w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Ricketwil


8352 Ricketwil (Winterthur) ist eine Aussenwacht und gehört zum Stadtteil Oberwinterthur, obwohl ein direkterer Zugang zu Winterthur-Seen vorhanden ist. Der Weiler liegt im Südosten der Stadt Winterthur - hinter dem Waldgürtel Andelbach/Hegiberg - auf einer Schulter über dem Eulachtal oberhalb Elsau-Räterschen auf 560 m über Meer und zählt rund 100 Einwohnerinnen und Einwohner.

Foto Christoph Bantli

Die Aussenwacht der Stadt Winterthur, Ricketwil, ist eine lebendige Gemeinschaft mit ländlichem sympathischem Charakter. Ricketwil zählt noch wenige Landwirtschaftsbetriebe und einige kleinere Gewerbebetriebe. Bekannt ist das Restaurant Landhaus, ein traditioneller Landgasthof mit guter Küche und ebensolcher Metzgete. Die stündige Wanderung ab Winterthur-Seen lohnt sich deshalb alleweil. Es ist auch nicht von ungefähr, dass in diesem ländlichen Idyll auch der Winterthurer Tierschutzverein seine Auffangstation eingerichtet hat. Sie ist ein Zufluchtsort für Tiere aller Art, die ihr Zuhause verloren haben. Der Ortsverein Ricketwil besteht seit 1912. Er setzt sich für die Interessen der Einwohnerschaft ein, wacht über die Gestaltung des Ortsbildes und fördert die Geselligkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl. Die höchste Erhebung Winterthurs, der auf 687 m über Meer liegende „Hulmen“, befindet sich genau südlich oberhalb von Ricketwil. In Ricketwil ist man EU-ausgerichtet: Bei guter Fernsicht sind die alten Vulkanberge „Hoher Stoffel“ und „Hoher Höwen“ bei Donaueschingen am nördlichen Horizont deutlich zu erkennen. Am öffentlichen Verkehr partizipiert Ricketwil nur mit einer Bushaltestelle im 1.0 km entfernten Tollhausen.

Die schulpflichtigen Kinder aus Ricketwil besuchen den Kindergarten sowie die Primar- und Sekundarschule in Elsau.

Foto Christoph Bantli

Ricketwil entstand aus einem frühen Rodungshof ungefähr im 8. Jahrhundert. Als ursprüngliches Reichslehen gelangte der Einzelhof im 15. Jahrhundert durch Erbschaft vom letzten Freiherrn von Klingen mitsamt den Vogteien Oberwinterthur und Wiesendangen an den Grafen von Fürstenberg.

1476 erbauten die Grafen von Fürstenberg und ihr Lehensnehmer Oswald Schmid eine neue Hofstätte - den noch heute bestehenden Hof Hulmenweg 95 (Liegenschaft Bosshard, Keller, Stahel). 1541 war der Hof bei der Lehensvergabe zweigeteilt in Jakob und Lenz Bosshard. Die bewirtschafteten die Fluren nun getrennt - was wohl auch den Bau eines zweiten Lehenshofes und die Neuordnung des Ackerlandes in zwei Zelgensysteme Unter- und Oberricketwil verursachte.

Bevölkerungsentwicklung in Ricketwil inkl. Mas

1980
95
1990
93
2000
89
2008
89
2010
89
Foto Christoph Bantli

Nachdem die in Donaueschingen sesshaften Fürstenberger die Lehensvergabe in Ricketwil über mehrere Generationen versäumten, verzichteten sie 1641 auf eine Geltendmachung des Lehensrechtes. Frei von allen grund- und lehensherrlichen Bindungen erfolgten in Ricketwil Güterzerstückelungen und Hausneubauten, überzählige Söhne mussten nicht wegziehen und Zuzüger erfuhren kaum Einschränkungen.

Es begann eine stetige Entwicklung der Aussenwacht. 1634 zählte Ricketwil fünf Haushaltungen mit drei Familien. 1643 waren es bereits sieben Haushaltungen. 1708 zählte man 98 und 1720 116 Einwohner.

Aus dem mittelalterlichen Einzelhof (Rodungshof) entstand der heutige Weiler Ricketwil mit derzeit rund 100 Einwohnern. Ihm kommt siedlungs- und familiengeschichtlich eine besondere Bedeutung zu. Er bezeugt auf erkennbare Art eine über 500 Jahre dauernde bauliche und genealogische (familiengeschichtliche) Entwicklung. Es ist ja wirklich interessant, dass heute noch Nachfahren von zwei Familien im Dorfe wohnen, die bereits im 15. Jahrhundert namentlich erwähnt worden sind!

Vororte/Quartiere/Aussenwachten
nach oben ↥
nach oben ↥
link