w i n t e r t h u r - g l o s s a r . c h


Kunst im Friedhof Rosenberg

Sat Aug 16 00:00:00 UTC 1913

Am Rosenberg

8400 Winterthur


Die Friedhofanlage Rosenberg Winterthur ist nicht nur geprägt durch die prächtige Gartenanlage sondern auch durch zahlreiche Kunstwerke aller Art. Zum einen sind es Skulpturen aus verschiedensten Zeitepochen, zum anderen Familiengräber, die mit von Künstlern geschaffenen Grabmählern ausgestattet sind.

Die Friedhofanlage

Der Friedhof Rosenberg ist der grösste der fünf städtischen Friedhöfe in Winterthur. Er verfügt über Aufbahrungsräume und eine Abdankungskapelle. Ausserdem befindet sich das Krematorium im Friedhof Rosenberg.

Wie sich das Friedhofareal heute präsentiert zeigt dieser Plan. Der auf dem Plan rechte dunkel hinterlegte Teil ist das ursprüngliche ab 1913 erstellte Areal, die weiteren Abteilungen sind im Zuge der Zeit dazugekommen.

Plan in Gross-Format siehe "Bildergalerie"

Die Friedhofanlage Rosenberg zählt zu den schönsten der Schweiz. Ihrer Architektur und ihrer Kunstgegenstände wegen steht die Anlage unter kantonalem Denkmalschutz. Sie wurde ab 1913 durch die Architekten Rittmeyer und Furrer erstellt und um 1940 durch Architekt Merkelbach und Gärtnermeister Haggenmacher erweitert. Der Friedhof Rosenberg bietet dem Besucher ein Erlebnis von Natur, Kunst und Architektur. Grabanlagen von bedeutenden Familien zeigen, obwohl vielfach vom Wetter gezeichnet, Kleinode künstlerischen Schaffens. Die bemerkenswerten Kunstwerke, welche die Anlage breit gestalten und schmücken, werden in diesem Eintrag im winterthur-glossar.ch zum Teil vorgestellt.

Kunstwerke in der Friedhofanlage

Mosaikwandbild von Karl Otto Hügin (1887-1963)

Die vom Eingang her sichtbare ehemalige Friedhofskapelle wird heute als Besammlungs- und Besinnungsort genutzt. Viel beachtet ist das Wandmosaik von Karl Otto Hügin von 1928 an der Westseite der Kapelle. Hügin (1887-1963), in Trimbach geboren, wirkte ab 1919 als freier Künstler. 1914 löst sein expressionistischer Figurenfries in der Universität Zürich eine Kontroverse aus und musste übermalt werden. Er widmete sich ab 1920 intensiv der Wand- und Freskenmalerei. Es entstanden über dreissig Fresken und Mosaiken. Darunter auch das Mosaikwandbild an der einstigen Kapelle im Friedhof Rosenberg. Auch in der Kantonsschule Rychenberg befindet sich ein Tempera-Wandbild von Hügin.

Steinreliefplatten von Werner Müller (1899-1986)

Mit der Friedhoferweiterung von Robert Merkelbach entstanden kleine Mauern die den jeweiligen Abschluss der Grabfelder markieren. Neben den eingelassenen Brunnen sind beidseitig 16 kleine Reliefs (66x82cm) des Winterthurer Bildhauers, Malers und Zeichners Werner Müller (1899-1986) platziert. In ihnen kommen beschauliche Szenen zur Darstellung: Schafe, Sitzende, Lesende, ein Sämann, ein Engel, eine Säugende und viele andere.

„Zwei Figuren“ von D’Altri Arnold (1904-1980)

Die zwei grossen Steinfiguren, 2.20x2.20m gross, von Bildhauer Arnold D'Altri standen ursprünglich beim Ateliergebäude des Künstlers in der Baumschule von Fritz Haggenmacher beim Kemptweiher. Mit der Aufgabe des Betriebes kam die Skulptur 1982 als Schenkung zur Stadt. Fritz Haggenmacher als Gärtnermeister hatte zusammen mit dem Architekten Robert Merkelbach die Friedhofserweiterung gestaltet. 1992 wurde sie am heutigen Standort neben dem Grabfeld Nr. 121 aufgestellt.

Arnold D’Altri kam 1904 in Italien zur Welt und zog mit seinen Eltern 1905 nach Zürich, wo er 1921 bis 1925 eine Bildhauerlehre bei Otto Kappeler absolvierte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er in einer Keramikwerkstatt. Grundthema D’Altris ist das Menschenbild im Spannungsfeld von Natur und Technik; sein Werk ist geprägt von der Ambivalenz zwischen Angst vor Zerstörung und Hoffnung auf Erneuerung. Die Abwendung von der naturalistischen Bildhauerei führt zum Zerbrechen des klassischen Menschenbilds; die Anatomie wird ausser Acht gelassen, die Grenze zum Abstrakten erreicht, aber nicht überschritten. D’Altris Figuren sind nicht architektonisch gebaut, sondern in spontanem organischem Wachstum aus einer Kernzone herausgebildet.

„Grosse Ruhende“ von Franz Fischer (1900-1980)

Die „Grosse Ruhende“ aus italienischem Kalkstein, 1.70x2x1.10m, am Ende des langen Wasserbassins, hinter dem Grabfeld 126, in der Merkelbachschen Friedhoferweiterung ist ein Werk des bekannten Zürcher Bildhauers Franz Fischer (1900-1980), der 1934 bereits eine Liegende aus Bronze für den Stadtzürcher Friedhof Enzenbühl erschaffen hatte. Er ging als Sieger aus einem eingeladenen Wettbewerb hervor, den die Stadt Winterthur unter sieben Bildhauern veranstaltet hatte. Ein weiteres Werk von Franz Fischer aus dem Jahr 1950 mit dem identischen Titel „Ruhende“ befindet sich im Park des Alterszentrum Adlergarten.

Frauenfigur liegend, wird Otto Bosshard zugeschrieben

Diese Figur, 90x163cm, oberhalb dem Grabfelder 137, gehörte offenbar einmal zum Grab der Familie Carl Huber-Senn im Urnenhain II. Als Künstler gilt Otto Bosshard. Die Skulptur gleicht auffallend stark einer Schlummernden, die der berühmte Bildhauer Hermann Haller für den Privatfriedhof Hohe Promenade in Zürich angefertigt hatte.

Engelsfigur von Karl Geiser (1898-1957)

Der Urnenhain II (Grabfelder 201/202) ist in den Jahren 1932 bis 1935 entstanden. Der Entwurf ist ein Werk der Architekten Rittmeyer und Furrer. Das Grabfeld 202 ist geprägt durch das zentrale quadratische Wasserbecken mit den abgerundeten Ecken und der Engelsfigur. Diese Skulptur erhebt sich am oberen Rand dieser Anlage auf einem hohen Pfeiler. „Engel“, die Bronzefigur von Karl Geiser, ist 1.70m gross und steht auf einem 5.70m hohen Granitsockel. Karl Geiser (1898-1957) war einer der bedeutendsten Schweizer Bildhauer des 20. Jahrhunderts. Seine Plastiken sind figürlich und stellen meistens Menschen dar, der Stil liegt zwischen Realismus und Klassizismus. Geiser arbeitete auch als Zeichner, Radierer und Fotograf. Gespendet hat dieses monumentale Kunstwerk Georg Reinhart (1877-1955), der langjährige Geschäftsleiter der Firma Gebrüder Volkart AG, der im Grab Nr.133.800 bestattet ist. Reinhart war ein grosser Mäzen und förderte zahlreiche Künstler, so auch Karl Geiser, dem er einen längeren Paris-Aufenthalt ermöglichte. Der Engel war die erste Auftragsarbeit, die Geiser ausführen durfte, und war als eine Art „gemeinsames Grabmal" gedacht, dem sich die anderen Grabsteine im Urnenhain II unterordnen sollten.

Wandbild in der Abdankungshalle von Paul Bodmer (1886-1983)

Gleichzeitig mit dem Neubau des Krematoriums wurde 2003 die Abdankungshalle einer Innenrenovation unterzogen, weil sie nach all den Jahren düster und nicht mehr zeitgemäss wirkte. Mit einer neuen Farbgestaltung und Beleuchtung wurde das Tonnengewölbe als tragendes Element dieses Innenraums neu definiert und mit blauen Wänden gefasst. Eine neue Bestuhlung mit Bänken, die in den Seitenschiffen quer gestellt sind, soll das Gemeinschaftsgefühl unterstreichen.

Mit dieser Neugestaltung wurde das Wandbild hinter der Kanzel abgedeckt. Es stammt vom Zürcher Paul Bodmer (1886-1983). Er hatte sich vor allem mit symbolischer, historischer und religiöser Monumentalmalerei einen Namen gemacht. Da diese Engelsgestalten über dem Tor zum einstigen Kremationsofen nicht mehr als religionsneutral empfunden wurden, ist es nun hinter einer weissen Wand versteckt. Diese Aktion ging nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne. Das Thema kommt immer wieder auch auf der politischen Ebene zur Sprache.

„Das Gesetz“ von Walter Wächter (1934-2004)

Das vergoldete Holzrelief „Das Gesetz“ von Walter Wächter schmückt seit 1972 die grosse Hallenrückwand in der unterirdischen Aufbahrungshalle. Der Künstler Walter Wächter wächst in Zürich und Winterthur auf, macht von 1950 bis 1954 eine Bildhauerlehre und besucht nebenbei Tages- und Abendkurse an der Kunstgewerbeschule Zürich. 1955 studiert er zwei Semester an der Ecole des Beaux Arts, Genéve, und schliesst mit dem Neumann-Preis der Stadt Genf ab. 1959/60 lebt er in Paris. Weitere Werke Wächters schmücken den öffentlichen Raum in seiner Vaterstadt Winterthur. Eine grossformatige Spielplastik aus Holz ist auf der Spielwiese der Maurerschule aufgestellt (1971). Eine Stehle als Aluminiumskulptur markiert die Einfahrt zur Stadtgärtnerei auf dem Heiligberg (1968) und seit 1960 schmückt die Skulptur „5 Fische“ das Bassin beim Kindergarten Büelwiesen.

Holidi, der Holzmann von Werner Ignaz Jans, *1941

Werner Ignaz Jans, der Holzbildhauer der seit langem im Raume Winterthur wohnt und arbeitet, schuf 1986 für die „Lignum“ die liegende, 10m lange Spielfigur „Holidi“. Der Name "Holidi" ist gebildet aus "homo lignum diligens", was heisst, der Mensch, der das Holz liebt. Jahrzehntelang stand er in der Winterthurer Altstadt, im Graben, wo er gross und klein erfreute. Da der Holzmann in die Jahre gekommen war und langsam vermoderte, musste Holidi 2015 einer neuen Spiel-Skulptur Platz machen. Seine "letzte" Ruhestätte hat er auf dem Friedhof Rosenberg gefunden. Er döst nun etwas versteckt hinter dem Grabfeld 223 am östlichen Friedhofrand vor sich hin. Hatte er früher tagtäglich und oft Besuch, finden solche heute nur noch selten, aber inniger statt (siehe Foto).

Unterschiedliche Grab-Arten

Gräberfelder

Im Friedhof Rosenberg sind in den verschiedenen allgemeinen Grabfeldern hunderte von Gräbern vorhanden. Die älteren Grabfeldern 201 bis 208 befinden sich im östlichen gegen den Wald gerichteten älteren Friedhofteil. Am Rande dieser Grabfelder sind auch die Mauern mit den Urnennischen errichtet worden. Um die einzelnen Grabsektoren sind Familiengräber in schönem Baumbestand angegliedert. Im unteren, neueren und grösseren Teil sind weite Abschnitte von Grabfeldern vorhanden. Auch diese sind umrandet von Familiengräbern aller Art.

Familiengräber

Obwohl sich einige Interessierte schon immer für die Erhaltung stilistisch, künstlerisch oder historisch interessanter Grabmale eingesetzt haben, ist der Gedanke, dass es sich dabei um ein bedeutendes Kulturgut handle, noch nicht im öffentlichen Bewusstsein verankert. Bis heute ist die Erhaltung alter Grabmale vor allem einzelnen Friedhofverwaltern oder den Familien zu verdanken, welche den Mietvertrag ihres Familiengrabes über Jahrzehnte hinweg immer wieder verlängert haben. Erst seit gut zwanzig Jahren sind Bestrebungen im Gange, diese eigenständige Kunstgattung wissenschaftlich zu erforschen und gezielt zu schützen. Ein erstes Grabmalinventar für den Friedhof Rosenberg entstand in den Jahren 2012-2014, erarbeitet von der Zürcher Kunsthistorikerin Regula Michel. Während dieser Arbeiten hat sich gezeigt, dass vor allem im alten Friedhofteil von Rittmeyer & Furrer sowie in den Randbereichen der drei Urnenhaine ein bedeutender Grabmalbestand erhalten ist, zu dem nicht nur die eindrücklichen Privatgräber der bekannten Winterthurer Familien sondern auch Gefallenendenkmäler, Gräber berühmter Persönlichkeiten, Werke bedeutender Bildhauer und stiltypische Grabmale gehören. Ein paar wenige sollen hier vorgestellt werden. (Text von Regula Michel und Alex Borer)

Familiengrab Schoellhorn

Im Geviert der Grabfeldern 204 und 205 befindet sich der „Privatfriedhof“ der Familie Schoellhorn (Grabnr. 205.82), bekannt als einstige Gründerin und Inhaberin der Brauerei Haldengut. Im Schutz von grossen alten Eibenkegeln können die Trauernden von zwei kleinen Sitzbänken aus die Bronzefigur betrachten, ein weiblicher Akt des berühmten Bildhauers Hermann Hubacher (1885-1976). Auch hier wurden bereits früh architektonische Elemente mit einer Bronzefigur kombiniert.

Grab der Industriellenfamilie Eduard Bühler-Egg (Baumwollspinnerei)

Die letzte Ruhestätte (Grabnr. 205.828) der bedeutenden Industriellenfamilie Eduard Bühler-Egg (Baumwollspinnerei) zeigt eine kostbare, zartgliedrige Aktfigur von Hermann Haller (1880-1950). Sie liegt ebenso im Randbereich der Grabfelder 204/205. Sie zeigt ein Kunstwerk von höchster Qualität auf dem Friedhof Rosenberg und stellt eine sehr intime Anlage dar.

Familiengrab Sulzer

Das Grab der Familie Sulzer (Grabnr. 204.800) befindet sich seit 1935 auf dem Friedhof Rosenberg. Die schöne Trauernde mit lasziv entblösster Brust ist ein Werk des bekannten Zürcher Bildhauers Eduard Zimmermann (1872-1949). Die Figur stand ursprünglich im kleinen Rundtempel im Park des Adlergartens, dem Wohnsitz der Familie Sulzer-Bühler. Schon im antiken Griechenland hatten solche Tempelchen als Grabstätte gedient. Dasjenige im Adlergarten entstand im Jahr 1865 vorerst als Gartenpavillon. Fanny Sulzer-Bühler richtete es nach dem Tod ihres Mannes, um 1906, als Grabstätte ein und liess die Statue aufstellen. 1935 wurden aber sowohl die Urnen als auch die Figur in den Friedhof Rosenberg verlegt. Die Friedhofverwaltung verlangte damals die Erstellung einer Schutzarchitektur. Bestattet ist hier die Fabrikanten-Familie Sulzer samt dem Gründer der für Winterthur so bedeutenden Firma Gebrüder Sulzer, Salomon Sulzer-Sulzer (1809-1869).

Familiengraf Fülscher

Ein weiteres künstlerisch wertvolles Grabmal (Grabnr. 106.816)) auf dem Friedhof Rosenberg ist das Familiengrab Fülscher. Es zeigt ein Spätwerk des bekannten Winterthurer Bildhauers Silvio Mattioli (1929-2011), der zusammen mit Luginbühl und Tinguely zu den Pionieren der Schweizer Eisenplastik gehörte, der sich aber gleichzeitig intensiv mit der Grabmalkunst auseinandersetzte.

Familiengrab Wening

Nach dem zweiten Weltkrieg gewann eine neue Darstellung die Oberhand. Sie zeigt eine Abneigung oder Scheu von der bis anhin dominanten Darstellung des menschlichen Körpers. Tierdarstellungen wurde neu bevorzugt. Das Familiengrab Nr.123.824 der Wenings aus dem Jahre 1938 ist ein charakteristisches Beispiel dazu. Bei diesem sehr originellen und künstlerisch qualitätvollen Grabmal handelt es sich um ein Werk des in Winterthur aufgewachsenen Kissling-Schülers Rudolf Wening (1893-1970), der eine Zeit lang Hofbildhauer des Königs von Siam war und später, vor allem in den 1940er-Jahren, im Kanton Zürich zu den beliebtesten Grabbildhauern gehörte. Seine Tierfiguren waren sehr bekannt und stehen nicht nur auf Gräbern sondern zum Beispiel auch bei den Schulhäusern Guggenbühl und Lindberg in Winterthur und vor dem Zürcher Zoo.

Es folgen eine Auswahl Familiengräber, deren Darstellungen moderner geprägt sind.

Familiengrab Krämer

Aufnahme im Sommer 2017.

Familiengrab Spiess

Ein Spätwerk des bekannten Winterthurer Bildhauers Silvio Mattioli zeigt sich auf einem schönen geschliffenen Stein auf diesem Grab.

Der Gegensatz: traditionell und modern, dicht beieinander

Diese beiden nebeneinander liegenden Grabstätten zeigen explizit die Entwicklung der Familiengräberkultur der letzten Jahrzehnte auf.

Architekturgräber

Kolumbarium

Architekturgräber sind nicht Grabstätten von verstorbenen Architekten, sondern das sind Gräber, die eine architektonische Gestaltung aufweisen. Dieser Typ ist auf dem Friedhof Rosenberg in einer Formbreite und Qualität vertreten wie auf kaum einem anderen Zürcher Friedhof. Grosse Grabfelder werden mit Mauern eingefriedet, so dass sie wie ein kleiner Privatfriedhof wirken, in die sich die Trauernden zurückziehen können. Auch mit gewaltigen Hecken werden Nischen für grössere Grabanlagen gebildet. Treppenaufgänge, Abschlussmäuerchen, Sitzbänke und Werke bedeutender Künstler kommen dazu. Ein Vorbote dieser Grabart ist wohl auch das Kolumbarium. Es ist ein kleineres Gebäude, in dem Urnen beigesetzt werden können. Im Friedhof Rosenberg steht ein solches am Hauptweg links der Kapelle beim Grabfeld 132. In den Mauern des runden Gebäudes sind Urnenkammern integriert.

Das Kolumbarium auf dem Friedhof Rosenberg umfasst 50 Urnennischen. Die Kammern werden nach dem Einsetzen der Urne mit einem kunstvollen Gitter verschlossen. Die Urne bleibt sichtbar.

Familiengrab Volkart

Unter diesen Monumenten von Grabstätten ragt auf dem Friedhof Rosenberg das Grab der Familien Volkart und Reinhart heraus. In einem grösseren umfriedeten Friedhofstück steht ein eigenes Kolumbarium. Es ist ein viereckiges Gebäude mit einem grossen Tor das zu den Urnennischen der verstorbenen Familienmitglieder führt. Das Innere ist mit Skulpturen ausgestattet.

Familiengrab Reinhart

Das Familiengrab Nr.133.800 der Reinharts ist ein eigentlicher Friedhof im Friedhof. Innerhalb eines mit einer niedrigen Mauer umschlossenen Feldes befinden sich die einzelnen Gräber, die zusätzlich noch mit Skulpturen und anderen Kunstgegenständen geschmückt sind.

In diese Reihe gehört auch das Privatgrab (Nr.134.814) aus dem Jahre 1924 der Familie Ernst (Villa Frohberg), die wesentlich am Erfolg der Bank in Winterthur beteiligt war, aus der später die heutige UBS hervorging. Blickpunkt dieses Familiengrabes bildet ein klassisch ausgewogenes Werk von Bildhauer Hermann Hubacher, der ab den 1920er-Jahren zu den bedeutendsten Plastikern der Schweiz gehörte und enge Beziehungen zu Winterthur pflegte. Die Mädchenfigur hält eine Spindel in den Händen, die an den Beruf von Johann Rudolf Ernst-Reinhart, Sohn eines Tuchhändlers, erinnert: Er war Direktor und später Teilhaber der Bindfadenfabrik Flurlingen.

„Die Skulptur von Bildhauer Hermann Hubacher wurde von Rudolf J. Ernst-Blumer (1865 – 1956) für das Familiengrab in Auftrag gegeben, zu Ehren seines Vaters gleichen Namens (Rudolf J. Ernst-Reinhart 1836 – 1890), der Ingenieur und Teilhaber von Sulzer (20%) war und in den 1880er Jahren von der Bank in Winterthur eine Beteiligung an der Bindfadenfabrik übernahm und als deren Vizepräsident amtierte. 1896 übernahm dann Ernst-Blumer ein bestimmendes Aktienpaket und wurde gleichzeitig Präsident der Firma. Da Ernst-Blumer ein grosses Interesse an der Antike hatte, unterliegt der Skulptur von Hubacher noch ein weiterer Gedanke: Es handelt sich nämlich um die griechische Göttin „Atropos“, die den Lebensfaden der Menschen durchschneidet.“ (nach einem Text von Rudy Ernst, *1937, New York)

Gemeinschaftsgräber

Einsamen-Grab oder Gemeinschaftsgräber

Gemeinschaftsgräber traten auf dem Friedhof Rosenberg früh auf. Schon in den 1920er-Jahren mietete der Winterthurer Feuerbestattungsverein ein Grabfeld, in dem die Asche von Armen und Alleinstehenden ohne Nennung von Namen beigesetzt wurde, ein sogenanntes Einsamen-Grab (Grabnr. 205.811). Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, 1952, wurde das erste Gemeinschaftsgrab, das allen Winterthurern zur Verfügung stand, angelegt (Grabnr. 211.000). Weitere Anlagen, bei denen neu auch der Name des Verstorbenen eingraviert werden kann, entstanden 1985 und 2006-2010 (Grabnr. 111.000). Eine andere Neuerung brachten die Urnennischenwände, die ab 1940/1941 am südöstlichen Rand des Friedhof Rosenbergs erstellt wurden. Ganz ohne individuelle Kunst kommen auch der 2004 angelegte Birkenhain, in dem die Asche anonym beigesetzt wird (Grabfeld 129), und das Baumgrabfeld (Grabfelder 230 und 231) aus, in dem ein Baum das Grabmal ersetzt. Das kürzlich angelegte Grabfeld für muslimische Gläubige im Nordwesten des von Rittmeyer & Furrer entworfenen Friedhofteils bringt wiederum eine andere Bestattungskultur in unser Land.

Die Bronzeskulptur „Aufblickender“ steht beim alten, 1952 errichteten, Gemeinschaftsgrab (Grabfeld 211) und gibt in berührender Art die Geborgenheit wieder, die dieser Bestattungsart zu Grunde liegt. Geschaffen wurde die Figur von Robert Lienhard (1919-1989). Er war ein Winterthurer Bildhauer und Metallplastiker. Beim Grabfeld 211 sind zwei seiner Werke aufgestellt, die die Vielfältigkeit bzw. die künstlerische Entwicklung Lienhards Schaffen eindrücklich wiedergeben.

Direkt im Umfeld des alten Gemeinschaftsgrabes ist das Werk „Sirius“ aufgestellt. Die Skulptur in Bronze, 140x107x35cm, ist 1967 ebenfalls durch Robert Lienhard (1919-1989) entstanden und zeigt im Gegensatz zum „Aufblickenden“ eindrücklich die Entwicklung des Schaffens des Winterthurer Künstlers. Das Werk ist eine Leihgabe des Kunstmuseums Winterthur. Vom ehemaligen Standort im Winterthurer Museum wurde es auf einem Steinsockel aus Iragna-Gneis in diese stille Waldpartie im Friedhof Rosenberg umplatziert

Ankauf durch Walter Büchi und Hitsch Wieland

Die geschmiedete Eisenskulptur vom Innerschweizer Josef Maria Odermatt (1934-2011) bereichert im Friedhof Rosenberg das Gemeinschaftsgrab (Grabfeld 212/213). . Es liegt wuchtig, ja behäbig im nun gefüllten Bereich dieses Grabfeldes.

Odermatt vertritt in der um 1930 geborenen Generation der Schweizer Eisenplastiker neben dem etwas älteren Oscar Wiggli am konsequentesten das Schmiedehandwerk. Nach Experimenten mit Industrieabfällen findet er mit turmartigen Gebilden um 1965 zu einer eigenständigen Ausdrucksweise. Odermatt schafft seine Plastiken ohne vorbereitende Zeichnungen aus bis zu zehn Zentimeter dicken Vierkanteisen und Eisenplatten. Dem Schmieden als dem ältesten Metallbearbeitungshandwerk misst der Künstler bei der Belebung des ursprünglich als ausdrucksarm empfundenen Industriestahls eine magische Qualität bei. Die Einzelteile der Plastiken Odermatts, deren Oberfläche durch die Hammerschläge organisch strukturiert wirkt, werden unter bewusstem Verzicht auf die Schweisstechnik mit Hilfe von Bünden, Nieten und Scharnieren zusammengehalten. Die Dimension der meist unbetitelten Werke übertrifft nur ausnahmsweise die Spannweite von ausgebreiteten Armen; ihre Höhe wird bestimmt von der Arbeitshöhe auf einem niedrigen Tisch. (aus sikart.ch)

Foto: Christian Schwager/RKP

Gemeinschaftsgrab Birkenhain

Ein neues Gemeinschaftgrab wurde ab 2010 in Betrieb genommen. Es ordnet sich respektvoll in die Friedhofanlage von 1914 ein. Es spannt sich als offener Birkenhain zwischen dem oberen Besammlungsplatz mit dem erhabenen ‹Namensband› und dem unteren Platz mit einem schwebenden Wasserspiegel auf. Birken und weiss blühende Blumenhartriegel erzeugen in der ruhigen Rasenfläche ein einprägsames Bild von hoher Sinnlichkeit. Die Bestattung erfolgt dem Jahresverlauf entsprechend in Jahreszeit-Sektoren und wird auf dem ‹Namensband› an der entsprechenden Stelle beschriftet. Der Bildhauer Kurt Sigrist, Sarnen schuf eine kommunizierende Brunnenanlage, welche einen ideellen Zusammenhang über das gesamte Gemeinschaftsgrab schafft. Das Wasser – das ursprünglich aus der Erde kommt - kehrt wieder in die Erde zurück und schliesst symbolisch den Kreislauf des Lebens. Das Projekt wurde durch die Landschaftsarchitekten BSLA, Rotzler Krebs Partner GmbH realisiert.

Letzte Ruhestätte

„Erdenschwer und Himmelsnah“

Die Bronze-Stelen „Erdenschwer und Himmelsnah“ beim Grab der letzten Ruhestätte wurden 2010 vom Winterthurer Bildhauer Gregor Frehner (*1959) geschaffen. Frehner realisierte zwei aus Bronzeblech geschnittene Bildtafeln. Diese Tafeln, mit sichtbaren Flächen von 60x180 cm, sind auf würfelförmigen Sockeln eingelassen. An ihren Flächen wurden mit dem Hochdruck-Wasserstrahl die Motive senkrecht in die Bronzeplatten eingeschnitten. Die ursprünglichen, rechteckigen Umrissformen blieben gewissermassen als Rahmen und auch als Stützen stehen. Die Motive in diesen Bildtafeln bestehen aus Materie und den dazwischen freigelegten Flächen. Dieses Material und diese Leeren symbolisieren „Erdenschwer und Himmelsnah — Leben und Tod“. Die Bildmotive lehnen sich an die Darstellungen von Labyrinthen an. Auf der einen Platte öffnet sich die Wirrnis des Labyrinthes zum Zentrum hin, auf der andern Platte verdichtet sich das Motiv in umgekehrter Weise nach unten und oben. Bei frontaler Betrachtung der Platten werden diese Motive übereinander gelegt und es ergibt sich ein Bild der Gleichmässigkeit. Leben und Tod sind untrennbar miteinander verbunden!

Gedenkstätten

Zwei Gefallenen-Denkmäler haben auf dem Friedhof Rosenberg ebenfalls ihren Platz gefunden. Eines steht für die in Winterthur verstorbenen Soldaten der Bourbaki-Armee und eines für die polnischen Soldaten der zweiten Schützendivision, die im zweiten Weltkrieg in Winterthur wertvolle Arbeitseinsätze geleistet hat.

Bourbaki-Denkmal

Im Grabfeld 201 steht die Gedenkstätte für Soldaten der Bourbaki-Armee. Es ist ein Denkmal für die in Winterthur erlegenen Soldaten der Bourbaki-Armee. Die Armée de l'Est, wie sie offiziell hiess, kämpfte im Krieg 1870/1871 gegen die Deutschen, geriet aber nach einer Niederlage bei Belfort in eine solche Bedrängnis und Not, dass ihr General die Schweiz um Internierung bat. Zwischen dem 1. und 3. Februar 1871 übertraten 87'000 Soldaten und 12'000 Pferde bei Les Verrees, Sainte-Croix, Vallorbe und im Vallée de Joux die Grenze. Diese grosse Zahl entsprach damals drei Prozent der Schweizer Bevölkerung, weshalb die Männer auf 190 Ortschaften in allen Kantonen ausser dem Tessin verteilt wurden. Winterthur nahm 901 und Wülflingen 437 Soldaten auf. Die Internierung dauerte sechs Wochen bis die Soldaten zurück nach Frankreich reisen konnten. 1'700 von ihnen erlagen jedoch noch in der Schweiz den Wunden, verschiedenen Krankheiten oder ihrer Erschöpfung. Auf dem Friedhof Rychenberg wurde für die achtundvierzig in Winterthur Verstorbenen dieses Grabmal errichtet. Erst 1960, anlässlich der Stilllegung, gelangte es auf den Friedhof Rosenberg.

Polen-Denkmal

Für das Polen-Denkmal existiert ein separater Eintrag im winterthur-glossar.ch

Pärke
nach oben ↥
nach oben ↥
link