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Forrer Ludwig, Bundesrat, 1845-1922

Ludwig Forrer
09.02.1845
28.09.1922

Ludwig Forrer, geboren am 9. Februar 1845 in Islikon TG, war Rechtsanwalt mit einem Anwaltsbüro in Winterthur. Er wirkte zuerst im Kantonsrat und anschliessend als FDP-Mann im Nationalrat 1875, 1876-1878 und 1881-1900. Er war Nationalratspräsident im Jahre 1893. Von 1902 bis 1917 war er Bundesrat, den er 1906 und 1912 präsidierte.

Foto: winbib (Signatur 171151)

Ludwig Forrer von Bäretswil und Winterthur war Sohn des Ludwig, Inhabers einer mechan. Werkstätte. Verheiratet mit Johanna Regula Dändliker, Tochter des Johann Jakob, Rektors der höheren Schulen in Winterthur. Nach Kantonsschulbesuch in Frauenfeld und Rechtsstudium in Zürich wurde Forrer 1867 Polizeileutnant und Erster Sekreträr des Zürcher Verfassungsrats. 1870 Staatsanwalt. In Winterthur führte er 1873-1900 ein eigenes Advokaturbüro. 1870-1900 war Forrer einer der Führer der Demokraten im Zürcher Kantonsrat (Präsident 1875, 1879, 1884, 1898-99).

Dem Nationalrat gehörte er als Vertreter der Ecole de Winterthour und der radikal-demokratischen Mehrheitsgruppe 1875, 1876-78 und 1881-1900 an (Präsident 1893). Mit einer Motion forderte er 1888 die Vereinheitlichung des Strafrechts in der Schweiz. In den 1890er Jahren verfasste er den Entwurf für ein Kranken- und Unfallversicherungsgesetz, wofür ihm die Universität Zürich 1894 das Ehrendoktorat verlieh. Nach dem Scheitern der "Lex Forrer" in der eidg. Volksabstimmung zog er sich 1900 vorerst aus der schweiz. Politik zurück.

Der Bundesrat ernannte ihn zum Direktor des Zentralamts für internat. Eisenbahntransport in Bern. Ende 1902 wurde er als Nachfolger von Walter Hauser in den Bundesrat gewählt; er stand sechs verschiedenen Departementen vor: 1903 Handel, Industrie und Landwirtschaft, 1904-05 Inneres, 1906 und 1912 Polit. Dep. und Bundespräsidium, 1907 Militär, 1908 Justiz und Polizei, 1908-11 und 1913-17 Post und Eisenbahnen.

Als Bundespräsident empfing er 1906 den italienischen König Viktor Emanuel III. und 1912 den deutschen Kaiser Wilhelm II. zu Staatsbesuchen in der Schweiz. Namhaften Anteil hatte Forrer an der heiklen Revision des Gotthardvertrags von 1909, die zu ungewöhnlich harten Auseinandersetzungen in der schweizerischen Politik führte. 1917 schied Forrer aus dem Bundesrat aus und kehrte in die Direktion des internationalen Eisenbahnamtes zurück.

Archive

-ZBZ, Nachlass

Literatur

-W. Labhart, Bundesrat Ludwig Forrer, 1845-1921, 1973, (mit Bibl.)

-Altermatt, Bundesräte, 290-295

Autor: Walter Labhart

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