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Schlangenmühle am Bahnhofplatz

1657

Die Geschichte der Gebäude von der Schlangenmühle bis zum Coop City auf dem prominenten Platz (heute Bahnhofplatz) wiederspiegelt die geschichtliche Entwicklung der Stadt in besonderer Art und Weise.

Sondersammlung Winterthurer Bibliotheken

Mit dem Abbruch der Schlangenmühle verlor Winterthur ein Wahrzeichen. 1361 war sie als Lehen der Herrschaft Kyburg erstmals genannt. Im Verzeichnis der Besitzrechte der Kyburger (Urbar) von 1215 war bereits von einer Mühle die Rede. Die erste richtige Nennung geht aber auf 1347 zurück, und zwar als „obere Spitalmühle“, „Neumühle“ oder „Siggenmühle“. 1460 wurde sie bei der Belagerung durch die Eidgenossen vom Heiligberg mit Steinkugeln beschossen und schwer beschädigt. Die schweren Schäden machten während zwei Jahrhunderten ein rentables Schaffen unmöglich und es kam zu vielen Besitzerwechseln. Seit 1632 hat sich der Name Schlangenmühle durchgesetzt. Damals hatte ein Othmar Schlang aus dem Thurgau das Mülleramt übernommen und einen besonders guten Eindruck hinterlassen. 1657 wurde die Mühle innerhalb von drei Wochen fünfmal verkauft. 1657 baute das Spital einen neuen fünfgeschossigen Giebelbau, die Spitalmühle. Zuvor hatte der damalige Müller Johann Rudolf Hirzel 1854 einen Teil des Landes für den Bau der Bahnhofanlage verkauft.

1872 verkaufte Hirzel das Wohn- und Mühlengebäude an den Tapezierer und Wirt Konrad Hüni, der den Mühlebetrieb einstellte. Das Gebäude diente nun bis zu seinem Abbruch als Gaststätte „Zum Ochsen“. Durch den Bau des Bahnhofes in bester Lage, florierte das Riegelgebäude als Hotel Ochsen bis im Jahre 1930. Es musste dem ersten Bau der EPA (Einheitspreis AG) weichen. Dieser Flachdachneubau der EPA repräsentierte nicht nur architektonisch die Moderne, sondern die Eröffnung dieses Warenhauses läutete den Beginn des Konsumzeitalters in Winterthur ein. 2003 übernahm COOP Schweiz die EPA, baute um und eröffnete das Warenhaus COOP City.

Das fünfgeschossige Haus wies eine Rasterfassade aus Muschelkalk auf und setzte einen modernen Akzent zur gegenüberliegenden Altstadt. 1982/1984 wurde das Warenhaus gegen die Zürcherstrasse hin erweitert und der bestehende Teil umgebaut. Das ganze Gebäude wurde in ein braun eloxiertes Aluminiumkleid gehüllt. Die verantwortlichen Architekten waren Klemenz + Flubacher aus Zürich. Hinter der Alu-Fassade verbirgt sich noch das alte Haus.

2012 wurde das weit auskargende Vordach des Coop City-Gebäudes entfernt um dem neuen Pilzdach über dem Busbahnhof Platz zu machen. Was als Gegenstück zum harmonischen Altstadtbild nie funktionierte, kommt seit dieser Umgestaltung noch schlechter daher. Immerhin ist dem Warenhaus-Gebäude zu Gute zu halten, dass es Jahrzehnte vor dem Pilzdach am Bahnhofplatz präsent gewesen ist. Da die innere Funktion des Hauses aber bestens stimmt, ist eine Korrektur in absehbarer Zeit wohl kaum denkbar.

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