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Steinskulptur beim Jugendheim Oberwinterthur

Fri Feb 20 00:00:00 UTC 1942

Kunst findet im öffentlichen Raum vielfach nur wenig Beachtung. In diese Reihe ist auch die 80 cm hohe Steinskulptur von Werner Müller (1899-1986) aus dem Jahre 1940 „Sinnendes Mädchen“ zu stellen. Sie befindet sich in der Gartenanlage des Kinder- und Jugendheims Oberwinterthur an der Pestalozzistrasse.

In der Gartenanlage beim Eingang zum Kinder- und Jugendheim Oberwinterthur, steht die Steinskulptur «Sinnendes Mädchen». Beim näheren Betrachten der anmutig wirkenden Gestalt in knieender Haltung, richtet sich das Augenmerk schnell einmal auf den selbstversunkenen Gesichtsausdruck des Mädchens. Obwohl aus hartem, kaltem Stein gemeisselt, hat das reif wirkende Antlitz eine ganz eigene, vieldeutige Ausstrahlungskraft. Dadurch dass der Künstler den Kopf seiner Figur sanft nach links neigen liess, ergibt sich das Bild einer jungen Frau mit leicht skeptischer Lebenseinstellung.

Mit dem Gartenmoos welches sich behutsam wachsend, wie eine wärmende Decke über den Mädchenkörper und über dessen ineinander gelegten Händen ausbreitet, hat die Natur das ihre zum eindrücklichen Gesamtwerk beigetragen.

Der von Winterthur stammende Künstler Werner Müller, erschuf die Skulptur im Jahr 1940 in seinem Atelier in Ascona, wo er ab 1932 lebte. Müller betätigte sich sein Leben lang als Architekt und Steinbildhauer. Ausserdem war er der Vater des berühmten Schweizer Clowns Dimitri.

Das Werk «Sinnendes Mädchen» wurde jedoch nicht für das 1951 neu eröffnete Waisenhaus in Auftrag gegeben, sondern an diesen Standort versetzt. Im Jahre 1942 hatte die Evangelische Kirchgemeinde die Skulptur für die Zwinglikirche angekauft. Weil aber bald einmal kritisiert wurde, dass das Kunstwerk im Garten westlich der Kirche am Deutweg zu klein wirke, wurde es durch die Stadt erworben und in den 50er-Jahren beim heutigen Kinder- und Jugendheim platziert.

Text von Remo Strehler aus der Oberi-Zytig 221/18

Streckbrief des Künstlers

Müller, Werner Jakob, 1899-1986 besucht die Schulen in Winterthur. Von 1928 bis 1922 studiert er an der ETH Zürich Architektur. 1922 bis 1924 ist er als Architekt bei Hans Leuzinger in Glarus tätig. 1924/25 macht er eine Bildhauerlehre im Atelier Hans Stangl in München. 1927 bis 1931 lebt und arbeitet er in Paris. Ab 1932 ist er als Bildhauer, Maler und Architekt in Ascona tätig. Eine grössere Werkfolge realisierte Müller im Friedhof Rosenberg. Mit der Friedhoferweiterung um 1940 von Robert Merkelbach entstanden kleine Mauern, die den jeweiligen Abschluss der Grabfelder markieren. Neben den eingelassenen Brunnen sind beidseitig 16 kleine Reliefs (66x82cm) von Werner Müller platziert. In ihnen kommen beschauliche Szenen zur Darstellung: Schafe, Sitzende, Lesende, ein Sämann, ein Engel, eine Säugende und viele andere.

Natur
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