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Wetter Ernst, Bundesrat, 1877-1963

Ernst Wetter
27.08.1877
10.08.1963

Sekundarlehrer, Dr. oecc. publ., Handelslehrer, Kantonsrat (FDP) 1926-1934, Nationalrat 1929-1938, Bundesrat 1939-1943

Foto: winbib (Signatur 173064)

Sohn von Johann Ludwig und Susanna Wetter-Manz , sein Vater war Drehermeister bei Rieter in Töss. Sekundarlehrer in Uster und Winterthur, Handelslehrer an der Kantonsschule Winterthur und PD der Universität Zürich für Bankbetriebslehre. 1920 Generalsekretär des Eidg. Volkswirtschaftsdepartementes, 1924 Mitglied und ab 1926 Vizepräsident des Vorortes. Am 15. Dezember 1938 mit 117 Stimmen im 1. Wahlgang in den Budesrat gewählt, der sozialdemokratische Stadtpräsident von Zürich, Emil Klöti, erhielt beachtliche 98 Stimmen.

Wetter übernahm das Finanz- und Zolldepartement, er sah seine Aufgabe dem Bundeshaushalt eine dauerhafte Verfassungsgrundlage zu geben. Nach dem Rücktritt 1943 übernahm Wetter das Präsidium der "Schweizer Spende an die Kriegsgeschädigten" und den Vorsitz der Eidgenössischen Bankenkommission. Wie schon während seiner Tätigkeit beim Vorort übte Wetter mehrere Verwaltungsratsmandate aus, namentlich bei der Rentenanstalt, der heutigen Alusuisse - in beiden Fällen auch als Präsident -, bei der Sulzer AG und der NZZ. Ein Angebot, Gesandter in London zu werden, hatte er abgelehnt.

Bundesrat Wetters Verdienst um die "finanzpolitische Landesverteidigung" ist kaum zu bestreiten. Dank persönlicher Kompetenz und Umsicht wurden damals Steuern etabliert, die später wichtige Säulen des Fiskus bilden.

Bundesrat Wetter genoss auch in den Kreisen der SP wegen seiner ruhigen, sachlichen Art persönliches Vertrauen.

Historisch biographischer Lexikon

geboren 27.8.1877 in Töss, gestorben 10.8.1963 in Zürich, ref., von Töss, Winterthur und Zürich. Sohn des Johann Ludwig, Drehermeisters, und Susanna geb. Manz, Heirat 1906 Rosa Wiesmann, Haushaltungslehrerin. Wetter unterrichtete als Sekundarlehrer 1900-03 in Uster, dann in Winterthur. 1911-14 studierte er daneben in Zürich Nationalökonomie. Nach dem Doktorat lehrte er an der Kant. Handelsschule. Er habilitierte sich 1917 an der Universität Zürich. 1920 wurde er Generalsekretär des Eidg. Volkswirtschaftsdepartements, 1922 Direktor von dessen Handelsabteilung. 1924-38 war Wetter Delegierter (ab 1926 Vizepräsidebt) des Vororts und als solcher neben der wirtschaftspolititischen Interessenvertretung an zwischenstaatlichen Verhandlungen beteiligt. Ab 1927 setzte er sich auch als Präsident der Schweizerischen Zentrale für Handelsförderung für die Belange der Exportwirtschaft ein. 1926-34 gehörte er als Freisinniger dem Zürcher Kantonsrat an, im Dezember 1929 rückte er in den Nationalrat nach. Als Nachfolger Albert Meyers wurde Wetter im Dezember 1938 mit 117 gegen 98 Stimmen (für den Sozialdemokraten Emil Klöti) in den Bundesrat gewählt. Wetter übernahm erwartungsgemäss das vakante Finanz- und Zolldepartement. Sein bedeutendes Werk ist die (durch die Vollmachten des Bundesrats erleichterte) Einführung von Steuern, die auf sozial ausgewogene Weise allmählich einen Teil der Kriegskosten deckten und der Inflation entgegenwirkten: Kriegsgewinnsteuer (1940 beschlossen), Wehropfer auf Vermögen (1940, mit Amnestie, und 1942), Wehrsteuer, Warenumsatzsteuer (1940, 1942 erhöht) und Verrechnungssteuer (1943). Die drei letzteren Fiskal-Instrumente wurde später faktisch zu einer Grundlage des Wohlfahrtsstaats. Als Finanzminister und Sachpolitiker hatte Wetter Bedenken gegen die häufigen Kreditforderungen der Armeeleitung, aber auch gegen die Clearing-Vorschüsse an Deutschland. Namens des einstimmigen Bundesrates hiess er 1943 den Kauf von deutem (geraubtem) Gold durch die Nationalbank gut. Er hielt eine grössere Zurückhaltung der Presse für notwendig, verwandte sich bei Marcel Pilet-Golaz für den "Frontistenempfang" (10.9.1940), hatte im übrigen ein zwiespältiges Verhältnis zum Aussenminister. Als Bundespräsident bemühte er sich um eine Zusammenarbeit unter den Parteien und rief an der 650-Jahr-Feier (1941) zum Durchhalten und zur Disziplin auf. Nach dem Rücktritt Ende 1943 übernahm er erneut Mandate in der Wirtschaft (u.a. Präsidium der Rentenanstalt und der Schweiz. Aluminium AG) sowie die Leitung der Schweizer Spende an die Kriegsgeschädigten.

Literatur

-Altermatt, Bundesräte, 400-404

Autor: Christoph Wehrli

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