhöhe von 2,80 Meter, die durchgehenden Parkettböden und die mit ockerfarbenem Jurakalkstein ausgekleideten Badezimmer schaffen ein für Mietwohnungen ungewohnt edles Ambiente.

Der Eindruck räumlicher Grosszügigkeit wird auch von der stattlichen Wärmedämmung in den Aussenmauern von 34 bis 42 Zentimeter Dicke und den dreifach verglasten Fenstern nicht geschmälert. Im Gegenteil: Die von Architekturprofessor Dietmar Eberle angestrebte Verbindung von Technik und kultureller Dimension des Bauens ist erfüllt.

Restaurant

An der Ecke Rudolfstrasse/Konradstrasse rundet ein modern-gediegenes Restaurant, Cafe Bar Lumo, das Quartierbild und -angebot positiv ab.

Kreis Altstadt
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