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Heimstättengenossenschaft Winterthur (HGW)

31.10.1923

HGW Heimstätten-Genossenschaft

Hegistr. 25

8404 Winterthur ZH

052 242 68 22


Die Anfänge der schweizerischen Baugenossenschaften reichen bis in 19. Jhdt. zurück. Die meisten gemeinnützigen Baugenossenschaften entstanden aber nach dem ersten Weltkrieg, so auch die HGW. Die HGW hat sich den Wohnungsproblemen der Arbeiterschaft in der Industriestadt Winterthur mutig und aktiv gestellt. Sie wurde zum Vorbild für viele andere Baugenossenschaften.

Anfänglich baute vor allem die Industrie Wohnungen für ihre Arbeiter. So zum Beispiel die Rieter AG ihre Pioniersiedlung ab 1865 an der heutigen Rieterstrasse. Diese Wohnhäuser stehen auch heute noch, sind saniert und beliebt. 1872 gründeten und förderten diese Winterthurer Unternehmungen die Gesellschaft für Erstellung billiger Wohnhäuser (GebW) als gemeinnützige Organisation. Ihre Wohnbauten, EFH und kleinere MFH, waren, wenn immer möglich, mit einem Pflanzgarten zur Selbstversorgung mit Gemüse versehen. Sie wurden zu den Selbstkosten abgegeben bzw. vermietet. Die erste Siedlung der GebW war die Siedlung am Deutweg. Sie stand neben der "Schleife" von Johann Jakob Weber, der an der Gesellschaft beteiligt war. Sie hiessen deshalb auch "Weberhäuser".

Mit der Eingemeindung der Vororte musste auch das Aufgabengebiet „Bebauungsplan“ in Angriff genommen werden. Dazu wurde Albert Bodmer (1897-1990) gewonnen. Er wurde Bebauungsplaningenieur der Stadt Winterthur von 1923 bis 1931. 1926 wurde Bodmers „Allgemeiner Bebauungsplan“ in Kraft gesetzt. Er war ein Verfechter der Gartenstadt-Idee gewesen. Er wollte unbedingt verhindern, dass in Winterthur Quartiere mit tristen Arbeiter-Mietskasernen entstehen. Mit seiner Planung legte er den Grundstein, das seinem Ziel bis heute gerecht wurde.

Anfangs des 20. Jhdt. herrschte eine grosse Wohnungsnot, deren Abhilfe dringend war. Nach negativen Erfahrungen wollte die Stadt selber keine Häuser mehr bauen. Sie hatte aber Landreserven, die zur Verfügung standen. Albert Bodmer initiierte die Gründung einer Wohnbaugenossenschaft. Am 5. Dezember 1923 nahmen 90 Mitglieder mit je einem Anteilschein von Fr. 50.- an der ersten Generalversammlung im Restaurant Strauss zur Gründung der „Heimstättengenossenschaft Winterthur“ teil.

Von der Stadt und auch von Privaten wurde sofort Land erworben und die ersten Bauten gestartet. 1923 entstanden an der Weberstrasse 16 Reihen-EFH, 1924 12 Reihen-EFH an der Bachtelstrasse, 1924/25 9 Reihen-EFH an der Eichliackerstrasse und 1926 12 Reihen-EFH am unteren Deutweg. Für alle diese Bauten zeichnet Architekt Hans Bernoulli verantwortlich. Auf Druck der Stadt mussten die Häuser wenig später an die Mieter verkauft werden. Ebenso entschied die Stadt, dass Bodmer wegen Unvereinbarkeit mit seinen städtischen Funktionen vom Präsidium der HGW zurücktreten müsse. So wurde er bereits 1924 durch E. Henauer abgelöst. Die Bautätigkeit wurde aber stetig fortgesetzt. Es entstanden Überbauungen an der Bütziackerstrasse, Klosterstrasse, Rosenaustrasse, Sonneggstrasse und im Stadtrain. Diese Wohnhäuser errichtete alle Architekt Adolf Kellermüller. Auch von diesen Reihen-EFH wurde ein grosser Teil verkauft. Das Mehrfamilienhaus (8 Wohnungen) an der Sonneggstrasse in Töss —erbaut 1927/28, saniert 1995— blieb im Besitz der HGW und ist heute die älteste Liegenschaft im Besitz der HGW und Zeuge aus der aktiven Gründerzeit.

1926 übernahm Heinrich Gerteis das Präsidium und führte die Genossenschaft 20 Jahre als Präsident. 1946 trat er zwar zurück, aber nur um die Funktion der neu geschaffenen vollamtlichen Verwalter- und Geschäftsleiter-Stelle zu übernehmen. Bis 1960 versah er diese Aufgabe, womit er schlussendlich 35 Jahre im Dienste der HGW gestanden ist. Während all dieser Jahre war er der Motor für die rege Bautätigkeit und die immer währende Entwicklung der grössten Winterthurer Wohnbaugenossenschaft gewesen. 2009 vermietet die HGW 1'793 Wohneinheiten, davon 245 EFH.

Nebst dem Birchermüesli-Quartier waren die Überbauungen „Grabenacker“, Grüzefeld (zusammen mit den beiden anderen grösseren Wohnbaugenossenschaften „Gemeinnützige Wohnbaugenossenschaft“ und „Waldheim Wohnbaugenossenschaft) Marksteine in der HGW-Bautätigkeit. (siehe separate Glossar-Artikel über diese drei Musterquartiere)

Die HGW pflegte und pflegt das soziale Gedankengut nicht nur in der Mietpreis-Festsetzung, sondern unterstützt ihre Mitglieder seit 1956 durch einen Fürsorgefonds für in Not geratene Mieter und seit 1966 durch einen Mietzinsausgleichfonds. Wenn die Bautätigkeit in der jüngeren Zeit etwas nachgelassen hat, dann nicht wegen weniger Engagement. Sondern es galt, die in die Jahre gekommenen Liegenschaften dem heutigen Standart anzupassen. So kann die HGW auch heute noch Wohnungen aller Art im besten Zustand und zu günstigen Mietzinsen anbieten.

Noch auch heute gilt wie eh und je (Wir zitieren aus der Jubiläumsansprache von Präsident Ernst Bühler „75 Jahre HGW“ vom 24. September 1998):

„Sicherheit: Jegliche Spekulation oder Gewinnabschöpfung ist bei uns ausgeschlossen. Wir stehen für gesund und solide. Und, jeder Genossenschafter, der sich normal einfügt, hat die einzigartige Garantie, dass er bis zu seinem Lebensende in einer HGW-Wohnung leben darf.“

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