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Biscuitfabrik Anglo Swiss Winterthur

1886

Rund hundert Jahre lang wurden auch in Winterthur Biscuit hergestellt. Die Biscuitfabrik stand an der Ecke Neuwiesen-/Konradstrasse, wo heute ein Mehrfamilienhaus und ein Geschäftshaus (einst Publicitas-Haus)steht.

Stadtarchiv

Die 1886 gegründete „AngloSwiss Biscuit Co“ gehörte zu den ersten und bald auch bedeutendsten Biscuitfabriken der Schweiz. Sie produzierte an der Ecke Neuwiesen und Konradstrasse, wo anfänglich im selben Komplex auch die Trikotfabrik Achtnich (später Sawaco) und die Feilenhauerei J. U. Binder untergebracht waren. Zu den Gründern gehörte neben Hans Knüsli der aus dem Allgäu eingewanderte Teigwarenfabrikant Sigmund Montag sowie auswärtige Investoren. Der Anfang war nicht einfach, aber schliesslich ging es aufwärts. Im Laufe der Jahre gelang es die Buscuitfabrik zu einem blühenden Unternehmen auf dem Platze Winterthur zu entwickeln. An der Schweizerischen Landesausstellung 1914 erhielt die Firma für ihre Produkte eine goldene Medaille, und in seiner Ende der 1920erJahre erschienenen Dissertation über die Winterthurer Wirtschaft stellte Paul Witzig fest, die AngloSwiss, die verschiedentlich vergrössert worden war, gelte «als die erste und best eingerichtete Biscuitfabrik der Schweiz». Ihre Spezialitäten waren englische und französische Biscuits sowie Waffeln aller Art. Im Heimatbuch 1935 hiess es, die Fabrikation erstrecke sich «auf über 200 verschiedene Sorten Biscuits und Waffeln bester Qualität».

Archiv Feuerwehr Winterthur

1949 stieg Willy Suter aus Wädenswil bei der AngloSwiss ein, «indem er seine bestbekannte Honigtirggelfabrikation, die unter der Dynastie der Suter während über 100 Jahren florierte, unserem Betriebe einverleibte». Noch im gleichen Jahr kam es zur Katastrophe: Am 1. November zerstörte ein Grossbrand die AngloSwiss, die damals 80 Personen beschäftigte. Weil die bisherigen Aktionäre aufgeben wollten, zahlte Suter diese aus und machte – vorübergehend hiess die Firma BiscuitSuter – allein weiter. Für die Bewilligung des Neubaus musste Suter aber hart kämpfen, da die Fabrik im Neuwiesenquartier mittlerweile in einem Wohngebiet stand. Der Stadtrat hätte die Firma gerne ausgesiedelt, zum Beispiel in die Grüze. Andererseits wollte er aber auch einen Wegzug von Winterthur verhindern, «da das Unternehmen eine erwünschte Ergänzung unserer sonstigen, zum Teil sehr krisenempfindlichen Industrie bildet», wie der Stadtrat an die kantonale Direktion des Innern schrieb.

Schliesslich wurde die Fabrik wieder am alten Ort erstellt. 1982 übernahm die Hauser & Cie von der Neumühle Töss via Fusion das Geschäft der AngloSwiss, die Tirggel produzierte Suter schon längst wieder am Zürichsee. Das rund 30jährige Fabrikgebäude an der Konradstrasse wurde im gleichen Jahr abgebrochen und durch einen Neubau der Publicitas ersetzt.

Dieser Glossar-Artikel basiert auf einem Bericht von Adrian Knoepfli, Historiker, im Einverständnis des Autors. Erschienen im Landboten am 5.1.2013.

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