w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Studer Fritz , Dr. iur., Politiker SP, 1873 - 1945

Friedrich Hartmann Studer
26.06.1873
12.08.1945

Jurist, Richter und SP-Nationalrat (Grütlianer) von 1902-1905 und 1908-1920. 1907-1920 Stadtrat.

Foto: winbib (Signatur FotSch_021-132)

Studer kam am 26. Juni 1873 in St. Petersburg zur Welt. Er war Bürger von Winterthur und studierte Jurisprudenz an den Universitäten Bern, Berlin, Lausanne, Heidelberg (wo er zum Dr. jur. promovierte) und Paris. Von 1898 bis 1903 war er Vizepräsident des Bezirksgerichts Winterthur, 1903 bis 1920 Rechtsanwalt, 1907 bis 1920 Stadtrat von Winterthur, 1910 bis 1920 Kassationsrichter.

Er war Mitglied des Grossen Stadtrates 1898 bis 1907 (1902/03 Präsident), des Kantonsrates 1901 bis 1920 (1919/20 Präsident), des Nationalrates 1902 bis 1905 und 1908 bis 1920. Er war Präsident der sozialdemokratischen Partei der Schweiz 1911 bis 1916 und der eidg. Expertenkommission für das Fabrikgesetz, für das Strafrecht, für das Militärstrafrecht und für den Völkerbund. Von 1920 bis 1932 war er Mitglied des Eidgenössischen Versicherungsgerichts (1930 und 1931 Präsident). Am 23. Juni 1932 erfolgte die Wahl zum Bundesrichter.

Fritz Studer schloss sich 1898 der Arbeiterbewegung an, zu einer Zeit also, da Grütliverein und Demokraten sich noch nicht klar voneinander geschieden hatten. Dass in der Folge die Arbeiterbewegung ihre letzten Bindungen zur Demokratischen Partei löste und kompromisslos eigene Wege ging, ist nicht zuletzt auf Studers Tätigkeit zurückzuführen. Er wurde um die Jahrhundertwende erster Präsident der damals gegründeten Sozialdemokratischen Partei des Kantons Zürich. Der Aufstieg Fritz Studers zum Politiker von eidgenössischer Geltung vollzog sich rasch: 1898 wurde er in den grossen Stadtrat und als Bezirksrichter gewählt; bereits 1901 zog er in den Zürcher Kantonsrat ein und 1902 ordneten ihn die Winterthurer in den Nationalrat ab, wo er mit knapp 30 Altersjahren, das weitaus jüngste Mitglied war.

1907 erfolgte seine Wahl in den Winterthurer Stadtrat, das er bis 1920 behielt. Von 1911 bis 1906 war er Präsident der SP Schweiz, wobei er sich bemühte in Militärfragen als höherer Offizier eine gemässigte Linie zu vertreten. 1920 wurde er ins Eidgenössische Versicherungsgericht und 1932 ins Bundesgericht gewählt. Fritz Studer verkörperte den Typus des aus dem Bürgertum stammenden Intellektuellen, dem der Kampf für die Schwachen und Bedrückten sittliches Gebot bedeutete.

Politiker/innen
nach oben ↥
nach oben ↥
link